21.09.2017 - 16:20 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Grafenwöhrer Uwe Conrad mit Sea-Eye vor Libyen auf Rettungsmission: Ehrensache auf hoher See

Tausende Flüchtlinge gehen das Risiko ein, teils in einem kleinen überfülltem Boot das Mittelmeer zu überqueren. Viele bezahlen mit ihrem Leben und da packt es Uwe Conrad bei der Ehre. Der Wasserwachtler sticht mit dem Kutter "Seefuchs" in See, um Leben zu retten.

Mit der "Seefuchs" wird Uwe Conrad in See stechen. Foto: sea-eye.org
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

"Es begann damit, dass ich von der Organisation Sea-Eye gelesen habe. Seit 40 Jahren bin ich bei der Wasserwacht und es ist für mich grausam, Menschen ertrinken zu sehen", erklärt Conrad. Deswegen habe er sich bei der Organisation in Regensburg beworben, um Leben zu retten. Der 52-Jährige hat einen Bootsführerschein, ist Rettungstaucher und Ausbilder für Rettungsschwimmer.

Sorgen um seine eigene Sicherheit macht er sich nicht: "Klar, ein Unsicherheitsfaktor, zum Beispiel die libysche Küstenwache, ist vorhanden, aber die 'Seefuchs' ist seetauglich, und bisher ist noch kein Schiff dieser Bauart im Mittelmeer untergegangen. Ich sehe da keine Probleme." Von Deutschland aus startet der Bankkaufmann nach Malta, wo die "Seefuchs" im Hafen liegt. Zwei Wochen wird er mit der neunköpfigen Crew auf dem Mittelmeer unterwegs sein. "Jeder aus der Mannschaft hat spezielle Fertigkeiten, die er einbringt. Wir haben unter anderem einen Bootsführer, einen Funker, eine Krankenschwester und einen Arzt", erklärt Conrad. In den letzten Wochen wurden wieder um die 3000 Flüchtlinge auf dem Meer gerettet.

Seine Motivation, an dieser Rettungsmission teilzunehmen, sei nicht politisch motiviert, stellt der Grafenwöhrer klar. Es gehe dabei nicht um politische Ansichten, sondern um Menschenleben. "Als Wasserwachtler wehre ich mich dagegen, dabei zuzusehen, wie Menschen ertrinken." Dass in der Flüchtlingspolitik nicht alles gut läuft, sei ihm bewusst, aber das sei ein anderes Thema. Darum müsse sich die Politik kümmern.

Die meisten Freunde und Bekannten finden es gut, dass er diesen Einsatz zeigt. Aber natürlich gab es nicht nur positive Reaktionen. Conrad steht aber zu seiner Entscheidung, schließlich geht es um Menschenleben und nicht um Politik. Es sollte klar sein, dass man Menschen nicht ertrinken lässt, doch Conrad stellt die Frage: "Ist das wirklich allen klar?"

Seit 40 Jahren bin ich bei der Wasserwacht, und es ist für mich grausam, Menschen ertrinken zu sehenUwe Conrad

 

 

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