Wirbel um Höcke-Auftritt

Für die einen Hoffnungsträger, für andere Hass-Figuren - die AfD lässt keinen kalt. In zwei Wochen sollte ein Parteivertreter in die Oberpfalz kommen, der diesen Gegensatz so sehr symbolisiert wie kein anderer.

Björn Höcke bei seinem Auftritt in Lappersdorf.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die AfD betreibt vor der Landtagswahl großen Aufwand in der Oberpfalz. Am Mittwoch überschlagen sich dann die Ereignisse. Erst heißt es, dass der Fraktionssprecher im thüringischen Landtag, Björn Höcke, am Mittwoch, 19. September, in der O'Schnitt-Halle im Püchersreuther Ortsteil Wurz (Landkreis Neustadt/WN) sprechen wird. Kurz vor Redaktionsschluss geben die Verantwortlichen der O'Schnitt-Halle dann bekannt, dass sie die Veranstaltung abgesagt haben. Schon seit einigen Tagen steht zudem fest, dass der Bundesvorsitzende der Partei, Jörg Meuthen, am 29. September in der Schwarzachtalhalle auftritt. Weitere Veranstaltungen sollen in Planung sein.

Eingeladen haben Höcke die Landtagskandidaten der AfD in der nördlichen Oberpfalz, Stefan Löw für den Wahlkreis Tirschenreuth und Roland Magerl für Weiden. Der Termin sei kurzfristig angesetzt, weil auch Höckes Zusage kurzfristig zustande gekommen sei, sagt Löw.

Sowohl Meuthen als auch Höcke werden dem nationalistischen Flügel der AfD zugerechnet. Dementsprechend heftig waren die Reaktionen auf Facebook, auf diese die Verantwortlichen der Halle nun mit der Absage reagiert haben. Löw hatte bereits am Nachmittag erklärt, dass er mit Gegendemonstranten rechnet. Höcke hatte erst am vergangenen Samstag für Aufsehen gesorgt, als er den "Schweigemarsch" der Partei in Chemnitz anführte. Teilnehmer trugen dabei Plakate mit Porträts von Menschen, die laut AfD von Flüchtlingen getötet worden sind. Auch eine Aufnahme der Amberger Studentin Sophia Lösche war zu sehen - obwohl sie sich gegen die AfD engagiert hat, und sich ihre Angehörigen auch nach dem gewaltsamen Tod der 28-Jährigen gegen die Partei aussprachen.

Zudem ist im Fall Lösche kein Flüchtling, sondern ein Fernfahrer aus Marokko tatverdächtig. Die Familie Lösche hat der AfD in einem offenen Brief vorgeworfen, das Andenken Sophias zu missbrauchen. Dennoch nutzte Björn Höcke noch am Mittwoch eine Aufnahme der Aktion als Titelbild seiner Facebook-Seite.

Der Geschäftsführer der O'Schnit-Halle, Thomas Kreuzer, hatte am Nachmittag betont, dass die Überlassung der Halle keine politische, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung gewesen sei. "Auf der Halle lasten noch immer Schulden, wir brauchen die Einnahmen." Über die Vermietung hätten die Verantwortlichen der Betreiber-Vereine SV Wurz und "Hogerer" entschieden. Kreuzer verweist auf die Stadthalle in Neustadt/WN und die Mehrzweckhalle Mantel. In Neustadt hatte sich die AfD vor einigen Tagen eingemietet, in Mantel sei im Oktober ein Termin geplant. "Wenn die AfD dorthin darf, kann es uns niemand verbieten." Wenige Stunden später änderte er seine Meinung.

In Neustadt wie in Mantel handelt es sich tatsächlich um öffentliche Hallen. Wegen des Gleichbehandlungsgebot kann eine Kommune eine Partei nicht ablehnen, wenn andere die Halle nutzen dürfen. Die Rechtsaufsicht des Landratsamts Neustadt/WN habe festgehalten, dass eine Ablehnung vor dem Verwaltungsgericht wohl kaum Stand gehalten hätte, hatte Neustadt Bürgermeister Rupert Troppmann argumentiert.

Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

Rückfrage, Herr Waßink: Was genau finden Sie jetzt respektlos? Das uns allen bekannte Schild, hinter dem Frau Roth hergelaufen ist (dessen ordinären Inhalt ich hier nicht wiederholen möchte) oder dessen Erwähnung durch meine Frau?

P.S. Ich bin in Kürze mehrere Stunden offline.

06.09.2018
Martin Waßink

Also die AfD bucht Veranstaltungsräume, entweder ohne einen Hauptredner zu haben oder den angefragten "prominenten Redner" nennen zu wollen. Das nenne ich unanständig.

Außerdem möchte ich die behauptete Aussage von Herrn Dr. Spielhofen in Zweifel ziehen, dass die AfD jede/n, der/die eine andere Meinung hat respektieren würde: Am Wahlkampfstand in Weiden hat u.a. sogar Ihre Frau, Herr Dr. Spielhofen, sich definitiv respektlos gegenüber Frau MdB Claudia Roth (Grüne) geäußert, die mit irgendwelchen linken Demonstranten und irgendwelchen Schildern mitgelaufen sei.

