18.05.2018 - 12:00 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Ausflüge in der Region Eine Grenze, die verbindet

Es sind schon immer die Wanderer gewesen, die die Grenze zwischen der Oberpfalz und Tschechien nicht als Trennung, sondern als Verbindung begriffen haben. Sie führt durch ein Gebiet, in dem die Granitinseln noch nicht beseitigt sind, vorbei an Wasserläufen, die noch nicht reguliert sind, durch einen Wald, in dem es noch Ursprüngliches zu entdecken gilt.

von Rudolf BarroisProfil

  Von Rudolf Barrois und Manfred Janker

Manfred Janker, Vorsitzender des Oberpfälzer Waldvereins in Georgenberg, gehört zu denen, die den wirklichen Wert der Heimat jenseits wirtschaftlicher Hochleistung und unweit der ehemaligen Grenze erkannt haben und dies den Besuchern vermitteln wollen. Diesem Gedanken folgt auch Janker, wenn er eine Rundwanderung diesseits und jenseits der Grenze projektiert hat, die wir als Ausflug in der Region gerne vorschlagen.

Auf dem Weg in den Wald steht die Alte Mühle von Gehenhammer, die der Oberpfälzer Waldverein Georgenberg renoviert hat. Im Mittelalter gab es dort einmal ein Hammerwerk, das aber in den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert zerstört wurde. Die Wasserkraft des Drachselbaches nutzte man dann für eine Säge. 1834 errichtete man eine Mahlmühle, die bis 1960 in Betrieb war. Die Alte Mühle ist bevorzugter Treffpunkt für einheimische und fremde Wanderer.

Ruine im Bergwald

Über die Tafelbuche führt der Weg hinauf zur Ruine Schellenberg. Im wildromantischen Bergwald versteckt, ist sie heute wie damals zur Zeit ihres Baus ein letzter Haltepunkt, bevor es ins Böhmische geht. Die Landesgrenze verläuft einen Kilometer östlich. Im 14. Jahrhundert von den Herren von Waldau und Waldthurn gegründet, diente der Schellenberg zusammen mit Flossenbürg, Fahrenberg, Tännesberg, Pleystein und Leuchtenberg zur Verteidigung des Gebietes und zum Schutz der Goldenen Straße, die nach Prag führte. 1498 wurde die Burg, die als Raubritternest diente, zerstört.

Für die Wanderer ging es bis zur Beseitigung des Eisernen Vorhangs an der Grenze nicht mehr weiter. Die weißblauen Pfähle markieren heute noch den eigentlichen Verlauf. Im rückwärtigen Raum gab es allerdings eine befestigte Demarkationslinie mit einem elektrisch geladenen Zaum und einem Minengürtel. Heute hindert nichts mehr das Weiterwandern den Berg hinauf zum Aussichtsturm auf dem Havran (deutsche Bezeichnung: Rabenberg). Hier erhob sich bis zur politischen Wende in der Tschechoslowakei ein Horchposten. Von dem Holzturm konnte die Bewegung von Nato-Truppen bis zu einer Entfernung von 500 Kilometern abgehört werden.

Weiter Blick in die Ferne

Der Turm war besonders gesichert durch einen Doppelzaun für eine Hundelauf-Anlage, die teilweise noch vorhanden ist. Heute steht an dieser Stelle ein Metallturm mit 120 Stufen, der einen weiten Blick in das Gebiet diesseits und jenseits der Grenze erlaubt. Der Wanderer mag sich nicht vorstellen, dass auf dem Weg, der vom Gipfel des Havran hinunterführt, befestigte Sperranlagen aufgebaut waren, die vor westlicher Seite nicht sichtbar waren.

Dass man sich auf ehemaligem Sperrgebiet befindet, wird einem erst wieder bewusst, wenn unvermittelt im Wald die Reste eines eisernen Grenztores aus der Zeit der Ersten Tschechischen Republik nach dem Ersten Weltkrieg auftauchen. Nach wenigen hundert Metern zeigen sich die weißblauen Pfähle. Wir befinden uns wieder in Neudorf, auf deutschem Gebiet.

Wegbeschreibung

Start ist am Wanderparkplatz bei der Alten Mühle Gehenhammer bei Georgenberg. Nach zirka 150 Meter sehen Sie ein Hammerwerk im Faislbachl mit einen Geocaching-Punkt und ein Insektenhotel. Nach weiteren 50 Meter erreichen Sie die Alte Mühle Gehenhammer. Der Wanderweg führt über Stufen vorbei an einem Rinderstall Richtung Norden zu einem Weg.

Links ab und vorbei an einer Kapelle und der Überquerung einer eingezäunten Weide erreichen Sie den Wald. Über einen Hohlweg erreichen Sie nach 300 Metern eine Forststraße. Hier biegen Sie links ab und folgen dieser zirka 1Kilometer bis zur Tafelbuche. (Wanderinfo). Unterwegs überqueren Sie einen Bach (Drachslbachl). Es ist ein Hinweis auf eine Dolme angebracht. Diese erreichen in 10 Minuten auf einem Stichweg. Nun geht es zirka 700 Meter steil bergan Richtung Burgruine Schellenberg (809 Meter). Nach einem Aufstieg (roter Punkt) können Sie einen wunderbaren Rundblick genießen. Weiter führt der Weg zum Brotfelsen, eine Granitformation aus runden Brotlaiben.

