06.04.2021 - 16:40 Uhr
AltendorfOberpfalz

Gartenbauverein Altendorf in voller Blüte

In 100 Jahre ist vieles im Altendorfer Gartenbauverein gewachsen. Die Resultate sollten beim "Hundertjährigen" entsprechend präsentiert werden. Nun ist alles eine Nummer kleiner ausgefallen.

Der festliche Jubiläumsgottesdienst wurde von den Vorstandsmitgliedern des OGV mitgestaltet: Im Bild (von links) Stilla Schirdewahn, Christine Hösl, Marianne Kozlowski, OGV-Vorsitzende Angelika Lang Salz, Georg Köppl, Brigitte Fröhler, Sandra Schiesl und Petra Scharf.
von Autor TJAProfil

„Am Sonntag, 20. Februar 1921, nachmittags um 3 Uhr, findet in der Gastwirtschaft der Bierbrauerei Götz eine Versammlung der Freunde des Obstbaus statt“, kündigt der Nabburger Volksbote in seiner Ausgabe Nummer 14/1921 an: es ist die Geburtsstunde des „Obstbau- und Bienenzuchtvereins für Altendorf und Umgebung“, der heuer Jubiläum feiert.

Verein voller Initiativen

Altendorf

Das 100-jährige Bestehen des jetzigen Obst- und Gartenbauvereins wäre es natürlich wert gewesen, in einer Festveranstaltung auf die wechselvolle Geschichte zurückzublenden. Weil dies die Corona-Pandemie nicht zuließ, haben sich die Verantwortlichen um die OGV-Vorsitzende Angelika Lang-Salz entschieden, mit einem Jubiläums- und Gedenkgottesdienst an die Erstgründung des Vereins und die Neubelebung vor 33 Jahren zu erinnern.

Nicht auf Wohlwollen angewiesen

Nochmal ein Blick zurück in das Jahr 1921: Der Nabburger Volksbote zitiert in seiner Ausgabe 7/1921 den Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Bezirksausschusses, Oberamtmann Brandtner: „Jetzt und in aller Zukunft gibt es keine andere und bessere Wirtschaftspolitik, als die eigene Erzeugung von Lebensmitteln, wozu auch das Wirtschaftsobst gehört, so zu fördern, dass wir nicht auf das Wohlwollen des Auslands angewiesen bleiben, sondern selbst in der Heimat die notwendigsten Nahrungsmittel aufbringen können“.

Diese Feststellung war verbunden mit dem „Auftrag an die Herren Bürgermeister, wegen Gründung eines Gartenbauvereins mit den Interessenten ins Benehmen zu treten und zu versuchen, dafür auch die Geistlichen und Lehrer zu gewinnen“. Dass dieser Auftrag am 20. Februar 1921 Erfolg hatte, bezeugt ein weiterer Zeitungsartikel, demnach an diesem Tag eine „außerordentlich gut besuchte Versammlung von Landwirten und Freunden des Obstbaues und der Bienenzucht aus Altendorf und den Gemeinden Fronhof, Dürnersdorf, Schwarzach, Willhof und Altfalter“ stattfand. Es wurde ein „Obstbau- und Bienenzuchtverein für Altendorf und Umgebung gegründet, dem sich „gegen 50 Freunde des Obstbaues sofort als Mitglieder angemeldet haben“.

Gegenseitig unterstützen

Mit „Alle meine Quellen entspringen in dir, mein guter Gott“, eröffnete die Gesangsgruppe um Angelika Lang-Salz den festlichen Jubiläumsgottesdienst. Pfarrer Cyprian Anyanwu gratulierte zum markanten Jubiläum und stellte fest, dass der Ausbruch des Corona-Virus vor einem Jahr der Welt ihre Grenzen aufgezeigt habe. Es habe sich aber auch gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen sich gegenseitig unterstützen.

Schachtel mit Blumensamen

„Das Weizenkorn trägt in sich das Geheimnis des Lebens. Es erzählt vom Loslassen und Sterben, vom Aufbrechen, Wachsen, reifen und Frucht bringen“, hieß es in den besonders auf das Jubiläum abgestimmten Fürbitten. Diese wurden ebenso wie die Lesungen, einer Gabenprozession und einer Meditation von Vorstandsmitgliedern des Gartenbauvereins vorgetragen. Die Fürbitten bezogen aber auch alle Frauen und Männer ein, „die sich in diesen hundert Jahren für Gartenkultur, Heimatpflege, Natur- und Umweltschutz engagiert und somit am Schöpfungsauftrag mitgewirkt haben“.

