07.02.2019 - 17:13 Uhr
AltendorfOberpfalz

Das Geheimnis des Schirmbergs

Es dürfte den Wenigsten bekannt sein, dass sich im Dreieck Altendorf, Trossau und Schirmdorf gelegenen Schirmdorfer Berg ein archäologisches Bodendenkmal befindet.

Oben links die Dolchspitze, daneben das Klingenstück. Unten sind die beiden vorgeschichtlichen Keramikscherben zu sehen.

Beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist es aufgrund von Luftbildaufnahmen als verebnete Schanze verzeichnet. Vorzustellen hat man sich darunter ein meist eckiges Gebilde aus Steinen, Holz und Erde, das in Kriegszeiten dem Schutz bzw. der Verteidigung diente.

Pestfriedhof umgrenzt?

Vor Ort erkennt man mit bloßem Auge allerdings nichts, so Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie im Landkreis Schwandorf. Nachdem es dort, soweit ihm bekannt, bislang keine Funde gab, konnte zur Zeitstellung dieser ca. 50 mal 50 Meter großen mutmaßlichen Schanze kaum etwas Konkretes gesagt werden. Die Einschätzung bewegte sich, vor dem Hintergrund der allgemeinen Erfahrungen, wann es solche Schanzen gab, von der Vorgeschichte (also vor Christi Geburt) bis zum Ende des Frühmittelalters (also bis etwa ins 10. Jahrhundert n. Chr.). Nicht völlig auszuschließen ist allerdings auch, dass es sich um keine dem Schutz dienende Befestigung, sondern um die Umgrenzung eines mittelalterlichen Pestfriedhofs handelt. Dafür spräche immerhin die alte Flurbezeichnung "Auf dem alten Calvarienberg".

Was lag also näher, als den Bereich weiter zu erforschen und an der Ackeroberfläche nach Artefakten (das sind von Menschen hergestellte Gegenstände oder Teile hiervon) zu suchen. Einige solcher Funde konnte Engelhardt bei mehreren Begehungen in den letzten Jahren machen. Sie lassen sicherlich noch keinen verlässlichen Schluss auf das Alter der Schanze zu, geben aber immerhin erste Hinweise. Nun zu den Funden:

Abgebrochene Dolchspitze

Es handelt sich um eine Reihe von Keramikscherben, von denen zumindest zwei in die Vorgeschichte zu datieren sind. Außerdem wurde ein abgebrochenes großes Klingenstück aus Jurahornstein gefunden, das als Schneidewerkzeug gedient haben könnte. Bei dem spektakulärsten Fund handelt es sich ebenfalls um Jurahornstein, nämlich um eine an der Spitze leicht beschädigte, abgebrochene Dolchspitze von ca. drei Zentimeter Länge. Sie ist an den Kanten beidseitig sorgfältig retuschiert (in der Art unserer heutigen Messer mit Wellenschliff).

Auf einer Seite ist allerdings ein kleines Stück abgebrochen. Dabei handelt es sich um eine relativ junge Beschädigung, die eventuell beim Ackern oder Grubbern entstand. Ehedem dürfte der Dolch, mit einem Holz- oder Geweihgriff geschäftet, etwa 20 bis 25 Zentimeter lang gewesen sein. Beide Hornstein- oder Silexartefakte können in die Jungsteinzeit (5500 bis 2200 v. Chr. ) datiert werden.

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