14.10.2021 - 12:28 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Altlastensanierung in Altenstadt/WN: Ein Lichtblick, aber noch lange kein Ende

Es wird Jahre dauern, bis die Industriebrachen aus Altenstadt/WN verschwinden. Aber eines scheint jetzt schon sicher zu sein: Die Altlastenflächen werden niemals einfach nur Wiese sein.

Die Tage des Kamins der ehemaligen Bleikristallfabrik Beyer& Co scheinen gezählt zu sein. Es gibt einen Bescheid für den Besitzer
von Johann AdamProfil

Informationen über den Sachstand in Sachen Bleikristallbrachen in Altenstadt, die auch mehrere Besucher interessiert verfolgten, lieferte die Sachgebietsleiterin Bodenschutz und staatliches Abfallrecht des Landratsamtes Anna Balk in der Sitzung des Gemeinderates in der Mittelschule.

Zunächst erläuterte Balk den Verfahrensablauf bei der Altlastenbearbeitung. Von der Erhebung der Verdachtsfälle bis hin Sanierungsuntersuchung, Sanierungsplanung und Sanierung spannte sie den Bogen. In die Untersuchungen sind auch das Wasserswirtschaftsamt und das Gesundheitsamt eingebunden. Wichtig sei immer die Gefahrenabwehr. Danach ging sie auf den aktuellen Verfahrensstand, gesondert auf die Standorte Hofbauer und Beyer ein.

Bleikristallfabrik Beyer& Co: Aktuell laufen bei Beyer& Co die Sanierungsuntersuchungen "Teil B", die im Sommer 2022 abgeschlossen sein sollen. Es seien mehrere Hotspots mit großer Belastung identifiziert worden. Sie seien vor allem mit Arsen und Flourid belastet, hieß es. Die Kosten für die Erdarbeiten im Rahmen der Sanierung belaufen sich auf etwa 3 Millionen Euro. Dabei seien der Gebäuderückbau oder die Werksdeponie (Kosten etwa 9 bis 11 Millionen) noch nicht inbegriffen, erläuterte Balk. Der Bericht der erweiterten Sonderuntersuchung wird im Sommer 2022 erwartet. Diese war erforderlich, weil ein weiteres Gebäude in das Sanierungsgebiet einbezogen werden musste. Im Weiteren erfolgt dann die Abstimmung mit den Fachstellen und die Beantragung der Mittel aus dem Finanzausgleichgesetzt(FAG).

Bleikristallfabrik Hofbauer: Bei den Altlasten von Hofbauer sei man schon einen kleinen Schritt weiter, sagte Balk. Die Sanierungsuntersuchungen sind abgeschlossen. Im Sanierungsabschnitt 1 erfolgt der Rückbau der Säurepolitur und Teilbereiche des Gemengenhauses, der Aushub der Hotspots (etwa 18.500 Kubikmeter) mit ordnungsgemäßer Entsorgung. Weiter werden neutralisierende Materialien in die Aushubgruben eingebracht. Die Kostenbelaufen sich auf 6,5 Millionen Euro.

Die Grundwassersanierung folgt mit einem Monitoring über zehn Jahre. Im Herbstaugraben erfolgt der Sedimentaushub. Hierfür fallen weitere 6,5Millionen Euro Kosten an. Die nächsten Schritte beinhalten den Gebäuderückbau im Bereich der Hotspots und der Bodenaushub. Die Sanierungsplan und Sanierungsmaßnahmen in Sachen Bodenschutz(Gefahrenabwehr) sind für 2022 und 2023 geplant.

Bürgermeister Ernst Schicketanz sprach von einem kleinen Lichtblick in Sachen Altlastenbereinigung. Eine Fragen lag den Gemeinderäten besonders am Herzen: "Wann könnten die beiden Industriebrachen endgültig verschwunden sein?" Dies könne das Landratsamt nicht beantworten, sagte Balk, weil es in beiden Fällen noch Besitzer gäbe, auf die man keinen Einfluss habe. Die Besitzer seien vor allem für die bestehenden Gebäude allein verantwortlich, solange sie nicht belastet seien und keine Gefahr für die Allgemeinheit bestehe. Zur Frage nach dem maroden Kamin von Beyer &Co erklärte die Sachgebietsleiterin, dass ein Bescheid für den Rückbau an den Besitzer rausgegangen sei. Wenn dieser nicht reagiere, werde das Landratsamt einen fachgemäßen Rückbau anordnen und einleiten. Die Frage von Drittem Bürgermeister Christian Schramek, ob auf den Altlastenflächen einmal grüne Wiesen entstehen könne, beantworte Balk mit einem klaren „Nein“.

Bleikristall-Überbleibsel belasten auch Neustadt/WN

Neustadt an der Waldnaab
Die Vorarbeiten für die Bodensanierungen sind bei der ehemaligen Bleikristallfabrik Hofbauer schon weiter vorangeschritten.

 

 

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