12.07.2019 - 14:28 Uhr
Altenstadt bei VohenstraußOberpfalz

Katholischer Burschenverein Altenstadt feiert 90 Jahre

36 junge Männer haben am 24. Juni 1906 den Katholischen Burschenverein Altenstadt aus der Taufe gehoben. Allerdings war es mit dem Verein vier Jahre später schon wieder vorbei. Trotz bewegter Geschichte feiern die Burschen 90. Geburtstag.

Fabian Wirth aus Pleystein steht heute dem Jubelverein vor. Zwischenzeitlich sind die Statuten gelockert worden, damit auch Burschen außerorts beitreten können.
von Elisabeth DobmayerProfil

Der Katholische Burschenverein Altenstadt hat eine bewegte Geschichte. Der Verein wurde 1906 zum ersten Mal gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Johann Pieler gewählt. Georg Adam Gollwitzer wurde Stellvertreter. Die Aufnahmegebühr betrug damals 50 Pfennig, wurde aber innerhalb zehn Tagen auf 1 Mark festgesetzt.

Alle Monatsversammlungen sollten an einem Samstag stattfinden. Der Vereinsdiener wurde mit einem Gehalt von zwei Mark aufgestellt. „Ein fremdes Mitglied außerhalb der Gemeinde Altenstadt wird nicht aufgenommen“, schrieben die Statuten vor. Sogar ein Vereinsball wurde im April 1909 vom Vorstand für den 9. Mai beschlossen. Als Eintrittspreis wurde eine Mark festgelegt. In dieser Periode erfolgte jedoch bereits am 23. Januar 1910 die letzte Eintragung im Protokollbuch.

Ob sich der Verein zu diesem Zeitpunkt bereits wieder aufgelöst hatte, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass am 30. November 1929 eine Wiedergründung in die Wege geleitet wurde. Die offizielle Gründungsurkunde datiert auf den 30. November 1929. Sie hängt im Gasthaus „Grüner Baum“, das seit jeher Vereinslokal ist. Als Gründungsmitglieder schrieben sich damals Johann Ertl, Josef Vitzthum, Josef Fürnrohr, Josef Bäumler, Josef Gleißner, Johann Gleißner, Matthias Bäumler, Michael Blödt, Leopold Betz, Josef Bodensteiner, Bernhard Bodensteiner, Wolfgang Fürnrohr, Ludwig Fürnrohr, Otto Striegl, Josef Schlicht und Georg Gollwitzer ein. Zum ersten Vorsitzenden wählten die Versammlungsteilnehmer Johann Ertl und Andreas Gollwitzer aus Obertresenfeld zum zweiten Vorsitzenden.

Bereits im Jahr 1933 endete die Ära des Katholischen Burschenvereins in der nationalsozialistischen Zeit schon wieder. Erst am 29. Mai 1952 luden Mitstreiter auf Geheiß von Konsistorialrat Pfarrer Josef Lochschmidt und im Beisein des Veterans Josef Ertl erneut zu einer Gründungsversammlung ins Vereinslokal ein. Der Geistliche wünschte sich, dass frühere Tätigkeiten und Ziele des Burschenvereins wieder übernommen und verfolgt werden. Josef Gollwitzer und Roman Rupprecht standen ab diesem Zeitpunkt an der Spitze und in Verantwortung der Vereinsführung.

In dieser Zeit dürfte der Verein die absolute Blütezeit erlebt haben. Am ersten Mittwoch jeden Monats wurden Versammlungen abgehalten, die durch Anschlag an der Kirchentür bekannt gemacht wurden. Das Silberkreuz sei als Vereinsabzeichen zu tragen, hieß es. Mit einem Gebet gedachten die Anwesenden der verstorbenen Burschenvereinsmitglieder. Bereits zum Jugendbekenntnistag am 8. Juni 1952, eine Woche nach der Gründungsversammlung, sollten alle Mitglieder geschlossen mit der Vereinsfahne erscheinen. Zudem wurde vom Pfarrer gewünscht und empfohlen, die Zeitschriften „Der Brief“ für jüngere und „Der Pflug“ für ältere Mitglieder für 50 Pfennig Monatsabo zu beziehen. Außerdem sollten die Mitglieder bestrebt sein, Neumitglieder zu werben. An der Primizfeier des Vohenstraußer Neupriesters Hans Hoch am 6. Juli 1952 feierte der Katholische Burschenverein selbstverständlich mit.

