14.03.2019 - 14:15 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Benannt nach einem Narisker-Fürsten

Einst war der Ortsteil Meerbodenreuth eine eigenständige Gemeinde. Mit der Gebietsreform kommt es zu Altenstadt/WN. Doch seine Geschichte beginnt schon viel früher.

Mittelpunkt von Meerbodenreuth ist die sanierte Dorfkapelle.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Immer fiel in den vergangenen Jahren bei planerischen Überlegung in Altenstadt der Ausspruch: "In Meerbodenreuth liegt die Zukunft Altenstadts." Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da war jener Ortsteil eine eigenständige Gemeinde. Am 28. Juli 1808, zwei Jahre nach der Ausrufung des Bayerischen Königreiches, entstand aus dem Steuerdistrikt Meerbodenreuth eine eigenständige Gemeinde. Dazu gehörte der Ortsteil Buch, die Einöden Kotzau, Süßenlohe und Waldhof (Moosöd) in Richtung Schätzlerbad. Die Auflösung erfolgte 167 Jahre später im Rahmen der Gebietsreform durch einen Regierungserlass am 1. Juli 1975. Neue Heimatgemeinde wurde Altenstadt/WN.

Betrachtet man die Geschichte Meerbodenreuths, so liegt diese, wie bei vielen Orten unserer Gegend, im Dunkeln. Sicher darf es sein, dass seine Geschichte eng mit der von Parkstein verknüpft ist. So vermutet der Chronist Wolfgang Ernst, dass Meerbodenreuth nach dem großen Narisker Fürsten "Marbod" benannt wurde, der in unserer Gegend lebte. Der berühmte Kupferstecher Merian, dem wir ein hervorragendes Bild der Parksteiner Burg verdanken, notierte sich im 17. Jahrhundert in seiner Städtechronik die Volksmeinung, "dass einst beim Parkstein eine Stadt der Narikser stand".

Germanischer Stamm

Die Narisker sind ein germanischer Stamm, der zu den Markomannen gehörte. Interessant auch die Bemerkung des Volkskundlers Schönwerth, der feststellte, dass "einst zwischen Hohen- und Altenparkstein eine große Heidenstadt gestanden haben soll". Doch schon in der Frühgeschichte der Menschheit streiften hier Jäger durch die Gegend. Beweis dafür ist der Fund eines eindeutig identifizierten Steinbeils durch den ehemaligen Schüler an der Mittelschule Altenstadt, Emmeram Käs, in Buch.

Nachgewiesen ist, dass der kleine Ort im Zusammenhang mit dem Erwerb Parksteins zur Böhmischen Krone unter Kaiser Karl IV. kam. Im Salbuch des Kaisers ist die Rede von "Merbotenreut" mit sechs Höfen. Milch, Käse, Eier, Hafer und Korn mussten als Steuergaben abgetreten werden. Im Zinsregister von 1456 finden sich neun Bauern. In einer Musterungsliste aus dem Jahre 1531 heißt es: Meerbottenreit, 12 mannschaft...." Rund 50 Jahre später gibt es sieben Höfe, sechs Güter und fünf "Gütln".

Stark ramponiert ging der Ort aus dem 30-Jährigen Krieg hervor. Die meisten Häuser waren "paufällig, eingefallen oder ohen dach, viech, wiesen und waldgründe liegen oed", heißt es in einer Steuerliste. Was den Ort im 19. Jahrhundert anbelangt, so schreibt der Altenstädter Helmut Reiß in seiner Häuserchronik, dass Meerbodenreuth "eine reine Landgemeinde" war, die bevölkerungsmäßig - bedingt durch die Mechanisierung in der Landwirtschaft - ständig abnahm. Zwischen 1817 und 1861, so stellte er fest, pendelte der Bevölkerungsstand mit den Gemeindeteilen zwischen 243 und 247 Personen (Meerbodenreuth hatte 1800 136 Bewohner). 1939 waren es nur mehr 205. Durch die Vertreibung nach dem Krieg konnten 1946 221 Einwohner gezählt werden, doch vier Jahre später schrumpfte die Zahl wiederum auf 207.

Tiefstand 1961

Der Tiefstand war 1961 mit 200 Personen erreicht. Sehr übersichtlich gibt Reiß eine Aufstellung über 23 Häuser in Meerbodenreuth. Tief drang er in die Familienchroniken der einzelnen Höfe ein und verfolgte diese mit Akribie. Vielfach gelang es, die Besitzer bis in das Jahr 1565 zurückzuverfolgen.

Interessant sind die Hausnamen, eine typische Namensgebung in Bayern, die heute noch von Bestand ist. Fragt man in Dörfern nach, können die älteren Bewohner den Weg nur beim Nennen des Hausnamens beschreiben. In Meerbodenreuth ist geläufig "beim Lenz". Dahinter verbirgt sich die Familie Reichl im Haus Nr. 1. Da gibt es den "Peterbernet", was von Peter-Bernhard oder Beutler-Bernhard abzuleiten ist, "beim Popperer", "beim Rothenpeter" und "beim Zechl". Oft sind es schlichtweg Hörfehler, die beim Aufschreiben der Namen unterlaufen sind. Oder die Hausnamen verweisen auf die Tätigkeit eines Vorfahren.

Insgesamt gibt es 21 verschiedene Hausnamen. Beim ehemaligen und inzwischen verstorbenen Bürgermeister Franz Dagner ist der Hausname mit dem richtigen Namen identisch. Der älteste urkundlich feststellbare Meerbodenreuther war ein gewisser Fuchs Uhl, dem das Haus Nr., 20 (Hausname "beim Has") 1456 gehörte.

