29.01.2020 - 17:07 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Altlasten: Hoffnung ruht auf Umweltminister Glauber

In das Thema Altlastenflächen kommt Bewegung. Seit Montag liegt der Abschlussbericht zur Sanierung des Tritschler-Areals in Neustadt vor. Fest steht vor allem eines: Es wird sehr teuer. Landratsamt und Kommunen hoffen nun auf gute Nachrichten eines Besuchers.

Tristesse aus Ziegeln, Glas und Scherben: Für das Hofbauer-Gelände in Altenstadt soll der Schlussbericht zur Sanierungsuntersuchung im Frühjahr vorliegen. Ohne ein Sonderprogramm des Freistaats dürften diese und andere ehemalige Bleikristall-Brachen aber kaum zu entwickeln sein.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Fachfirma "Rupp Bodenschutz" schlägt für Tritschler eine Kombination aus Erdaushub und anschließender Grundwasserreinigung vor. Im Zuge dessen könnten auch einige Gebäude, etwa Säurepolitur und Schleiferei, rückgebaut werden. Bodenschutzrechtlich nicht relevante Gebäude würden bleiben. Hintergrund: Das Landratsamt ist nur für die unmittelbare Gefahrenabwehr zuständig, nicht aber für die Sanierung und Nutzbarkeit der Flächen.

Letzteres wäre Sache der Eigentümer, bei denen aber kaum etwas zu holen sein dürfte. Landrat Andreas Meier hofft auf ein Sonderförderprogramm des Freistaats. Möglicherweise hat es Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) im Gepäck, der am Freitag, 7. Februar, nach Altenstadt kommt und sich die Beyer- und Hofbauer-Brachen anschaut.

Darauf hofft auch Bernhardt Pscheidt, der als Freier Wähler in Altenstadt für das Bürgermeisteramt kandidiert. Ebenso wie Meier hat er Glauber eingeladen. "Wir schaffen das nur gemeinsam," sagt Pscheidt. "Es wird Zeit. Seit 2013 ist nicht viel passiert."

70 Millionen Euro für alles

Das sieht Meier nicht ganz so: "Wir haben die Sanierungsgutachten zu den einzelnen Flächen bereits im Herbst 2019 für dieses Frühjahr angekündigt. Und diese Gutachten sind in der Tat eine wichtige Wegmarke auf einem langen Weg durch Untersuchungen, Gutachten, Ersatzvornahmen und mehr." Der Landrat ist angesäuert, weil Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt (Freie Wähler) die Meldung zu den Gutachten vor Kurzem als Neuheit verkauft hat. Gotthardt hat Glauber in einem Schreiben vom August allerdings auch gebeten, bald in Sachen Altlasten in der Nordoberpfalz aktiv zu werden.

Unabhängig vom Wahlkampf-Hickhack: Meier geht "nach vorsichtigen Schätzungen" von rund 70 Millionen Euro für die Sanierung aller Bleikristall-Altlastenflächen aus. Neben Tritschler und Winterhalder wären dies Osram in Neustadt, Beyer & Co. sowie Hofbauer in Altenstadt und die Annahütte in Windischeschenbach.

Von der staatlichen Gesellschaft für Altlastensanierung in Bayern (GAB) und dem Bund-Länder-Finanzausgleich stünden jedoch nur läppische 3,5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung - für ganz Bayern. Daher richten sich nun große Hoffnungen auf die Glauber-Visite und eventuell weitere Förderungen.

Allein im Bericht zum Tritschler-Gelände stehen horrende Summen. Der Bodenaustausch mit Teilrückbau von Gebäuden kostet demnach 3,43 Millionen. Dazu kommen 350 000 Euro für die Grundwassersanierung. Obendrein steht noch die Untersuchung des tieferen Grundwassers aus.

Für Beyer & Co. sind folgende Beträge im Gespräch: 55 000 Euro für weitere Untersuchungen, 12,5 Millionen für die Bodensanierung mit Komplettaushub oder 2,53 Millionen für die Variante Bodensanierung mit Hotspot-Aushub und Deponiesanierung. Dazu kommt die Grundwassersanierung, die laut Gutachterfirma erst im Zusammenhang mit dem Hofbauer-Gelände betrachtet werden kann.

Landrat Meier hofft, dass Minister Glauber ihn bei seinem Besuch beim sogenannten Investorenmodell unterstützt. Er hat ihn dazu im Herbst angeschrieben, allerdings noch keine Antwort erhalten. Dieses Modell soll Kommunen helfen, Eigentümer auf den Brachflächen zu werden, um diese zu entwickeln. Das war bisher kaum möglich, weil hochriskant: Die Kommunen müssten dafür voll die Haftung für die Altlasten übernehmen.

Haftung begrenzen

Das Investorenmodell sieht vor, dass vor dem Kauf eines Altlastengrundstücks mit dem Investor ein Vertrag geschlossen wird, der die Haftung auf den Wert des Grundstücks nach der Sanierung beschränkt. Das müsste aber in jedem Einzelfall mit Umwelt- und Finanzministerium abgestimmt werden.

Bei allen Bemühungen: Bis die ehemaligen Brachflächen für Wohnungen oder Gewerbe attraktiv werden, sieht es so aus, dass weiterhin einiges Wasser die Waldnaab hinunter fließt.

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