Teufelsgeiger macht Publikum sprachlos

"Foaie Verde" liefert mit "Just Gypsy" heiße Rhythmen in perfektem Ambiente in Wurz

Heißblütige, temperamentvolle Musik der Roma und der Länder Südosteuropas präsentiert die Gruppe „Foaie Verde“ bei den Wurzer Sommerkonzerten.
von Autor ZCHProfil

Von Christiane Zeigler

Wurz.Es war eigentlich alles perfekt, beim zweiten Konzert der diesjährigen Sommerkonzerte im Wurzer Pfarrhof. Das heiße Wetter passte hervorragend zur Musik der Gruppe "Foaie Verde" (Rumänisch für "Das grüne Blatt"), die unter dem Titel "Just Gypsy" heißblütige, temperamentvolle Musik der Roma und der Länder Südosteuropas mitgebracht haben. Die Stimmung im Publikum, das die schattigen Plätze unter den Nussbäumen bis auf den letzten Platz fülle, ist hervorragend. Und das Motto der Sommerkonzerte "Ja Ka Scha - So ist das Leben" scheint geradezu für die fünf Vollblutmusiker geschaffen. Sie präsentieren mit ihrer Musik alle Facetten des Lebens: Lebensfreude, Humor, Trauer und Trost, Liebe, Glück und Ruhe.

Klassik zu kopflastig

Ein Wort hört man am Sonntag im Publikum während des Konzertes immer wieder: Teufelsgeiger. Man ist sich einig - einen Musiker wie Sebastian Mare (Geige) erlebt man nicht alle Tage. Nach einer klassischen Ausbildung auf der Violine verschlägt es ihn zu der Musik der Roma. "Klassik ist mir zu kopflastig, da gibt es zu viel richtig oder falsch. Hier kommt die Musik direkt aus mir heraus", sagt der Künstler.

Das es genau so ist, wird schnell klar. In aberwitzigem Tempo werden rumänischer "Speed-Folk", serbische Rhythmen, ungarische und russische Folklore-Melodien mit großer Spielfreude, ungebändigtem Temperament und außerordentlich technischen Können präsentiert.

Katalin Horvat (Gesang) schlägt das Publikum mit ihrer energiegeladenen, ausdrucksstarken Stimme und geschmeidigen Tanzbewegungen in ihren Bann. Kaum ein Fuß kann stillhalten. Zu den rasanten Rhythmen wird mitgeklatscht und mitgesungen, und die Lebensfreude packt jeden einzelnen Zuhörer, wenn "Hoppá" im gleichnamigen Song gerufen wird und auch wenn man beim Mitklatschen den atemberaubenden Temposteigerungen der Musiker nicht ganz gewachsen ist - oder gerade deshalb.

Nur 90 Sekunden

Frank Wedemann (Gitarre), Steffen Hollenberger (Kontrabass) und Vladimir Trenin (Bajan) liefern nicht nur den musikalischen Unterbau zu den beiden Solisten, sie stehen ihnen in nichts nach. Mit beeindruckender Technik werden Rhythmus, Melodie und improvisatorische Soli gespielt, die immer wieder Zwischenapplaus bekommen. Humorvoll wird von Katalin Horvath und Sebastian Mare durch das Programm geführt. So kündigt Mare des Stück "Sirba Pompierlor" als alles andere als einen Hörgenuss an, das aber glücklicherweise nur 90 Sekunden dauere. Aus ersichtlichen Gründen haben die Musiker es kurzerhand in "Knarz" umbenannt. Gespielt wird es mit einem einzigen Haar des Bogens, der an einer Saite der Geige festgeknotet ist. Durch die Vibrationen, die beim ziehen über das Haar entstehen, wird ein etwas knarziger Ton erzeugt. Das Publikum stimmt dem "nicht vorhandenen Hörgnuss" aber überhaupt nicht zu und spendet begeisterten Beifall mit Bravorufen.

Nach verwegenen Rhythmen und atemberaubender Virtuosität scheint eine Steigerung kaum möglich. Doch "Hora lui Caliu", das die Musiker nach Aussage von Mare an ihre körperlichen Grenzen bringe, lässt so manche Kinnlade einfach nur herunter klappen. Die Zuhörer sind regelrecht sprachlos über das, was sie zu sehen und zu hören bekommen: Energie, ungezügelte Spielfreude und atemberaubende Technik im Hochgeschwindigkeitsrausch. Der Beifall und die Jubelrufe wollen kein Ende nehmen. Jedes einzelne Stück der Gruppe wird mit Bravo-Rufen begeistert gefeiert. Am Ende bedankt sich "Foaie Verde" mit zwei Zugaben und erst nach einem ruhigen und gefühlvollen Schlaflied gibt das Publikum Ruhe.

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