14.11.2021 - 12:13 Uhr
Brand bei MarktredwitzOberpfalz

800 Jahre Schloss Brand – Geister, Forscher und der Urstoff

800 Jahre hat das Schloss in Brand auf dem „Buckel“. Zahlreiche Geschichten ranken sich um das alte Gemäuer: vom geheimen Atom-Labor bis zur Gespenster-Erscheinung.

Seit 800 Jahren existiert das Schloss in Brand. Der der südliche Schlossgarten soll aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden.
von Autor FPHProfil

Schlossherr Joachim Rohrer bittet zum Gespräch über die lange Geschichte des Brander Schlosses in den Grünen Salon: Dort, wo während des Zweiten Weltkriegs der Chemiker und Atomforscher Otto Hahn gearbeitet hat. Aus einem CD-Player erklingt Lautenmusik - Kompositionen von Jobst vom Brandt, einem früheren Schlossherrn, der von 1517 bis 1570 lebte. Wenn Rohrer loslegt und erzählt, dann sausen die Jahrhunderte nur so vorbei.

Mindestens 800 Jahre reicht die Geschichte des Brander Schlosses zurück. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1221: In einem Schriftstück des Klosters Waldsassen wird ein "Meino de Brande", also Meino von Brand, als Burg-Besitzer genannt. Die Burg existierte da wohl bereits seit einigen Jahren. Urkundlich bezeugt aber ist nun mal das Jahr 1221 - und so wird heuer das 800. Jubiläum gefeiert. Auslöser für den Bau der Burg war nach Ansicht von Rohrer der Standort an der Kösseine-Furt, einer seichten Stelle des Flüsschens, da, wo heute die Brücke steht. Dies sei eine Stelle des mittelalterlichen Straßenverkehrs gewesen, die besonders geschützt werden musste.

Schatten und ein kalter Hauch

Generationen von Adelsgeschlechtern bevölkerten über die Jahrhunderte die Gemäuer. Bis 1684 waren es die Herren von Brand, oder Brandt geschrieben. Es folgten derer von Schirnding, Lindenfels, Beust oder Seckendorff. So manches Drama mag sich abgespielt haben, man denke nur an den verheerenden Brand von 1690. Da drängt sich auch die Frage auf: Spukt es im Schloss? Die Antwort des heutigen Schlossherrn ist eindeutig. "Ja." Eine Einrichtung für Parapsychologie habe damit begonnen, "mit hochempfindlichen physikalischen Instrumenten nach Gespenstern zu forschen", berichtet Rohrer. Vor Ausbruch von Corona seien die Parapsychologen mehrmals im Schloss gewesen, hätten während der Pandemie pausiert, wollten aber künftig ihre Untersuchungen wieder aufnehmen.

Und die bisherigen Ergebnisse? "Es wurden Erscheinungen festgestellt", sagt der Schlossherr. Und welche? "Das ist so: Wenn ein Gespenst durch die Tür geht, sinkt die Temperatur merkbar und messbar um über zehn Grad ab. Das habe ich selbst erlebt", versichert Joachim Rohrer. Als Gewährsfrau nennt er zudem eine Bewohnerin des Hauses, die nach kurzem Handyanruf erscheint und bestätigt: Wenn sie abends fernsehe, sei aus den Augenwinkeln bisweilen ein Schatten in der Tür wahrnehmbar, der verschwinde, wenn man direkt nach ihm schaue. Auch der kalte Hauch sei mitunter abends an den Füßen zu spüren. Angst habe sie nicht, aber etwas unheimlich sei die Sache schon. Für Angst gebe es auch gar keinen Grund, meint Rohrer: "Wir haben nur gute Geister im Schloss."

"Schweres Wasser"

Nicht ganz geheuer war manchem Brander wohl auch, was zum Ende des Zweiten Weltkriegs hinter den dicken Schlossmauern vor sich ging. Ein geheimes Zentrum der deutschen Atomforschung soll dort untergebracht gewesen sein, wie der Düsseldorfer Burgen- und Schlösserliebhaber Jan Popp-Sewing in seinem Internet-Blog "Burgerbe" schreibt. "Hier saß seit dem Spätherbst 1943 die Arbeitsgemeinschaft Kernphysik, intern auch ,Uranverein' genannt. Ihre Aufgaben: Über die technische Nutzung der Atomenergie nachzudenken und die Möglichkeit zum Bau einer Kernwaffe abzuschätzen."

Verbürgt ist jedenfalls, dass der spätere Nobelpreisträger Otto Hahn, der auf dem Gebiet der radioaktiven Spaltprodukte forschte, in den letzten Kriegsmonaten das Schloss besuchte und im Grünen Salon logierte. Was er hier machte, woran er forschte? Rohrer zufolge haben ältere Brander von "schwerem Wasser" gesprochen - das in der Tat in Verbindung mit Uran und Atromreaktoren stehen könnte. Jedenfalls: Nachdem der Verein Markgräfliches Collegium Historiae, dessen Vorsitzender und treibende Kraft Rohrer ist, im Jahr 2007 das Schloss vom Bistum Regensburg in Erbpacht erworben hatte, ließ er es sicherheitshalber von Experten des Bundesamts für Strahlenschutz untersuchen. Sie gaben Entwarnung: keine Strahlenbelastung.

