11.04.2019 - 10:42 Uhr
Altenstadt bei VohenstraußOberpfalz

Glocken im Dorf lassen

Beim MMC-Pfarrkonvent werden verschiedene Themen angesprochen und kritisch hinterfragt. Die Verantwortlichen wollen auch junge Leute wieder mehr für die Kirche begeistern.

Das Glockenläuten gehört zum bayerischen Heimatgefühl, findet MMC-Obmann Konrad Uschold. Er würde sich auch wünschen, dass der Passionssonntag wieder im Pfarrbrief auftaucht.
von Elisabeth DobmayerProfil

Heimat ist, wenn die Glocken läuten. Das finden die Mitglieder der Marianischen Männercongregation (MMC) und werben für das Glockenläuten. „Glockenläuten ist keine Lärmbelästigung sondern der Klang der Glocken fordert die Gläubigen auf, bewusst aufzustehen und den Engel des Herrn zu beten“, bezog der Obmann der MMC, Konrad Uschold, eindeutig Stellung zum Geläut des Glockenturms in Unterlind. Bei der Inbetriebnahme im vergangenen Jahr waren Stimmen laut geworden, die Glocke würde die dörfliche Ruhe stören.

Im Jahresrückblick im MMC-Konvent im Gasthof „Grüner Baum“ erinnerte der Oberlinder an die Aktivitäten der christlichen Gemeinschaft. Im Mai fand der Bezirks- und Pfarrkonvent in Vohenstrauß mit Monsignore Thomas Schmid statt. Im August beteiligten sich die Mitglieder an der Glockenweihe und der Turmeinweihung in Unterlind. „Das war ein Heimspiel“, freute sich Uschold. Er erinnerte auch an die Teilnahme an der Beerdigung von Josef Felber aus Stribro (Mies), der seit Beginn der grenzüberschreitenden Freundschaft Motor und Verbindung war. „Ich habe erstmals an einer tschechischen Leich‘ teilgenommen. Da wurde mit Musik aufgespielt und das Leichenmahl war wie eine Hochzeit. Ein absolutes Erlebnis“, schwärmte der Redner.

Die Diakonenweihe von Karlheinz Renner als früherer Präfekt der MMC im Hohen Dom zu Regensburg war ein weiteres besonderes Erlebnis. Der Obmann bedauerte, dass in den vergangenen Jahren der Kreuzweg am Kalvarienberg wegen des schlechten Wetter am Karfreitag immer abgesagt wurde. Die Kreuzwege in den Gotteshäusern wurden erst in der Barockzeit eingeführt, wusste Uschold. Deshalb sollte die alte Tradition eines Kreuzwegs im Freien nicht so ohne Weiteres wegen schlechter Witterung abgesagt werden, richtete Uschold mahnende Worte an die Verantwortlichen der Pfarrei.

Zudem kritisierte er, dass der Passionssonntag nicht mehr im Pfarrbrief erwähnt werde. In der Pfarrei Waldthurn werde dagegen der Sonntag vor dem Palmsonntag noch immer als Passionssonntag geführt. „Wie man junge Leute für den Glauben begeistern kann“, versuchte Kaplan Ulrich Eigendorf in seinem Referat zu beantworten. Im Vorfeld betrieb der Geistliche Ursachenforschung, warum junge Leute für den normalen Ablauf in einer Pfarrei nicht mehr zu begeistern sind.

Eigendorf griff dieses brisante Thema sogar in seiner zweiten Dienstprüfung auf und hinterfragte, warum sich Ministranten an Großereignissen wie dem Weltjugendtag oder an einer Romwallfahrt begeistern lassen und in Scharen teilnehmen? „Junge Leute wollen ihren Glauben feiern, Spaß haben, aber sie wollen auch Gott suchen und die Gemeinschaft erleben“. So das Ergebnis seiner Befragung bei jungen Leuten. All das finden sie bei Großereignissen als einmalige Projekte und dafür haben die jungen Gläubigen ein offenes Ohr, sagte Eigendorf. Den Kaplan überfiel jedoch im vergangenen Herbst nach der Romwallfahrt fast eine Art Katerstimmung, gab er zu. Für ihn stellte sich die Frage, „warum die Begeisterung der Ministranten für den Glauben nicht nachhaltiger ist, als der, den diese bei der Fahrt nach Rom an den Tag legten.“ Seiner Meinung nach ist die Jugend in der heutigen Zeit sehr erlebnisorientiert. Die Kirche müsse sich entsprechend umstellen und derartige Events anbieten. Das Leben in einer Pfarrgemeinde sei hingegen für die jungen Leute relativ langweilig, deshalb sinke das Interesse an einer aktiven Beteiligung. Vielmehr sind auch da wieder eigene Interessens- und Projektgruppen in der Pfarrei gefragt. „Alles was auf Regelmäßigkeit angelegt ist, hat in der heutigen Zeit keine Zukunft.“ Eigendorf war sich sicher, dass das nicht nur ein Phänomen im Glauben und der Kirche ist, sondern sich auch in den weltlichen Vereinen wiederspiegelt.

Alles was auf Regelmäßigkeit angelegt ist, hat in der heutigen Zeit keine Zukunft.

Kaplan Ulrich Eigendorf

Info:

Obmann Konrad Uschold gab den Sodalen wichtige MMC-Termine der nächsten Zeit mit auf dem Weg:

Gründonnerstag, 18. April, Ölbergnacht nach dem Abendmahl-Gottesdienst. 1. Mai, Prozession um 8.45 Uhr von Waldthurn aus zum Fahrenberg zur Eröffnung des Wallfahrtsjahres. Samstag, 11. Mai, Bezirkskonvent in Waldthurn mit Zentralpräses Monsignore Thomas Schmid; Beginn 18.30 Uhr Rosenkranz und 19 Uhr Gottesdienst; 20 Uhr Konvent im Pfarrheim. Sonntag, 19. Mai, 19.30 Uhr, MMC-Maiandacht in der Marienkapelle in Obertresenfeld. Sonntag, 9. Juni, 14 Uhr, Bezirkskreuzweg in Armesberg. Sonntag, 7. Juli, 10 Uhr, MMC-Hauptfest Süd in St. Wolfgang Regensburg. (dob)

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