Nachdem Josef Ertl während der Hitlerzeit die Kassenbücher aufbewahrte und bei der Neugründung wieder dem Verein übergab, wurde 1952 einstimmig beschlossen, ihn zum Ehrenmitglied des Vereins zu ernennen und die Ehrenurkunde zu seinem Hochzeitstag am 29. Juli 1952 zu überreichen. Am 19. April 1953 stand bereits die Segnung der Gedenktafel für die Gefallenen an, um deren Erhalt sich Roman Rupprecht zeitlebens verdient machte. Weil der Vorsitzende jedoch erkrankte, wurde Josef Riedl zum Vorsitzenden bestimmt und Max Summer Stellvertreter.

Die Theateraufführung „Menschenleid und Weihnachtsglück“ ist vielen älteren Altenstadter Bewohnern noch in bester Erinnerung. Im Jahr 1957 war es Johann Wittmann der die Geschicke des Burschenvereins als Vorsitzender leitete, nachdem es dem bisherigen Vorsitzenden Franz Krämer aus privaten Gründen nicht mehr möglich war, diesen Posten auszufüllen. Lieder wie „Im schönsten Wiesengrunde“ oder "Wir sind jung, die Welt ist offen“ standen zukünftig am Anfang und Ende einer jeden Versammlung. Doch auch schlimme Ereignisse hinterließen Spuren. In der Nacht zum Pfingstsamstag verunglückte im selben Jahr Mitglied Adolf Völkl. Der Burschenverein legte an seinem Grab einen Kranz nieder und bezahlte die Hälfte der Musik. Die Burschen organisierten Faschingsveranstaltungen, Wanderungen und Wallfahrten aber auch Ausflugsfahrten wie zur Luisenburg sowie Bibellesungen. Dekanatsjugendführer war in dieser Zeit Johann Schieder aus Oberlind.

Bei einem Pfarrfamilienabend war Pater Franz Eichinger von den Steyler Missionaren aus Ingolstadt im Gasthaus Adam Vitzthum, um über „China als Welt- und Missionsproblem“ zu berichten. Jugendtreffen in Johannisthal, Bischofsempfang, Kolpingtreffen in Waldthurn und eine mehrtägige Urlaubsfahrt nach Österreich standen 1959 auf dem Programm. 1960 stellten die Burschen auf Vorschlag von Johann Wittmann erstmals einen Maibaum auf dem Schulhof auf. 50 Mark stiftete der Verein für den Bau eines Kriegerdenkmals in Altenstadt. Bis weit in die 60er Jahre hinein war im Verein blühendes Leben, auch als der Vorsitz von Johann Wittmann an Johann Ertl überging. Sing- und Unterhaltungsabende, Einführung der Jugendgemeinschaftsmesse und Tanzveranstaltungen waren weiterhin Programm. Am 22. März 1977 initiierten Martin Rupprecht und Hans Sauer erneut eine Wiedergründung, nachdem die vergangenen zwölf Jahre der Burschenverein kaum nennenswert auffiel. Die Gründungsmitglieder Leopold Betz und Wolfgang Fürnrohr erklärten sich bereit, die Fahne dem neuen Burschenverein zu überlassen. Bei der Generalversammlung am 15. März 1981 überreichte der ehemalige Vorstand die Vereinskasse mit der Auflage die Fahne instand zu setzen, die während der NS-Zeit Schaden erlitten hatte. „Haltet an unseren Zielen fest, bleibt treu unseren Idealen“, forderten die Alt-Burschen von der neuen Generation.

Johann Wittmann aus Untertresenfeld war von 1957 bis 1965 erster Vorsitzender des Katholischen Burschenvereins Altenstadt. In dieser Zeit wurde der Verein wiederbelebt. Noch heute ist der 84-Jährige bei jeder Jahreshauptversammlung Gast und verfolgt sehr genau die Entwicklung des heutigen Burschenvereins.
Feier zum 90. Geburtstag:

Die aktuellen Burschen erinnern nun am Wochenende mit großem Dank an die vorhergehenden Generationen. Mittlerweile führen Fabian Wirth aus Pleystein und Christian Kick aus Untertresenfeld die Burschenschar an, die auch stets Hand beim Patrozinium der Dorfkapelle "Mariä Geburt" in Obertresenfeld anlegt und das Fest mit den Dorfbewohnern schultert. Am Sonntag, 14. Juli, ist um 10 Uhr in der Simultankirche ein Dankgottesdienst, bevor in der Kegelgaststätte „TriffNix“ den ganzen Tag über gefeiert wird.

Herbert Bäumler aus Obertresenfeld ersteigerte im Juni 1983 für 130 Mark den Maibaum des Burschenvereins und wurde damit rechtmäßiger Besitzer. Die Obertresenfelder Albert Puff und Josef Fritsch waren zu dieser Zeit Vorsitzende.
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