Auferstehung in China

Was auch immer in jenem mysteriösen Labor ausgebrütet wurde - ein paar Jahre später und ein paar Meter weiter im Osttrakt des Schlosses hat es gedampft und gegärt: Hier wurde Bier gebraut. Eduard Militzer, der 1955 das Schloss kaufte, versorgte die Menschen im Dorf und in der Umgebung mit dem mittlerweile schon fast legendären "Brander Urstoff". Ende der 60er Jahre jedoch schlug auch für die kleine Schlossbrauerei wie für viele andere Familienbetriebe die Stunde, und es kam das Aus.

1969 übernahm die Regensburger Brauerei Bischofshof und kaufte das Schloss. Aber auch die Bischofshof-Ära in Brand ist schon längst wieder Vergangenheit. Der Brander Urstoff indes feierte im Jahr 2016 eine Auferstehung im Reich der Mitte. Die Markenrechte waren über Umwege an eine Gräfelfinger Firma gegangen, die als Brander Urstoff GmbH das süffige Bier in einer Brauerei bei Schanghai für den chinesischen Markt produzieren ließ.

Ein geheimnisvoller Raum

Reste der Brauerei wie zum Beispiel ein Sudkessel befänden sich immer noch im Osttrakt, berichtet Rohrer. Als die "Markgräflichen" 2007 das Schloss erwarben, lag das Hauptaugenmerk aber auf dem einsturzgefährdeten Turm im Westtrakt, für den ein Notfallsanierungsplan gemacht wurde. Der fünfstöckige Turm, im späten 19. Jahrhundert erbaut, ist mittlerweile restauriert, ebenso unter anderem der Grüne und der Rote Salon sowie der Wappensaal, in dem früher getanzt wurde. Derzeit wird an einem Urkern des Schlosses gearbeitet: der historischen Küche unterhalb des Grünen Salons. Sie dürfte mit der älteste Teil der früheren Burg sein, denn von hier aus mussten ja die Bauarbeiter mit Essen versorgt werden. "Es ist ein geheimnisvoller Raum", sagt Rohrer. Mehrere Gewölbe verschiedener Art würden hier ineinander greifen. Derzeit aber verströmt die historische Küche eher den profanen Charme einer Baustelle, Baumaterialien liegen herum, Putz bröckelt.

Nach Rohrers Worten hat der Verein bislang rund 250 000 Euro an Eigenmitteln für die Restaurierungsarbeiten im Schloss aufgewendet, dazu komme eine beträchtliche Summe aus dem Denkmalschutz. Um den Bestand des Schlosses für die Zukunft zu sichern, müsste an den Dächern und den großen Hausfassaden gearbeitet werden. Das ist nach Ansicht des 80-Jährigen - der sich auch um sein eigentliches Schloss, nämlich das Rohrer'sche in Höchstädt, kümmern muss - wohl nur mit Hilfe des Denkmalschutzes zu stemmen. Da müsse mit einem neuen Finanzierungsplan erst noch ein weiterer Anlauf genommen werden. Rohrer hofft hier auch auf Unterstützung durch die Stadt Marktredwitz.

Garten im Dornröschenschlaf

Eine andere Lösung mit örtlicher Hilfe hat Joachim Rohrer für den südlichen Schlossgarten zur Margarethenkirche hin im Sinn: Um den kleinen, zugewachsenen und verwilderten Park aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, würde er gerne die Brander Burschen gewinnen. "Bisher haben sie nicht Nein gesagt. In dem Garten könnten sie dann gerne Feste feiern."

Zunächst aber steht am 20. November die 800-Jahr-Feier im Schlosshof an. Ob sie tatsächlich wie geplant stattfinden kann, wird nicht zuletzt vom Verlauf der Pandemie abhängen. Vielleicht helfen ja die guten Geister.

Joachim Rohrer an seinem Lieblingsplatz im Schloss: im Roten Salon, Mittelpunkt des Gebäudeteils, den der kaiserliche Admiral Albert von Seckendorff gestalten ließ. Seckendorff starb 1921, also vor 100 Jahren, auf Schloss Brand.
Auf dieser Urkunde wird erstmals ein Brander Burgbesitzer – Meino von Brand – erwähnt.
Weniger schön: sanierungsbedürftige Außenfassen. Links unten: der Eingang zur historischen Küche.
Service:

Jubiläumsfeierlichkeiten und Ausstellung

  • Das Festprogramm am 20. November: 11 Uhr Gottesdienst im Schlosshof; 12 Uhr Ausstellungseröffnung durch Oberbürgermeister Oliver Weigel im Schloss. Danach bis 18 Uhr Festbetrieb im Schlosshof mit Musik der „Scheinheiligen“; der Brander Burschenverein serviert Kartoffelsuppe mit Würstchen sowie kalte Getränke, die Feuerwehr sorgt für Kaffee und Kuchen, der CSU-Ortsverband für Glühwein und Punsch.
  • Die Ausstellung ist ein umfassender Spaziergang durch die Geschichte des Ortes Brand – mit vielen historischen Bildern des Brander Heimatforschers Martin Schreyer. Vollständiger Aufbau ab Anfang Dezember im Sparkassengebäude, Besichtigung möglich bis Ende Januar 2022.
  • Start der Jubiläumsfeierlichkeiten bereits am 12. Juni 2021 mit Schlosskonzert mit Tenor Volker Bengl, Professor Joachim Held (Laute) und Frank Oidtmann (Bechstein-Flügel). Zu sehen (per Youtube-Link) auf www.volker-bengl.de.

 

 

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