Übrigens: Herr Höcke schritt am Samstag in Chemnitz übrigens auch direkt neben Herrn Lutz Bachmann, einen mehrfach verurteilten Kriminellen und Pegida-Gründer bei ihrem "Trauermarsch". Seine öffentlichen Auftritte sprechen für sich, Herr Punzmann hat hier völlig Recht. Sogar Herr Söder hat das am Gillamoss richtig benannt!

06.09.2018
Dr. Jürgen Spielhofen

Obwohl unangenehm betroffen, möchten wir den Hallenbetreiber gegen ungerechtfertigte Vorwürfe in Schutz nehmen und klarstellen, dass die Halle vorsorglich für einen prominenten Redner angemietet wurde, aber zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung noch nicht endgültig feststand wer letzlich dieser Redner sein würde!

AfD Weiden.

06.09.2018
Tobias Punzmann

Glücklicherweise sind die Betreiber der Halle zu Sinnen gekommen. Allerdings ist es unverständlich, wie man so eine Buchung überhaupt annehmen kann. Es handelt sich ja nicht um irgendeine Veranstaltung irgendeiner Partei. Es handelt sich um den Auftritt eines der größten Hetzer, Rassisten und Nationalisten, den Deutschland seit dem Krieg gesehen hat.

06.09.2018
Dr. Jürgen Spielhofen

Der Veranstaltungsort ändert sich. Die Halle in Wurz hat - trotz bestehenden Pachtvertrages - abgesagt. Die Sponsoren sind abgesprungen. Der Druck war zu groß!

Dazu unser Kommentar: Wir respektieren nicht jede Meinung, aber wir respektieren jeden der eine andere Meinung hat als wir!

AfD Weiden.

05.09.2018
Dr. Jürgen Spielhofen

Allen AfD-kritischen Kommentatoren hier kann ich nur empfehlen sich durch persönliche Anwesenheit ein eigenes Bild von Herrn Höcke zu verschaffen. Kritik an einer Veranstaltung üben seriöse Kommentatoren immer erst danach - nicht vorher!

Dr. phil. Jürgen Spielhofen
Diplompsychologe
Ortsvorsitzender AfD Weiden.

05.09.2018
Martin Waßink

Herr Höcke versucht seit Jahren immer wieder, was eindeutig belegt ist, den Holocaust zu verharmlosen. Wenn er von einer "erinnerungspolitischen Wende von 180 Grad" spricht, möchte er das Nazi-Regime verharmlosen, sich nicht mehr erinnern und die Aufmerksamkeit von einer grausamen Kriegszeit nehmen, die halt auch zu unserer Geschichte gehört. Und aus der wir für alle Zeit Lehren ziehen sollten. Meine beiden Großväter sind beide im Krieg gewesen, einer kam zurück - mit einem Loch im Rücken, aus russischer Kriegsgefangenschaft.

Letzten Samstag habe ich in der Weidener Fußgängerzone einen älteren Herren getroffen, der angewidert von den Aussagen von Höcke und anderen AfD-Vertretern war. Da er selbst noch die Kriegszeiten erlebt habe, mache er sich umso mehr Sorgen bei solchen Äußerungen.

@Joachim Datko: Ihre billige und durchschaubare Werbung für die Veranstaltung hier, halte ich für durchschaubar und pseudo-seriös geschmacklos.

@Tobias Punzmann: Da schließe ich mich an - und ich finde krass, dass der Vorstand des SV Wurz seinen gemeinnützigen Auftrag eines Sportvereins verrät. Ich hoffe, da geben genügend Vereinsmitglieder contra - ich würde mich jedenfalls schämen an deren Stelle.

05.09.2018
Tobias Punzmann

Ich spende gerne an die Betreiber der O'Schnitt-Halle, so dass sie nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen gegen ihr Gewissen handeln müssen! Ich denke, es würden sich genug finden, um ihnen eine Absage leicht fallen zu lassen. Im Gegensatz zur Stadt Neustadt mit der Neustädter Stadthalle sind sie nicht gezwungen, Rechtsextreme in die Halle zu lassen.

05.09.2018
Joachim Datko

Herr Höcke ist Gymnasiallehrer für Geschichte. Seine Interpretation des Zeitgeistes ist weitestgehend richtig.

Ich war dieses Jahr bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung mit Herrn Höcke als Hauptredner in Lappersdorf. Sie war ein voller Erfolg!

Ungefähr 400 Zuhörer konnten, zum Teil vor der großen Eingangstür, den Ausführungen der Redner, die mit viel Applaus bedacht wurden, folgen.

Von der Gegendemonstration war im Saal nichts zu hören, sie störte die Vorträge nicht.

Mir war es vor allem wichtig, dass die Redner die Masseneinwanderung und die Islamisierung verurteilten.

Ich kann Wahlkampfveranstaltungen der AfD nur empfehlen. Mittlerweile habe ich Professor Meuthen, Herrn Boehringer (Autor von Holt unser Gold heim), den Gymnasiallehrer für Geschichte Herrn Höcke und Frau Dr. Weidel gehört. Es hat sich gelohnt, die AfD hat viele erstklassige Politiker.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

05.09.2018

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