In der Gabenprozession wurden eine Schale mit Erde, Blumensamen, ein Strauß Blumen, eine brennende Kerze und Brot und Wein zum Altar gebracht. Dabei wurde auch daran erinnert, dass Gott uns aufgetragen habe, den Garten der Erde zu bebauen, zu behüten und zu bewahren. „Du bist das Leben, Gott“, verdeutlichte dazu die Gesangsgruppe. Am Ende des mit viel Beifall bedachten Festgottesdienstes durften die Besucher eine kleine Schachtel mit Blumensamen mit nach Hause nehmen.

Kinderaktionen und die Gewinnung von Familien stehen besonders im Fokus des Obst- und Gartenbauvereins. Im Herbst 2020 wurden hundert Blumenzwiebeln im Eingangsbereich der Grundschule gepflanzt, die nun zur Blüte erwachen.
Hintergrund:

Blick in die wechselvolle Vereinsgeschichte

  • Lückenhafte Chronik: In der Chronik des Obst- und Gartenbauvereins taucht nach der Gründung vom 20. Februar 1921 erst im Dezember 1927 wieder ein Zeitungsbericht über eine Mitgliederversammlung auf, in der von einer „mäßig besuchten“ Veranstaltung die Rede ist und ein Herr Zapf als Vorstand gewählt wurde. Von einer Obstausstellung am 22./23. September im Jahr 1935 wird berichtet, von einem Obstbaulehrkurs im Jahr 1938 und dann heißt es „kriegsbedingte Zwangspause“.
  • Verein ruht: Vorsitzender von 1947 bis 1953 war laut Chronik Ulrich Köppl aus Siegelsdorf, dem Georg Scharf aus Altendorf nachfolgte. Ab 1960 führte Xaver Ries den Verein. Bei der Versammlung im Februar 1968 wurde Konrad Gietl neuer Vorsitzender. Aus dem Geschäftsbericht 1976 heißt es: „Der Verein ruht, warum ist nicht dokumentiert“.
  • Die Wiedergründung: Auf Initiative von Maria Lottner, die anschließend über viele Jahre Vorsitzende bzw. kommissarische Vorsitzende war, fand am 4. Mai 1988 die Wiedergründung des Obst- und Gartenbauvereins statt. 19 Personen traten dem Verein bei. Zahlreiche Aktivitäten, von Pflanzaktionen über eine Christbaumversteigerung zur Anschaffung eines Häckslers und eines Vertikutierers bis hin zur Blumenolympiade, gaben neuen Aufschwung. Bei der Generalversammlung am 20. April 1999 übernahm Georg Schwarz den Vorsitz, der Verein zählte 78 Mitglieder.
  • Drohende Auflösung: Nach dem Ausscheiden von Georg Schwarz als Vorsitzender im Februar 2008 wurde es nochmal „eng“. Bei der Jahresversammlung tat sich kein neuer Vorsitzender hervor. Die bisherige zweite Vorsitzende Maria Lottner führte den Gartenbauverein kommissarisch. Um die drohende Auflösung des Gartenbauvereins zu verhindern, wurde bei der Generalversammlung am 4. April 2014 erstmals ein Vorstandsteam aus Maria Lottner und Marianne Kozlowski gewählt, das gemeinsam die Fäden in der Hand hält.
  • Neue Vorsitzende: Die vielfältigen Bemühungen um den Weiterbestand des OGV hatten am 8. Mai 2018 Erfolg. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Angelika Lang-Salz zur neuen Vorsitzenden gewählt und im Juli 2020 im Amt bestätigt. Zum Jahresende 2020 zählte der Verein 70 Mitglieder.
  • Ausgebremst: Leider hat die Corona-Pandemie viele geplante Veranstaltungen „ausgebremst“, die unter anderem auch auf Kinderaktionen zur Nachwuchsgewinnung von jungen Familien ausgerichtet sind. Vielleicht haben das Anlegen einer Kräuterspirale und die Gestaltung einer Insekten-Tonschale heuer doch noch eine Chance.
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