19.03.2019 - 16:31 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Gedenken an einen edlen Stifter

Ein verwitterter Grabstein erinnert an der Südmauer der alten Pfarrkirche in Altenstadt/WN an Peter Vollath, genannt "Glocken-Pöida". Der Heimatverein sorgt dafür, dass die Inschrift wieder gut zu lesen ist.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Alfons Barth freut sich, dass die Inschrift des verwitterten Grabsteins von Peter Vollath wieder gut zu lesen ist.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Den Grabstein des Privatiers Peter Vollath an der Südmauer der alten Pfarrkirche etwas hervorzuheben, das hatte der Heimatverein schon vor Jahren ins Auge gefasst. Das Hauptproblem war die Inschrift, die immer mehr verblasst war. Nun ist mit Hilfe des Bezirksheimatpflegers Dr. Tobias Appl eine ansprechende Lösung gefunden worden. Zuvor wurde der schiefstehende Grabstein mit Hilfe von Bürgermeister Ernst Schicketanz durch den Bauhof der Gemeinde ein Stück nach Westen versetzt und gerade ausgerichtet.

Eine Ausbesserung des gesamten Steins durch einen Fachmann wäre möglich, doch sehr teuer, fraglich war dabei auch die Haltbarkeit. Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl schlug vor, die Inschrift in eine neue schwarze Marmorplatte zu gravieren und diese Platte vorsichtig am Grabstein zu befestigen.

Glas-Tafel angebracht

Da "auch der verwitternde Stein einen gewissen Reiz und Wert" habe, so der Fachmann, war eine weitere Idee, eine gläserne Tafel mit der Inschrift im unteren Bereich des Steins, anzubringen. Mit dieser Lösung, die auch die kostengünstigste war, konnte sich der Heimatverein anfreunden. Eine Fachfirma am Ort setzte sie in die Tat um. Nun ist die Tafel montiert. Gut zu lesen ist nun wieder die Inschrift: "Hier ruht in Gott der ehrengeachtete Herr Peter Vollath, Privatier und Guttäter der Pfarrkirche in Altenstadt." Peter Vollath ist "Stifter des Pfarrkirchengeläutes zu Altenstadt". "Geboren am 18. Januar 1833, verstorben am Tag vor Heiligabend 1917."

Peter Vollath wurde im Volksmund als "Glocken-Pöida" bezeichnet. Der Namen Vollath ist in der Gemeinde wohlbekannt. Seine Nachkommen leben noch hier. Bekannt und geachtet wurde Peter Vollath vor allem durch seine Spendenfreudigkeit fürs Allgemeinwohl. So stiftete der Privatier 1907 die Glocken für die alte Pfarrkirche. Daher stammt der volkstümliche Name "Glocken-Pöida". Dieser Vollath, war ein Onkel des Altenstädter Originals Hans Vollath, über den der Heimatverein ein Büchlein herausgab. Vor mehr als 100 Jahren verstarb der edle Spender am Tag vor dem Heiligabend.

Grab aufgelöst

Eine Geschichte aus früheren Zeiten der Gemeinde Altenstadt/WN hinterließ der 1996 verstorbene Herbert Hauer, ein Mitglied des Heimatvereins. Er berichtete, dass sich das eigentliche Grab an einer ganz anderen Stelle des Friedhofs befand. Es sei 15 Jahre nach seinem Tod aufgelöst worden. Den Grabstein fanden Ende der 1980er Jahre Felix Beutler und Josef Pröll an der Friedhofsmauer am Pfarrhof. Zur Erinnerung wurde nach Auflassung der Ruhestätte der Stein mit Genehmigung der Gemeinde als Gedenkstein für den "Glocken-Pöida" neben dem Ehrengrab des Oberpfälzer Heimatdichters Anton Wurzer aufgestellt. Inzwischen wurde der Stein ein Stück nach Westen verschoben und gerade ausgerichtet.

In seinem Testament vom April 1909, beurkundet beim Königlichen Notariat in Neustadt/WN, bedachte er nicht nur penibel all seine Verwandten bis nach München. Er bestimmte auch, dass an die Kirchenstiftung Altenstadt 1300 Mark überwiesen werden. Dazu sollte für sein Seelenheil alljährlich am Sterbetag ein Amt gelesen werde.

Weiterhin verfügte er, dass die Pfarrkirchen-Stiftung 1000 Mark für die "Anschaffung eines mit einem Mantel versehenen Standbildes der Mutter Gottes mit dem Jesuskind für den Hochaltar der (alten) Pfarrkirche" erhielt. In der Kirche befinden sich zwei Muttergottesstatuen, welche von dem Stifter ist, wurde nicht festgehalten.

Vier neue Glocken

Peter Vollath, so berichtet auch die Chronik der Pfarrei, hatte von seinem "sauer ersparten Geld" im Jahr 1907 vier neue Glocken mit einem Gewicht von 27, 13, 8 und 5 Zentnern gestiftet. Geweiht wurden sie der Heiligen Dreifaltigkeit, der Gottesmutter, dem Heiligen Petrus und der Heiligen Familie.

Den Ersten Weltkrieg, in dem viele Glocken in Deutschland wegen Mangels an Eisen eingeschmolzen wurden, überstanden die Glocken. Nicht aber den Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1939 und 1945 wurden sie auf Befehl der Nazis abgenommen und eingeschmolzen. Die heutigen Glocken, vier an der Zahl, kamen am 12. Dezember 1948 und sind auf die Töne E, Gis, H, Cis (Salve Regina) gestimmt. Sie stammen aus der Firma Otto in Hemelingen bei Bremen. Der damalige Pfarrer Julius Meister weihte sie - wie im Jahre 1907 - den gleichen Patronen: zwei der Mutter Gottes, eine der Hl. Dreifaltigkeit und eine dem Hl. Petrus, in Erinnerung an den ersten Glockenstifter Peter Vollath, so berichtet es der Kirchenführer für Altenstadt/WN.

Peter Vollath als Soldat mit Vorderlader aus der Zeit des deutsch-französischen Krieges.
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