In Bayern scheint der Trend zur Landflucht gestoppt. Von den knapp 13 Millionen Einwohnern des Freistaats lebten Ende 2016 7,21 Millionen im ländlichen Raum. Das entspricht einem Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es war der fünfte Anstieg in Folge. Von der Entwicklung, die vom massiven Flüchtlingszuzug um die Jahreswende 2015/16 begünstigt wurde, profitierten alle Regierungsbezirke, wie aus dem von Finanzminister Albert Füracker vorgelegten Heimatbericht 2017 hervorgeht. In der Oberpfalz betrug das Bevölkerungswachtum 0,6 Prozent. Leichte Bevölkerungsverluste gab es noch in den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach.
Wie im bayernweiten Trend stieg 2016 auch in der Oberpfalz die Zahl der Geburten an, und zwar um 3,2 Prozent auf 9818. Die Zahl der Sterbefälle sank gleichzeitig um 3,5 Prozent auf 11 776. Ausgeglichen wurde dieser Sterbeüberschuss durch ein Wanderungsplus aus dem In- und Ausland von per Saldo 8245 Personen. Bayernweit entfiel gut die Hälfte der Zuwanderung auf den ländlichen Raum, davon wieder etwa die Hälfte kam aus dem EU-Ausland.
Trotz steigender Bevölkerungszahl ging in der Oberpfalz auch 2017 die Arbeitslosenquote von durchschnittlich 3,2 auf 2,9 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 460 896 (plus 2,9 Prozent).
Füracker sah in der Entwicklung einen Erfolg der 2013 gestarteten Heimatstrategie der Staatsregierung mit einer Verbesserung der Finanzausstattung der Kommunen, Behördenverlagerungen und dem Breitbandausbau. "Der ländliche Raum ist keine Abwanderungsregion mehr und ist flächendeckend wirtschaftsstark", sagte Füracker.
Mit der neuen "Offensive Heimat Bayern" werde diese Entwicklung nun fortgesetzt. Sie ruhe auf fünf Säulen und ziele darauf ab, vor allem besonders finanzschwache Kommunen "weiter auf höchstem Niveau" zu unterstützen. Der Minister verwies unter anderem auf die angestrebte verbesserte Förderung zur Schwimmbadsanierung und den staatlichen Kostenersatz für den Wegfall der Straßenausbaubeiträge.
Mit den tschechischen Nachbarn will Füracker noch mehr EU-Fördermittel in den bayerischen Grenzraum holen. Für den Herbst seien gemeinsame Regionalforen geplant, in denen neue förderfähige grenzüberschreitende Projekte abgesprochen werden sollen. An der Weiterentwicklung ihrer Heimatregionen sollen sich künftig auch die Bürger stärker beteiligen können. Hier gehe es vor allem die Bereiche Wohnen, Wirtschaft und Verkehr. Das staatliche Förderprogramm dazu soll verlängert und finanziell besser ausgestattet werden, kündigte Füracker an. Bis 2020 will die Staatsregierung 100 Millionen Euro zum Ausbau "Digitaler Rathäuser" aufwenden. Ziel sei, dass die Bürger möglichst viele Verwaltungsleistungen rund um die Uhr online wahrnehmen könnten.
28.06.2018 - 21:25 Uhr
Zuwanderung stärkt das Land
von Jürgen Umlauft
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