11.09.2019 - 14:02 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Domspatz mit spanischer Gitarre

Ein junger Mann, 18 Jahre alt, selbstbewusst. Peter Ermer tritt mit seiner Konzertgitarre in den Altarraum der Kirche. Nachdem er das I-Phone mit den Noten zurechtgelegt hat, beweist er, dass er trotz Jugend kein „Nachwuchstalent“ ist.

Peter Ermer überzeugt bei seinem Konzert mit reifem Spiel.
von Redaktion ONETZProfil

Pfarrer Ulrich Gruber begrüßt den Altenstädter Peter Ermer in der über die Hälfte mit Besuchern gefüllten Jesus-Christus-Kirche. Der Musiker hat sich bei ihm für ein Benefizkonzert zugunsten der vor zwei Jahren erfolgten Innenrenovierung der Kirche angeboten, wofür noch Spenden gesammelt werden. Der Gitarrist verließ bereits nach der sechsten Klasse den musischen Zweig am Gymnasium Neustadt/WN und ging ins Internat der Regensburger Domspatzen, wo er inzwischen im ersten Chor singt und mit dem er im Sommer durch Italien tourte. In diesem Jahr steht das Abitur an, doch seine Soloauftritte will er nicht missen. Zudem plant er seine berufliche Laufbahn im musischen Bereich.

Ermer moderiert beim Benefizkonzert selbst, leider bei defekter Mikrofonanlage. Gleich bei seinem ersten Stück zeigt er, dass er ein Virtuose auf seinem Instrument ist, das er seit seinem fünften Lebensjahr spielt. Seine große Leidenschaft für Gitarrenmusik, insbesondere der spanischen, zeigt sich in seinem Repertoire und in seiner Hingabe, mit der er die Klänge hervorzaubert: mal mit tanzenden Fingern, mal mit kraftvollen Mehrklängen, auch unterbrochen vom typischen Flamenco-Schlag. Das Konzert im akustisch hervorragenden Raum beginnt mit der „Étude XIII“ des spanischen Komponisten Maximo Diego Pujol mit angedeuteten Tangorhythmen. Ihr folgt mit „En los trigales“ („In den Weizenfeldern“) von Joaquím Rodrigo (1901 – 1999) ein Stück, das bei einprägsamer Melodik mit leichten Dissonanzen spanische Folklore integriert und den Zuhörer in die ruhige Landschaft Kastiliens versetzt. Bei der dreiteiligen „Sonata D-Dur op. 61“ des Spaniers Joaquím Turina (1882 – 1949) stellt der Künstler dem Publikum zunächst kurz die Einzelthemen vor, ehe das Musikstück, das die ganze Bandbreite des konzertanten Spiels verlangt, ertönt.

Ebenso hohe Aufmerksamkeit erforderten die medidativen „Préludes VI und VII“ des Mexikaners Manuel Maria Ponce (1882 – 1948). Vom spanischen Gitarristen Francisco Tárrega (1852 – 1909), der moderne Gitarrentechniken prägte, wie den Anschlag über die Fingerkuppen ohne Mitwirkung des Nagels, brachte Ermer das Prélude „Lágrima“ (Träne) und die „Recuerdos de la Alhambra“ – Erinnerungen an die maurische Stadtburg in Granada – zu Gehör:.

Dass er auch Modernes perfekt interpretieren kann, bewies er mit „Cavatina“ des britischen Filmkomponisten Stanley Myers (1933 – 1993), dem berühmten Hauptthema in Michael Ciminos „The Deer Hunter“. Genauso begeisterte Ermer mit Eric Claptons Ballade „Tears in Heaven“, wozu auch seine ausgebildete Tenorstimme beitrug, die man gerne noch öfter gehört hätte. In den zu Recht geforderten Zugaben widmete er seiner ihn fördernden Mutter das Stück „Ametist“ des Tschechen Ctibor Süsser, begab sich mit dem bekannten „River Flows in you“ des Südkoreaners Yiruma nochmals in den Popmusik-Bereich und beendete sein gelungenes Konzert mit „Variación sobre Malagueña“ von Paul Coles, einem weiteren Abstecher nach Spanien.

Peter Ermer überzeugt bei seinem Konzert mit reifem Spiel.
Peter Ermer überzeugt bei seinem Konzert mit reifem Spiel.
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