18.07.2018 - 15:58 Uhr
AltendorfOberpfalz

900 Jahre Altendorf

Im Jahre 1118 tritt die Ortschaft Altendorf aus dem Dunkel der Geschichte. Es ist kein Gründungspunkt bekannt, nur eine erste urkundliche Erwähnung. Altendorf feiert am 4. und 5. August sein 900-jähriges Jubiläum.

Blick auf die Kirche vom Kirchsteig aus. Hier ist das Zentrum, der romanische Turm. Auch die Sakristei und der Chorraum zeigen romanische Spuren.

Dass hier uraltes Siedlungsgebiet betreten wird, lässt sich durch die Lage des Ortes erahnen. Altendorf liegt an der Flussaue der Schwarzach, die sich mit vielen Mäandern durch das Flusstal schlängelt.

Altendorf wird begrenzt durch die Hügel des Oberpfälzer Waldes. Südwestlich liegt der Tannenberg mit 524 Metern und nordöstlich der Pfaffenberg, mit 573 Metern die höchste Erhebung in der Gemeinde Altendorf. Der Pfaffenberg, Setzerberg (früher Michelsberg) und der Herrnberg, diese drei Berge grüßen schon von weiten und weisen auf die Ortschaft Altendorf hin. Wer von der Autobahn A 6 die Ausfahrt Nabburg-Nord abfährt, kann schon bald nach Windpaissing die drei markanten Berghügel erblicken. Ebenso grüßen sie den aufmerksamen Betrachter, der von der A 93 in Schwarzenfeld abfährt und in Richtung Oberviechtach auf der Staatsstraße 2159 unterwegs ist.

Auf Höhe Zilchenricht weitet sich der Blick über die Flussaue der Schwarzach, die von den drei bekannten Hügeln bekrönt wird. Auf Höhe Altendorf mündet der Trossauerbach mit seinem klaren Wasser in die Schwarzach. Die breite und behäbige Aue steigt nördlich der Ortschaft sanft an. Nach Süden begrenzt die Schwarzach den Siedlungsverlauf.

Erste Zeugnisse der Besiedlung dieses stillen Flusstals gehen bis in die Hallstattzeit zurück. Das Hügelgrab bei Zangenstein gibt Zeugnis davon. 1118 erfolgt dann die erste urkundliche Erwähnung. Die Grafen von Altendorf, ein mächtiges Grafengeschlecht des Hochmittelalters, waren die Herren des Schwarzachtals. Ihr Sitz war der alte Burgstall in Altendorf mitten im Nordgau. Sie waren damit betraut, im Schwarzachtal die königliche Herrschaft und den christlichen Glauben zu verfestigen.

Mit Erchinbert von Stirn/Altendorf tritt Altendorf in die beschriebene Geschichte ein. Erchinbert tritt bei der markgräflichen Schenkung des Gutes Reichenbach zur Gründung oder Stiftung des Klosters als Zeuge auf. Seine Stellung in der Zeugenreihe vor den diepoldingischen Ministerialen kennzeichnet ihn eindeutig als Edelfreien. Ihre Herkunft und Ihre verwandtschaftlichen Verflechtungen mit den Grafen von Abenberg, derer von Billung und derer von Moosbach und Sulzbach weist die Altendorfer als eines der führenden Geschlechter des Hochmittelalters aus.

Die Nachkommen Erchinberts, besonders Heinrich II. von Altendorf, der Sohn Erchinberts, vergrößerte den Besitz der Grafschaft. Die Besitzungen der Grafschaft an der Schwarzach reichten bis Stratsried bei Treffelstein, welches sich im Quellgebiet der Böhmischen Schwarzach befindet. Durch geschickte Heiratspolitik und durch Erbansprüche kamen Besitzungen in Niederviehbach bei Landshut, die Herrschaft über die Schwarzenburg bei Rötz und Neustadt a.d. Waldnaab hinzu. Seit dem Jahr 1180 war Heinrich II. Vogt über das Kloster St. Emmeram in Regensburg.

Ebenso wie die weltlichen Besitzungen mehrte sich auch die Bedeutung Altendorfs als pfarrlicher Mittelpunkt. In der Aufstellung der Dekanate des Regensburger Bistums aus dem Jahre 1326 war Altendorf als Sitz eines Dekanats beschrieben. Der Altendorfer Pfarrer war selbst der Dekan. Altendorf war der südlichste Punkt des Dekanats, nur die Pfarrei Unterauerbach war noch südlicher. Es umfasste die Orte Seebarn, Rötz, Tiefenbach, Winklarn, Eslarn, Waidhaus, Floss, Püchersreuth, Wurz, Neukirchen b. Weiden, Kohlberg, Neunaigen, Saltendorf, Schwarzenfeld, Altfalter. Es liegen im Dekanat gerade jene Orte mit denen die Altendorfer begütert waren. Dies lässt den Rückschluss zu welch großes Ansehen die Grafen von Altendorf damals im Nordgau genossen.

Durch den frühen Tod Heinrich II. im Jahr 1196, seine Söhne Heinrich IV. und Berengar I. waren noch minderjährig, erlitt die Grafschaft eine Zäsur. Im Jahre 1210 wurde Berengar I. mit der Grafschaft Leonberg am Inn belehnt. Heinrich IV. verpfändete 1232 die Herrschaft Neustadt a.d. Waldnaab für 1000 Regensburger Mark an seinen Vetter Heinrich I. von Ortenburg. Er konnte die Pfandschaft später nicht mehr auslösen. Die Herrschaft Schwarzenburg wurde ebenfalls vor 1240 verkauft. In den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts verkaufte Heinrichs Sohn Wolfgang die Besitzungen um Altendorf und die Grafschaft an der Schwarzach an die Wittelsbacher. Ein anderer Teil ist anscheinend an das mit ihnen verwandte, von den Grafen von Abensberg stammende Geschlecht der Leonsberger übergegangen. Sie hatten die Vogtei von St. Emmeram inne, die zuvor die Grafen von Altendorf besaßen. Ebenso übten sie das Patronat über die Kirche in Altendorf aus. Es kann angenommen werden, dass dies aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft zu den Grafen von Altendorf an sie fiel. Das Geschlecht derer von Altendorf ist mit Heinrich VII. im Jahre 1329 erloschen.

Zum Schluss drängt sich die Frage auf, wo sind die Edlen Herren gegraben? In Altendorf sucht man vergebens. Im Kloster Prüfening in der Wolfgangskapelle fanden sie ihre letzte Ruhestätte. Hier ist bereits Heinrich I. von Altendorf, der Vater des Erchinbert von Altendorf, welcher der Begründer des bayerischen Geschlechts der Grafen von Altendorf wurde, bestattet.

Quelle: Heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten, 26. November 1927








Links das Altendorfer Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Der vordere Teil ist aus dem alten Burgstall errichtet. Rechts Blick auf den Kirchturm.

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