Zauber(er) der Oboe

Endlich ist die sommerkonzertlose Zeit in Wurz vorbei. Am Samstag eröffnete Rita Kielhorn die 31. Konzertsaison, die unter dem Motto "Ja Ka Scha – So ist das Leben" steht.

von Harald BäumlerProfil

Mit den Mitgliedern des Adamus-Ensembles standen auch einige gute alte Bekannte auf der Bühne, so dass der Genussfaktor beim Wiedersehen und Wiederhören garantiert war. Dem instabilen Wetter geschuldet musste die erste Hälfte des Konzertes in den Marstall verlegt werden. Es ist schon eine Herausforderung für die Akteure, mit gerade einmal einem halben bis einen Meter Abstand zur ersten Sitzreihe ungezwungen zu musizieren.

Die Profis aus Tschechien schien dies in keiner Weise zu stören. Unbeschwert, frei von allen Erkenntnissen und Zwängen der historisch informierten Aufführungspraxis spielten sie Albinonis Oboen-Concerto mit großer Musikalität und ebensolchem Ton. In der bassbevorzugenden Akustik des Marstalls steht so gefühlt schnell ein Symphonieorchester in der Mitte, und das Spinett wird fast zur optischen Komponente.

Mozart mit großem Ton

Mozarts Divertimento D-Dur bot dem Streichquintett die Gelegenheit zur Präsentation all dessen, was dieses Ensemble ausmacht. Klangschöne Linien in perfektem Zusammenspiel. Wunderbar war zu verfolgen, mit welch feinen Bewegungen und Blicken Tempi koordiniert wurden und in fein austarierter Dynamik jeder seinen Platz im musikalischen Geschehen fand.

Viele im Publikum machten in diesem Konzert zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem böhmisch-österreichischen Komponisten Adalbert Gyrowetz. Rhythmisch abwechslungsreich hat dieser im Stil seiner Zeit eine Sinfonia Concertante für Oboe und Orchester geschaffen. Besonders die Kadenz im 1. Satz schien dem überlegenen Solisten an der Oboe, Jan Adamus, und seinem unendlichen Atem auf den Leib geschrieben zu sein.

Schwelgen im Garten

Nach der Pause und dem allseits ersehnten Umzug in den Garten war erst mal Schwelgen pur angesagt. Die Streicherabteilung verwöhnte das Publikum mit Josef Suks dichtgewobener "Meditation über den St.-Wenzels-Choral" und zwei Walzern op. 54 von Antonín Dvořák.

Diese Atempause war für Jan Adamus gut angelegt, denn der Italiener Antonio Pasculli hat mit seinem Concerto über Motive aus der Donizetti-Oper „La Favoritta“ einen wahren Höllenritt für Oboe geschrieben. Besonders hier kam Adamus' außergewöhnliche Technik der Zirkularatmung zum Einsatz, die einen kontinuierlichen Luftstrom auch während des Einatmens und damit fast endlos ununterbrochene Musikphrasen ermöglicht. Glasbläser kennen diese Technik übrigens auch. Großen Applaus spendete das begeisterte Publikum, der mit einer Gavotte von Johann Ludwig Bach belohnt wurde.

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