Zwischen purer Lebensfreude und Traurigkeit

Salzburger "Klezmer pur" begeistert bei den Wurzer Sommerkonzerten im historischen Pfarrhof

Die Leidenschaft für die Klezmermusik bringt das österreichische Trio beim Sommerkonzert in Wurz beeindruckend zum Ausdruck.
von Autor SBSProfil

Klezmer steht für ein Mosaik aus Lachen und Weinen, Tanz und Klage, Lebensfreude und Traurigkeit. Diese Gefühle kommen wohl nirgendwo besser und unmittelbarer zum Ausdruck als in jener jiddischen Volksmusiktradition. Etwa um 1500 entwickelten Musikanten, die sogenannten "Klezmorim", eine Tradition weltlicher, nichtliturgischer jüdischer Musik, die sich doch eng an religiösen Überlieferungen orientierte.

Gerade diese Leidenschaft für die jiddische Musik ist es auch, die das Trio "Klezmer pur" mit Georg Winkler (Klarinette), Hubert Kellerer (Akkordeon) und Peter Aradi (Kontrabass) aus Salzburg vereint, das am Sonntag unzählige Besucher bei den Wurzer Sommerkonzerten in die faszinierende Welt des Klezmer entführt. Mit ihrer charmanten Art und ihrer professionellen und leidenschaftlichen Spielweise gelingt es den Musikern, die Zuhörer sofort in ihren Bann zu ziehen. Kein Wunder, denn wer einmal diese kleinen, einfachen Melodiebögen und die monotonen Takt- und Tonfolgen gehört hat, die sich nach und nach zu einem virtuosen Klanggebilde aufbäumen, der lässt sich wohl schon fast automatisch anstecken von der wunderbaren Mischung aus Lebensfreude, Melancholie und Traurigkeit. Bei diesem Trio klingt die Klezmer-Musik stets authentisch, aber auch erfrischend anders. Unkonventionell und von manchen gängigen Klischees befreit, verstehen sie es, die reichen Traditionen der jiddischen Musik ins Heute zu übertragen. Und wie von selbst sind es schließlich die Instrumente, die die ureigenen Gefühle des Klezmer transportieren: Da singt die Klarinette, da weint das Akkordeon und der Kontrabass ist die Basis, die Lachen und Weinen, Freude und Klage vereint. Die Stücke, die das Trio für das Konzert ausgesucht hat, entstammen fast alle dem jiddischen Hochzeits- und Festrepertoire. Ein festlicher Hochzeitsmarsch, eine Polka-Connection und ein virtuoser Feuertanz sind hier ebenso zu hören wie ein Dialog zwischen einer jungen Dame und einem stürmischen Jüngling in einem ruhigen Lied aus Bulgarien sowie ein ebenso lyrisches wie ausgelassenes Lied mit dem Titel "Eine Nacht im Garten Eden".

Die Tradition des Klezmer ist schillernd und faszinierend zugleich. Alles beruht auf dem gleichen Prinzip, und doch klingt nichts wie das andere. Die Melodien fließen durch die Musiker hindurch wie durch einen Filter, so dass sich die Stücke von Konzert zu Konzert verändern. Bei alledem entpuppen sich Georg Winkler, Hubert Kellerer und Peter Aradi nicht nur als exzellente Virtuosen, sondern auch als Musiker, die es verstehen, das Spiel mit Melodien, Rhythmen und Geschwindigkeit und ihre Leidenschaft für die jiddische Musik lebendig werden zu lassen.

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