Infos unter dem Pilz

Nach zirka 300 Metern kommen Sie an einen Unterstellpilz, an dem Sie sich über die Natur und die Bayerischen Staatsforsten informieren können. Sie kommen an eine Forststraße und folgen dieser zirka 500 Meter. Nun biegt der Weg nach rechts ab. Bergauf erreichen Sie nach 300 Meter die Landesgrenze. Der Weg biegt nach rechts ab, und nach 300 Meter biegt dieser wieder links ab. Sie betreten nun die Tschechische Republik. Bergan nach etwa 400 Metern erreichen Sie den Aussichtsturm auf dem Havran (894 Meter). Hier führt nun der Weg nach Süden. Benutzen Sie den tschechischen Weg mit der Markierung weiß/blau/weiß. Nach 100 Meter sieht man links noch Überreste einer Hundelaufanlage. Diese diente zur Absicherung des Hochsicherheitstraktes. Der Weg führt jetzt auf der alten Trasse des „Eisernen Vorhangs“. Dieser war gesichert mit Starkstrom und auch vermint.

Auf schönen Steigen überqueren Sie zweimal die geteerte Forststraße.
Nach der zweiten Überquerung biegt der Weg nach zirka 400 Meter nach links ab. Über einen kleinen Wasserlauf führt der Weg auf eine freie Fläche. Hier bieten sich Ausblicke in die Ferne an. Anschließend geht es bergab und nach 1 Kilometer kommen Sie an einen Infopilz. Der Weg biegt nach rechts ab. Nach 300 Meter auf der Teerstraße geht es nach links. Sie überqueren wieder den „Eisernen Vorhang“ und kommen nach gut 400 Meter an eine Wegesperre. Hier informiert eine Infotafel über die Geschichte. Nach 150 Meter erreichen Sie wieder einen Grenzsteig .

Vorbei an verlassenen Häusern

Hier biegen Sie links ab und erreichen nach ungefähr 300 Metern den dritten Schüsselstein. Auf diesem befindet sich der Grenzhauptstein 18. Der Weg führt rechts weiter entlang des Grenzsteigs über den zweiten Schüsselstein nach Neudorf. Am Waldausgang sind die ersten Häuser von Neudorf zu sehen. Vorbei an einem Marterl erreichen Sie dann den Endpunkt der tschechischen Markierung. Auf den freien Flächen auf tschechischer Seite befanden sich bis 1956/1957 die verlassenen Häuser. Diese wurden etwa 1957 geschliffen. Ab hier führt wieder die Markierung Schwarze 1 in weißem Kreis durch Neudorf.

Nach 300 Metern Teerstraße biegt der Weg nach rechts ab. Es geht bergan, und nach 250 Meter verlassen Sie nach rechts die Ortschaft Neudorf. Sie kommen an einen Wanderwegweiser. Hier biegen Sie nach links ab. Steil bergan erreichen Sie nach zirka 250 Metern eine kleine Kapelle und den Troidlberg (708 Meter). Ein herrlicher Rundblick entschädigt für den mühsamen Aufstieg. Nach 100 Metern kommen Sie an eine Wegegabel. Hier biegen Sie nach rechts ab. Auf einen schönen Waldsteig erreicht man nach 400 Metern eine Kreuzung, überqueren diese und kommen nach gut 50 Metern wieder an eine Kreuzung. Hier biegen Sie links ab und erreichen nach 300 Metern den Ausgangspunkt beim Wanderparkplatz der Alten Mühle Gehenhammer.

Zum Schluss sollten Sie auf jeden Fall die urige Alte Mühle besuchen und das ruhige Flair dieses schönen Fleckchens Erde genießen.

Infos zum Weg

Grenzüberschreitender Rundwanderweg mit zwei  verschiedene Markierungen.Tschechische Seite: vom Havran bis Neudorf ist die Markierung waagrecht weiß/blau/weiß Deutsche Seite: von Neudorf über Alte Mühle Gehenhammer, Tafelbuche, Burgruine Schellenberg, Brotfelsen, Schauertanne, Landesgrenze bis zum Havran schwarze 1 auf weißem Kreis. Gesamtstrecke: 11 Kilometer Beschaffenheit: meist naturbelassener Weg (Steig), anspruchsvoll Einkehrmöglichkeit: Alte Mühle Gehenhammer
Öffnungszeiten (Mühle): Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag ab 13 Uhr Anfahrt:Die Alte Mühle Gehenhammer erreicht man – ganz gleich ob von Süden oder Norden kommend – über die A 93. In Weiden folgen Sie dem Wegweiser nach Vohenstrauß. Unweit der Gaststätte „Zirlwirt“ biegen Sie nach links in Richtung Waldthurn-Neuenhammer-Georgenberg ab. In Georgenberg folgen Sie nach links der Abzweigung zur Alten Mühle (zwei Kilometer entfernt). Kurz bevor sich der Wald öffnet und eine weite Wiesenfläche mit dem Ort Gehenhammer freigibt, zeigt ein Wegweiser zu einem Waldparkplatz unterhalb der Mühle, dem Startpunkt unserer Wanderung.

Kommentare

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Thomas Dobler

Eine schöne und sehr abwechslungsreiche Wanderung, die wir mit der Familie an Fronleichnam unternommen haben. Für die rund zehn Kilometer lange Strecke haben wir inklusive einer Brotzeitpause und kurzen Aufenthalten auf der Burgruine Schellenberg und auf dem tschechischen Aussichtsturm auf dem Rabenstein fünfeinhalb Stunden gebraucht.
Bei der abschließenden Einkehr in der Mühle Gehenhammer zeigte sich, dass an vielen Tischen die Wanderer die doppelseitige Wanderbeschreibung aus dem Neuen Tag dabei hatten.

31.05.2018

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