Flossenbürg
18.05.2018 - 12:10 Uhr

Lena Möller stellt Masterarbeit über Areal "Vogelherd" vor: "Auf Stätten des Leids zu Heimen des Glücks"

Es ist nicht irgendein Siedlungsgebiet, sondern der Bereich "Vogelherd". Gelegentlich ist auch noch der Begriff "Lager" zu hören, ohne dass das abwertend gemeint wäre. Von einem Teil der Vergangenheit des Vogelherds wird am Mittwoch, 23. Mai, bei einem Informationsabend erzählt.

Links das heutige "Museumscafé". Die ersten Wohnhäuser am Vogelherd stehen bereits. Heimatvertriebene fanden darin endlich eine vernünftige Unterkunft. 	Repro: nm
Links das heutige "Museumscafé". Die ersten Wohnhäuser am Vogelherd stehen bereits. Heimatvertriebene fanden darin endlich eine vernünftige Unterkunft. Repro: nm

Lena Möller stellt bei der um 19 Uhr im Rathaus beginnenden Veranstaltung ihre Masterarbeit vor. Die beiden Bände sind überschrieben mit "Auf Stätten des Leids zu Heimen des Glücks - Eine Heimat für Vertriebene in Flossenbürg". Die Studentin aus Regensburg, sie beschäftigt sich mit der Geschichte und der vergleichenden Kulturwissenschaft, befasste sich in ihrem Werk mit der Nachkriegsgeschichte des Vogelherds.

Bürgermeister Thomas Meiler und Lehrstuhlinhaber Prof. Daniel Drascek schlugen ihr die anspruchsvolle Thematik für die Masterarbeit vor. Möller sagte zu und steckte seitdem viel Zeit und Energie in den wissenschaftlichen Beitrag. Verbunden waren damit die Suche in Archiven, Zeitzeugengespräche oder Zusammenkünfte mit Anwohnern. Das Ergebnis soll nicht in der Schublade verschwinden, sondern in der Öffentlichkeit in den Fokus rücken. Darüber hinaus ist geplant, Infotafeln mit einer Kurzfassung der Vogelherd-Vergangenheit aufzustellen.

Früher standen im Norden der Grenzgemeinde KZ-Baracken und nach dem Krieg, als Flossenbürg durch den Zustrom der Heimatvertriebenen aus allen Nähten platzte, dienten die sogar als Wohnraum. Viele Gebäude waren bis zum letzten Quadratmeter belegt. Die Menschen hatten die Hoffnung auf eine vernünftige Wohnung aufgegeben. Ab den 1950er-Jahren verschwanden die Notunterkünfte dann doch zugunsten von richtigen Häusern. Auf dem Gelände des früheren KZ entstanden durch das Landkreissiedlungswerk und die Gemeinde 130 Wohnungen - fast ein kleines Wunder.

Gleichzeitig war die Entwicklung aber extrem umstritten. Bis in die Gegenwart herein gibt es emotional geführte Diskussionen. Möllers Masterarbeit ermöglicht einen Blick auf die Historie der Siedlung und der Vertreibungsschicksale. Es geht dabei um Debatten rund um den Vogelherd im Zwiespalt zwischen Wohn- und Gedächtnisort. Dafür sind unterschiedliche Blickwinkel möglich und auch nötig.

 
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