24.01.2019 - 10:53 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Fast vergessenes Herrschergeschlecht

Die Lobkowitzer kennt heute noch jeder, die Pflug von Rabenstein nur noch Eingeweihte. Dabei haben sie ihre Spuren hinterlassen, unter anderem in einem Wappen.

Nur mehr der Burgfried der alten gotischen Rabensteiner Burg ist auf steilem Feld über dem Fluss Schnella zu sehen. Sie wurde durch Brände in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts sehr stark beschädigt.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Im Wappen der Gemeinde Altenstadt/WN ist neben dem roten Lobkowitzer Adler als weiteres Heraldikzeichen der schwarze Pflug der Rabensteiner zu sehen. Beiden Geschlechtern ist eine Ortsstraße gewidmet. Die Lobkowitzer sind bis heute durch ihr Schloss, dem jetzigen Landratsamt Neustadt/WN präsent, nicht so die Rabensteiner. Ortsheimatpfleger Jörg Krämer befasste sich mit der Geschichte der adeligen Familie.

Die Pflug von Rabenstein, auch Pflug von Orlik genannt, hatten von 1374 bis 1514 die Herrschaft Störnstein-Neustadt/WN mit Unterbrechungen inne. Als Karl IV. 1353 die Herrschaft für Böhmen erwarb, fungiert Hintzig Pflug von Rabenstein zunächst als sein Pfleger in der Herrschaft Störnstein-Neustadt. Ab zirka 1380, so Krämer, scheint der Kaiser die Herrschaft an die Pflug von Rabenstein verpfändet zu haben.

Hintzig Pflug von Rabenstein verleiht 1380 denen zu Altenstadt/WN alle Rechte, die auch die Neustädter innehaben. Um 1471 hat die Herrschaft Sebastian Pflug in Besitz. Seine Witwe Ameley verwaltet den Besitz nach dem Tode ihres Mannes für ihre beiden unmündigen Söhne. 1463 erscheint Sebastian Pflug der Jüngere als Inhaber der Herrschaft. Während seiner Regentschaft kommt es zum Bierkrieg zwischen den Neustädter und Altenstädtern. Der Grund: unerlaubtes Bierbrauen in Altenstadt. Das konnten die Neustädter nicht hinnehmen. Was genau passierte, ist im Heimatbuch des örtlichen Heimatvereins beschrieben .

1466 vermittelte Sebastian Pflug kraft seines Amtes in dem Aufruhr und schrieb in einem erhalten gebliebenen Brief: "Die Neustädter mögen nicht selbst ihre Richter sein, sondern warten bis sein Sohn Hintzig von Rabenstein und Schwartzenburg in der Stadt weilt, um den Streit zu schlichten."

In den Jahren nach 1498 taucht in den Urkunden erneut eine Frau, Agnes von Pflug, auf. Nach dem Ableben ihres Mannes regierte sie offenbar für ihre unmündigen Kinder Johann und Hintzig Pflug von Rabenstein und Petschau. Im Jahre 1514 verkaufen die Pflugs die Herrschaft an die böhmischen Guttenstein. Heute noch erinnert eine Straße in Altenstadt/WN an die Pflugs. Was noch fehlt, ist eine Guttensteiner Straße.

Rund 110 Kilometer entfernt von Altenstadt/WN liegt Rabstejn nad Strelou (Rabenstein an der Schnella) - mit 26 Einwohnern die kleinste Stadt in Tschechien - inmitten einer romantischen Felsen- und waldreichen Landschaft.

Burg Rabenstein, nur mehr als Ruine erhalten, wurde von Heinrich von Rabenstein 1260 gegründet. Durch den Ort verlief im Mittelalter eine Altstraße von Bärnau und Tachau kommend nach Prag.

In der Nähe der Burgruine befindet sich das Gebäude eines aufgelassenen Klosters mit Kirche und dem Schloss. Weitere Baudenkmäler sind Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert und eine steinerne Brücke aus dem 14. Jahrhundert über den Fluss Strela.

Das Wappen von Altenstadt/WN mit dem „Pflug der Rabensteiner“ und dem roten Adler der Lobkowitzer.
Das noch erhaltene Schloss Rabstejn wurde 1705 erbaut. Weitere Baudenkmäler in Rabstejn nad Strelou (Rabenstein an der Schnella) sind Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert und eine steinerne Brücke aus dem 14. Jahrhundert über den Fluss Strela. Mit 26 Einwohnern ist sie die kleinste Stadt in Tschechien.
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