29.01.2019 - 17:53 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Vor 300 Millionen Jahren

Der Mineraloge Karl Bauer macht einen bedeutenden Fund: Ein zu Stein gewordenes Stück Holz beweist, dass es schon sehr lange Leben gibt in der Gegend von Altenstadt/WN.

Vorsichtig holt Karl Bauer das Fundstück aus dem Schrank. In Fachkreisen gilt er als Experte für Mineralogie.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Der Zufall spielt oft eine Rolle bei der Suche bedeutsamer Funde. Was der passionierte und in Fachkreisen anerkannte Mineraloge Karl Bauer aus Altenstadt/WN (Landkreis Neustadt/WN) bereits vor vielen Jahren in zwei Sandgruben westlich der B 15 fand, ist begutachtet und zeitlich eingeordnet: Das zu Stein gewordene Stück Holz hat ein amtlich beglaubigtes Alter von bis zu 300 Millionen Jahren. Eine Zeitspanne, die die Fantasie überschreitet und vor Ehrfurcht verstummen lässt.

Fossilien, Mineralien und versteinerte Überreste zu finden, sei stets eine Sache des Zufalls, natürlich gehöre ein geschulter Blick dazu, berichtet der Fachmann. Er besuchte eine ehemalige, rund vier Meter tiefe Sandgrube, die heute als Gründeponie genutzt wird, um sich ein wenig nach Gesteinen umzuschauen. Zwei Proben erschienen dem Sammler als bedeutsam. Daheim, vom Schmutz gesäubert, tauchten plötzlich Holzstrukturen auf. Ein zweiter Fund gelang ihm in der Geröllschicht einer Sandgrube am Waldrand, nördlich des Bauernhofes Sauernlohe. Erneut legte er daheim die Holzstruktur frei.

Verkieselt

Natürlich wusste er als erfahrener Sammler, dass diese Funde ein Geheimnis beinhalten könnten. "Sicher konnte ich aber nicht sein." Aus diesem Grund wandte er sich an das Institut für Pantäologie in München: Bei dem Fundstück aus der Grüngut-Deponie handelte es sich in der Tat um verkieseltes oder versteinertes Holz, bekannt unter dem Sammelnamen "Araukarite". Der Abrieb des Fundstücks zeigt, dass das an den Kanten abgerundete Kieselholz mit dem Sediment im Fließwasser transportiert und bei schwächerer Strömung liegen blieb.

Bislang waren solche Funde eher im fränkisch-thüringischen Raum gemacht worden, für die Oberpfalz ist es wohl einmalig. Die einst lebenden Bäume wurden im Laufe der Zeit mit kieselsäurehaltigem Grundwasser umspült. Die Bäume saugten es über die Wurzeln auf. Das Wasser wurde wieder ausgeschieden, die Kieselsäure aber verblieb in den Zellen und so kam es dann im Laufe einer unendlichen Zeitfolge zu den Versteinerungen.

Araukarie

Woher das kieselartige Wasser in Altenstadt/WN kam, kann nie mehr herausgefunden werden, berichtet Bauer. Dazu gibt es verschiedene Theorien. Wenn man sich den Aufbau der Holzstruktur ansehe, können Wissenschaftler sagen, um welchen Baum es sich handele. Der Charakter des Holzes entspreche einer heutigen Araukarie oder Zimmertanne. Auch die beiden anderen Fundstücke würden dazu passen.

Die von Holz zu Stein verkieselten Funde in den Schotter- und Sandgruben seien Zeugen der erdgeschichtlichen Zeit des "oberes Karbon zum Perm. Damit sei der Nachweis erbracht, dass in Altenstadt bereits vor 300 Millionen von Jahren schon Leben existierte.

Kontinentaldrift

Üppige Wälder, Koniferen, riesige Farne - so sah die Welt damals aus. In den Ozeanen schwammen die ersten Haie, in der Luft flogen die ersten Insekten. Durch Verschiebung der Kontinente kam es zu gewaltigen Gebirgen, der Sauerstoffgehalt entsprach bereits unserer heutigen Zeit.

Dann kam es zu einem gewaltigen Knall: Ein Asteroideneinschlag ließ 75 Prozent der Land-Tierarten und 90 Prozent der Meerestiere aussterben. Der Mensch kam erst rund 240 Millionen Jahre später.

Bei Veröffentlichung dieses Beitrags in der OWZ war der Redaktion nicht bekannt, dass Herr Karl Bauer bereits verstorben ist. Mit dem Artikel wird der Eindruck erweckt, dass mit Herrn Bauer ein Interview geführt wurde. Wir bedauern das sehr und bitten dies zu entschuldigen. Die Redaktion.

Eckdaten des Fundes::

Fundgegenstand: Ein zu Stein gewordenes Holzstück, mit einem amtlich beglaubigten Alter von bis zu 300 Millionen Jahren.

Größe: Länge 140 Millimeter, Breite 120 Millimeter, Gewicht 2,300 Kilogramm.

Finder: Der Mineraloge Karl Bauer, früher in der Hardtstraße Altenstadt wohnend.

Fundort: Sandgrube der Grüngutdeponie Altenstadt, westlich der B 15/B 22. Ein zweiter Fund gelang Bauer in der Geröllschicht einer Sandgrube am Waldrand, nördlich des Bauernhofes Sauernlohe.

Expertise/amtliche Bestätigung durch: das Institut für Pantäologie in München.

Ein Großteil von Karl Bauers Steinsammlung ist im oberen Stockwerk des Rathauses in Altenstadt zu bewundern. (cr)

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