Symphonie aus Kunst und Natur

Lang ist die Liste der Preise, Auszeichnungen, Auftritte und Aktivitäten des Sedlacek Quartetts aus Prag. Zusammen mit Lukas Pavlicek (Oboe) verzaubern sie das Wurzer Publikum.

Die Zugabe: A. Dvorak. 9. Symphonie "Von der neuen Welt" 2. Satz
von Autor gagProfil

Sonnenstrahlen brechen sich im Laub der alten Bäume, werfen Schatten an die Hausmauer des Historischen Pfarrhofs. Im wunderschönen Ambiente des Wurzer Pfarrgartens verzaubert nicht nur die Musik die Gäste. In ihrer Begrüßungsansprache erinnert Rita Kielhorn an das Ende des Prager Frühlings vor 50 Jahren. "Umso schöner und dankbarer erleben wir heute, dass die Grenzen in beide Richtungen offen sind". Durch das historische Eingangstor in eine andere Welt versetzt, lassen sich die zahlreichen Gäste unter dem Tribünendach des alten Nussbaums von der Musik des Sedlacek-Quartetts, unterstützt durch Lukas Pavlicek auf der Oboe, verzaubern.

Der dominante und doch sanfte Ton der Oboe im Allegro des vom tschechischen Komponisten František Adam Míča (1746–1811) geschriebenen "Oboe Quartetts C-Dur für Oboe, Violine, Bratsche und Violoncello", geht dem Publikum unter die Haut. Augenblicklich stellt sich diese andächtig-ehrfürchtige Stimmung ein, die den Pfarrgarten als Konzertsaal so berühmt macht. Man hört nur noch die Musik und die Geräusche der Natur. Begleitet von Violine, Bratsche und Violoncello (Michal Sedlacek, Vit Kubik, Karel Chudy) entsteht eine Symphonie aus Musik und Naturklängen, wie dem Schlagen der Kirchturmuhr pünktlich zum Satzwechsel oder dem Piepsen eines Vogels mitten in einer Musikpause, das auch den Musikern ein Lächeln entlockt.

Genau diese Geräusche sind es, die der Musikdarbietung zusätzlich etwas Lebendiges geben. Etwas, das man in keinem Konzertsaal erlebt. Zusammen mit den Klangfarben aus Oboe und Streichinstrumenten ergibt sich so eine ganz besondere Komposition.

Ein beinahe schwelgender Grundton ergreift das Publikum, das dabei den Übergang von einem zurückhaltend anmutenden Adagio in ein leichtfüßiges Allegretto genießt.

Zum Streichquartett B-Dur, KV 458 "La caccia" (die Jagd), wechselt die Besetzung. Statt der Oboe betritt Jan Macecek mit der 2. Violine die Bühne. Zusammen mit 1. Violine, Viola und Violoncello (Michal Sedlacek, Vit Kubik, Karel Chudy) kredenzt das Musikerquartett, vor elf Jahren gegründet durch Michal Sedlacek an der Musikakademie Prag, traumhaft und präzise die Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart. Beginnend mit einem munteren Allegro vivace assai über das zurückhaltende Menuetto entlädt sich die durch ein sanftes Adagio aufgebaute Spannung in ein temperamentvolles 'Allegro assai'. Wie auf Kommando lässt dabei ein kräftiger Windstoß das Laub des wilden Weins am Marstallgebäude rascheln. Lang anhaltender Applaus schickt die Musiker in die Pause.

Beginnend mit Mozarts Quartett 'F-Dur KV 370 für Oboe, Violine, Bratsche und Violoncello' setzen die vier Musiker auch im zweiten Teil sofort Akzente. Eingeläutet hat ihn wieder die Kirchturmuhr, abgelöst durch die trillernden Oboenklänge von Lukas Pavlicek. Die langen Sätze dieses Musikstücks erfordern von dem Musiker eine spezielle Atemtechnik, die er perfekt beherrscht.

Ein Fest für die Ohren wird auch das letzte Stück im Programm, das Streichquartett in F-Dur, op. 96 von Antonin Dvorak, auch "Amerikanisches Quartett" genannt, das unzweifelhaft von den Vogelrufen am Turkey-River inspiriert scheint. Fordernd setzt sich die Geige von Michal Sedlacek durch, leitet über vom Allegro zum sanften 'Lento', das vordergründig durch das Violoncello von Karel Chudy bestimmt wird.

Ausdrucksstark versteht es das Sedlacek-Quartett, eine fast traurig-nachdenkliche Stimmung zu erzeugen. Doch schon wird das Publikum wieder mitgerissen, steigern die Musiker das Tempo, lassen zum Abschluss nochmals "molto vivace" einen Höhepunkt des Konzerts anklingen. Als Besonderheit zum Abschluss kündigt Jan Macecek ein Arrangement von Michal Sedlacek selber an. Der in Pilsen geborene Geiger hat das "Souvenir aus Pilsen" von B. Smetana für Violine arrangiert.

Den begeisterten Applaus und die Bravo-Rufe des Publikums belohnen die Musiker mit einer speziellen Zugabe, dem 2. Satz (Largo) aus Antonin Dvořáks 9. Symphonie "Aus der Neuen Welt".

Das Sedlacek Quartett aus Prag begeistert das Publikum in Wurz

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp