Kinder haften für ihre Eltern

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Neusorg
16.04.2018
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Können Senioren in Würde und ohne Angst altern, wenn die Kinder für sie zahlen sollen? Wer schultert die finanziellen Belastungen für Heim und Pflege?

Dieses sensible Thema griff unter dem Motto "Kinder haften für ihre Eltern" KAB-Diözesansekretär Markus Nickl in der Jahreshauptversammlung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung auf. Er stellte seinen Vortrag unter die Maxime: Ein Abend zum Zuhören, Nachdenken und Diskutieren.

Dabei erklärte er, der Notgroschen der Eltern sei kein vorgezogenes Erbe. Deshalb riet er den Kontakt zwischen Eltern und Geschwistern zu halten. Es sei wichtig, miteinander über das vorhandene Geld und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu reden und gemeinsame Lösungen zu finden. 75 Prozent der Senioren werden heute zu Hause gepflegt. Als neues Geschäftsmodell entpuppen sich jedoch die Altenheime, erklärte der Diözesansekretär. Nach Abzug der Leistungen der Pflegekasse verbleibt je nach Pflegegrad der Betroffenen für die Heimunterbringung ein zu leistender Eigenanteil zwischen 1762 und 1920 Euro, zeigte der Experte anhand eines Beispiels auf.

Oftmals reicht das Geld der Eltern nicht aus, um den Pflegeplatz finanzieren zu können. Markus Nickl unterstrich hier, der Generationenvertrag hinke der aktuellen Situation hinterher. Niemand müsse jedoch seine Lebensführung wegen der Zuzahlung zum Elternunterhalt spürbar einschränken. Erst wenn alles Privateigentum der Eltern verbraucht sei, könne gegenüber den Kindern ein Unterhaltsanspruch geltend gemacht werden.

Sehr wichtig sei auch eine Patientenverfügung. Mit dieser werde geregelt, wer als Bevollmächtigter oder Vertrauensperson über das weitere Vorgehen bei den Betroffenen entscheidet. Weiter streifte der Referent das Thema "Schenken und vererben".

Wenn das Geld für den Pflegeplatz der Eltern nicht ausreiche, ergehe vom Amt eine Rechtswahrungsanzeige an die Kinder. Damit werde festgelegt, ab wann Zahlungen fällig werden. Erst müsse jedoch eine Bedürftigkeit vorliegen. Hier sollte geprüft werden, ob der Bedarf der Eltern richtig ermittelt wurde und ob bei der Unterbringung das Günstigkeitsprinzip angewendet wird.

Zum Ende seiner Ausführungen zeigte Diözesansekretär Nickl auch Rechenbeispiele für die Vermögensberechnung, Abzugsmöglichkeiten und den Elternunterhalt auf. KAB-Vorsitzende Gabriele Söllner dankte dem Referenten für seinen interessanten Vortrag und überreichte ihm ein Präsent.
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