Verwaltungsmäßig hatte sich die Gemeinde Meerbodenreuth mit Parkstein, Hammerles und Schwand im Jahre 1961 zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen. Franz Dagner war als Bürgermeister zuständig. Das Amt bekleidete er bis 1975. Dieser Zusammenschluss war in Bayern zu diesem Zeitpunkt einmalig. Zwar ging es leicht aufwärts, doch im Jahr der Gebietsreform zählte der Ort ohne die Ortsteile 152 Menschen. Doch nun sollten die Weichen neu gestellt werden. Eines war klar, die Gemeinde als solche konnte nicht mehr weiterbestehen. Wo sollte man sich anschließen?

Echte Liebe

Der Ortsteil Buch war Vorreiter in Sachen Eingemeindung. Erst durch deren Anfrage bei der Regierung, ob man denn, wenn die anderen Teile ausscheren, auch allein nach Altenstadt gehen könne, kam die Sache auf. Die Bindung an die, gelegentlich mit Argwohn beäugte Gemeinde, schien damals noch eine echte Liebe gewesen zu sein. Ob die Beziehung heute noch glühend ist? Die Regierung der Oberpfalz wollte partout, dass Meerbodenreuth und Parkstein eine Verbindung eingehen.

Altbürgermeister Manfred Greiner aus Altenstadt/WN, zur Zeit der Eingemeindung war er noch Gemeinderat, erinnert sich noch genau. Bei einer Bürgerabstimmung plädierte die Mehrheit der Meerbodenreuther für Altenstadt. Dagner wusste zu berichten, dass es zwei Abstimmungen gab. Da erstere im April 1975 mehrheitlich für Altenstadt ausging, kam es auf Anordnung der Regierung zu einem erneuten Urnengang. Doch auch diesmal lag das Ergebnis mit über 90 Prozent gleich. Den Kotzauern ließ man daraufhin freie Hand. Auch sie votierten in die östliche Richtung und nicht für das nahe gelegene Parkstein.

Schule in Parkstein

Anders ging es mit dem Waldhof. Deren zwei Familien gaben ihre Stimmen für Weiden ab, für die Süßenlohe gab es keine Alternative. In Meerbodenreuth setzten sich besonders die beiden damaligen Firmen Rasch und Forster für Altenstadt ein. Überhaupt waren die Verhältnisse etwas verworren. Pfarreimäßig gehörte Meerbodenreuth zu Altenstadt, schulisch jedoch bis weit in die siebziger Jahre zu Parkstein. Bei Wind und Wetter mussten die Kinder den alten Kirchsteig zur Parksteiner Schule bestreiten, an einen Schulbus war lange nicht zu denken. Als dann in den sechziger Jahren doch einer eingesetzt wurde, war der damalige, verstorbene Landrat Christian Kreuzer äußerst verärgert über diesen Alleingang der "aufmüpfigen Bürgermeister" aus Schwand, Hammerles, Parkstein, Schwarzenbach und Meerbodenreuth.

Enttäuscht waren die Altenstädter in diesem Zusammenhang von Klobenreuth, Mühlberg und Denkenreuth. Diese Orte gehörten ebenfalls zu ihrer Pfarrei. Die Mühlberger, so erzählt man noch heute, "ließen sich erst auf unsere Kosten ein Straße bauen", und dann votierten sie bei der Abstimmung jedoch gegen eine politische Bindung zu Altenstadt.

Hohe Ziele

Was gab es als "Hochzeitsgeschenk" für Meerbodenreuth? "Da standen schon einige Dinge an", erinnerte sich Dagner und meinte diplomatisch: "Im Laufe der Jahre ist halt manches in Vergessenheit geraten." Eingehalten und gefördert wurde aber unter anderem die Feuerwehr.

Was die damaligen Perspektiven Meerbodenreuths von offiziellen Stellen anbelangt, so wurde im Flächennutzungsplan der Gemeinde von 1978 der Ort mit "vorwiegender Agrarfunktion" eingestuft. Wohngebäude, so die Planer, sollten "nur für den örtlichen Bedarf errichtete werden".

Für den Freizeitbereich und den Sektor Naherholung hatten die Planfeststeller hohe Ziele in diesem Gebiet. Grundlage sollten der Süßenloher Weiher und die geschlossenen Flächen des Kooperationswaldes sein. Man stellte sich einen weiteren Ausbau des Campingplatzes vor (heute herrscht hier gähnende Leere), der Segelboothafen sollte ausgeweitet werden. Heute ist er nach Schwandorf verlagert. Dies konnte die Gemeinde Altenstadt nicht verhindern, es lag an den Besitzverhältnissen.

Im Bürgerwald steht ein Gedenkstein für Karl IV.. Nachgewiesen ist, dass der kleine Ort im Zusammenhang mit dem Erwerb Parksteins zur Böhmischen Krone kam.
Im Flächennutzungsplan der Gemeinde von 1978 wurde der Ort mit „vorwiegender Agrarfunktion“ eingestuft. Wohngebäude sollten „nur für den örtlichen Bedarf errichtet werden“.
Am 28. Juli 1808, zwei Jahre nach der Ausrufung des Bayerischen Königreiches, entstand aus dem Steuerdistrikt Meerbodenreuth eine eigenständige Gemeinde. Dazu gehörte der Ortsteil Buch (Bild).
Auch Kotzau votierte in die östliche Richtung und nicht für das nahe gelegene Parkstein.
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