18.07.2018 - 16:55 Uhr
Oberpfalz

19 Diebstähle in einer Nacht

Als Dieb ist der 31-Jährige weit herumgekommen in Europa. Zuletzt in Finnland, jetzt in Deutschland hinter Gittern. Von Litauen aus eingereist und innerhalb weniger Stunden bei 19 Eigentumsdelikten im Raum Amberg-Sulzbach aktiv.

Justiz

(hwo) Kriminalromane enden mitunter damit, dass der Gärtner als Täter entlarvt wird. Diesmal entsprach dies auch der Realität. Allerdings bereits vor drei Jahren. Denn so lange musste sich die Amberger Justiz gedulden, bis man ihr einen per europäischem Haftbefehl gesuchten Gärtner aus Litauen auslieferte.

Die Tour, unternommen in der Nacht zum 25. April 2015, nahm sich fast schon atemberaubend aus. Innerhalb weniger Stunden schlugen Diebe in Seugast (Gemeinde Freihung) und in der Stadt Schnaittenbach 19 Mal zu. Sie kamen mit einem in ihrer Heimat Litauen angemieteten Kleinlastwagen, pirschten sich in der Dunkelheit an Garagen und Remisen heran, machten Beute.

Beute: Wahllos alles

Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts offenbarte sich nun: Die Gebäude und auch mehrere darin stehende Fahrzeuge waren in den allermeisten Fällen nicht versperrt. Die Diebe nahmen wahllos alles mit, was ihnen in die Hände fiel: Fahrräder, Navis, Motorsägen, Staubsauger, Radios. Ihre Beute verstauten sie im Lkw und waren blitzschnell unterwegs zu weiteren Tatorten.

Irgendwann weit nach 3 Uhr morgens kam es dann, als ein Nachbar aufmerksam geworden war, zu einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Die Männer aus Litauen ließen in Schnaittenbach ihr mit Diebesgut bepacktes Fahrzeug stehen und türmten zu Fuß. Auch eingesetzte Spürhunde und ein Hubschrauber suchten vergebens.

Wie viele Männer waren es? Von dreien ging die Staatsanwaltschaft aus. Doch bei der Spurensicherung wurde nur die DNA von zwei Leuten gefunden. Ein Abgleich führte zur Identität zweier bereits in der Kartei vorhandener und als Einbrecher bekannter Litauer.

Von Rechtsanwalt Ekkehard Zink beraten, legte der 31-Jährige nun ein umfassendes Geständnis ab. Weitere Fragen aber mochte er nicht beantworten. Nur dies noch: "Wir waren zu zweit". Den Komplizen, ebenfalls namentlich bekannt, hat die Litauer Polizei bis heute nicht dingfest gemacht.


"Warum Seugast?"

Eines hätte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber gerne noch gewusst: "Weshalb Seugast, warum Schnaittenbach?" Dazu mochte der Angeklagte nichts sagen. Aber fest stand wohl: Die Täter waren von Litauen aus gezielt auf beide Orte zugefahren. "Und was hätte mit dem Diebesgut geschehen sollen?" Auch dazu schwieg der Gärtner. Doch zumindest das konnte man sich denken.

Erst drei sind eine Bande

Die Strafkammer musste angesichts der Beweislage von zwei Tätern ausgehen. Damit entfiel der Vorwurf des schweren Bandendiebstahls. Denn eine Bande muss nach deutschem Gesetz mindestens aus drei Mitgliedern bestehen. Nach eintägiger Verhandlung kam es zu einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigem Diebstahl. Der diebische Gärtner aus Litauen bekam zweieinhalb Jahre Haft.

Staatsanwältin Christina Denk hatte dreieinhalb Jahre beantragt. Die gemachte Beute, so hieß es im Urteil, habe den Bestohlenen ausnahmslos zurückgegeben werden können. Nach dem Mittäter wird nach wie vor gesucht. Auch gegen ihn besteht ein europaweiter Haftbefehl.

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