Neue Klangwirkungen in bekannter Musik

Das "Klarinettentrio Schmuck" spielt bei den Wurzer Sommerkonzerten klassische und moderne Werke.

Das "Klarinettentrio Schmuck" spielte bei den Wurzer Sommerkonzerten klassische und moderne Musikwerke.
von Reinhold TietzProfil

Auch an diesem Samstag bleibt der Garten bei den Wurzer Sommerkonzerten ungenutzt: Der wolkenverhangene Himmel bestimmt, dass die Musiker des „Klarinettentrios Schmuck“ ihr Programm im Marstall des Historischen Pfarrhofs absolvieren und eben nicht auf der Empore des Gartens. Dem intensiven Klang der Instrumente tut das keinen Abbruch. Sayaka Schmuck und Til Renner (beide Klarinette) sowie Felix Welz (Bassklarinette oder Bassetthorn) lassen ihr faszinierendes Spiel nicht vom Spielort beeinflussen. Dass drei Blasinstrumente im geschlossenen Raum anders ihre Klangwirkung entfalten als im Freien, ist ein Umstand, den nicht die Spieler hervorrufen.

Interessante Bearbeitungen

Der erste Teil des Konzerts am Nachmittag enthält interessante Bearbeitungen klassischer Musikstücke. Bearbeitungen ergeben neue Klänge und damit neue Eindrücke. Die Vortragsfolge beginnt mit der Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart, die nach der tief empfundenen Einleitung in gekonnt absolviertem, rasantem Tempo abläuft. Zwei der „Slawischen Tänze“, nämlich op 46/1 C-Dur und op 72/2 e-Moll, von Antonín Dvořák folgen je nach Intuition in munter tänzerischer Vorführung. Die drei Musiker sind fantastisch aufeinander eingespielt, sei es im raschen ersten oder im getragenen zweiten Tanz.

Aus drei Opern von Mozart erklingen nun Arien in einer Bearbeitung für drei Klarinetten. Sehnsuchtsvoll werden „holde Frauen“ in „Die Hochzeit des Figaro“ geehrt, das vermittelt das feine Spiel der Instrumente tadellos. Ebenso ehrerbietig klingt in „Reich mir die Hand mein Leben“ der Lebenswunsch des „Don Giovanni“. Aus der „Zauberflöte“ folgt in gleich verhaltener Ausdruckweise „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“. Dann aber kippt die Stimmung. Die Arie der Königin der Nacht, „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“, wird wild und virtuos dargeboten, wobei die Koloraturen einer Klarinette besonders faszinieren.

Nach der Pause folgen im zweiten Teil des Konzerts vor allem populäre Musikstücke des vergangenen Jahrhunderts. Die Vortragsfolge beginnt mit „Night Club“ aus „Histoire du Tango“ von Astor Piazolla, einem schwungvollen Tanz, unterbrochen von einem elegischen Einschub. „Little Negro“ von Claude Debussy verknüpft klassische Klänge mit Jazzrhythmen, Scott Joplins „Ragtime Trios“ geht weiter in die moderne Richtung, ebenso wie Henry Mancini mit „Moon River“, Paul Desmond mit dem Knüller „Take Five“ und Turner Layton/Benny Goodman mit „After You 've Gone“.

Ein echter Genuss

Die letzten Programm-Nummern schließen sich diesen Jazzklängen voll an: „Tico Tico“ von Zequinha de Abreu und „Alexander's Ragtime Band“ von Irving Berlin gleiten schwung- und klangvoll vorüber. Sie bilden den glanzvollen Abschluss des Programms, dem noch zwei Zugaben folgen. Ein echter Genuss ist dieser Abend. Wann hört man schon drei Klarinetten, die neue Klangwelten eröffnen und gekonnt darstellen? Das Einmalige wird zum besonderen Erlebnis, das man nicht missen möchte.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp