03.04.2019 - 15:42 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Heimatverein kurz vor Auflösung

Das erwartete Debakel bei der Neuwahl des Heimatvereins trifft wie erwartet ein. Niemand der 102 Mitglieder ist bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Alfons Barth führt den Verein nun für drei Monate kommissarisch.

Die wahrscheinlich letzte Ehrung von langjährigen Mitgliedern (10 und 20 Jahre) und zugleich letzte offizielle Amtshandlung von Alfons Barth, der mit einer kurzen Unterbrechung von 26 Jahren als erster Vorsitzender tätig war. Eine Urkunde mit Präsent erhielten (von links) Werner Schnall, Alfons Barth, Anett Kamm, Hans Lang, Konrad Adam und Ernst Schicketanz.
von Rainer ChristophProfil

In seiner Begrüßung appellierte Bürgermeister Ernst Schicketanz eindringlich die Nachfolge zu sichern. Der Gemeinde sei es ein echtes Anliegen, dass der Verein weiterbestehe. Sein Dank galt allen ehrenamtlichen Mitarbeitern. Er erinnerte an den Museumsdienst und die vielen Aktivitäten, die das Leben im Museum stärkten.

Als Wahlvorstand fungierten die beiden Bürgermeister. Sie stellten fest, dass 27 Prozent der Mitglieder wahlberechtigt waren. Was auffiel: Von jüngeren Mitgliedern und auch dem Vorstand, war außer Beisitzerin Annett Kamm niemand gekommen. Nachdem kein Wahlvorschlag vorhanden war, herrschte bei der Frage, wer sich als Vorsitzender zur Verfügung stellt, eisiges Schweigen. Nachdem bei einigen möglichen Kandidaten nochmals vergeblich nachgefragt wurde, warf Bürgermeister Schicketanz das Handtuch. Die Satzung bleibt der alte Vorstand um Alfons Barth kommissarisch im Amt. Nach den Regularien muss die Wahlversammlung in drei Monaten nochmals tagen. In einer Diskussion waren sich alle einig, wenn nicht ein Wunder geschieht, hängt das Damoklesschwert so tief, dass dem Verein nach über 20 Jahren die Auflösung droht.

Die Ursachen der eingeschränkten Aktivitäten des Vereins waren begründet durch die Umgestaltung des Pfarrplatzes. Das Museum musste, so Barth, von Juni 2018 bis zum Jahresende schließen. Das Resultat: Es gab 2018 nur 480 Besucher (Vorjahr über 600). Ausstellungen, Vorträge, Besucherzahlen gingen stark zurück. Dazu gehörten auch standesamtliche Trauungen. Zweiter Bürgermeister Konrad Adam schaffte es noch, im Juni die letzte Trauung für 2018 zu buchen. Seit Januar laufe der Betrieb wieder normal. Barth stellte den neuen Museumsführer des Landkreises vor. Alphabetisch geordnet führt Altenstadt die Museumsliste an. Schulklassen zum Besuch zu bewegen, sei trotz einer Lehrerfortbildung im Museum nicht gelungen. Zur Schreibmaschinenausstellung kam eine Klasse der Mittelschule.

Das „Rasch-Kreuz“ vor Meerbodenreuth wurde laut Barth nach gründlicher Renovierung Anfang Oktober nach diversen Anläufen aufgestellt. Da es einen Sponsor gab, kamen auf den Verein keine Kosten zu. An der Bildsäule am Pendlerparkplatz der B22, die im Jahre 2000 vom Straßenbauamt erneuert wurde, waren die Blechschilder nach 18 Jahren total verwittert. Die Restaurierung ist im Gange, eine Tafel wurde bereits angebracht. Die beiden anderen seien in Arbeit, der Trockenprozess bei den Ölfarben ziehe sich hin.

Barth berichtete, dass er beim Abbau der zwei Tafeln beinahe verhaftet worden wäre. Ein Autofahrer, der ihn beobachtete, stoppte und herrschte ihn an, „was er da mache?“ Ohne Erfolg. Barth, der ihm die Situation erklärte, konnte nicht verhindern, dass dieser die Polizei verständigte, die dann mit Streifenwagen auch kam. Letztlich war die Aufregung schnell beruhigt. Im Nachhinein müsse der Fremde sogar gelobt werden, meint der Vorsitzende. "Was wird heute nicht alles zerstört, ohne dass sich jemand drum kümmert." Darüber amüsierten sich alle Anwesenden.

Im April 2018 stellte Ortsheimatpfleger Jörg Krämer im Museumsgewölbe seine Ergebnisse der Nachforschung zu den ersten urkundlichen Beweisen des bislang mysteriösen Ortsteils Traindorf vor. In alten Dokumenten konnte ein Ansatz gefunden werden. Der Vortrag fand starkes Interesse und wurde auch im Rahmen der 800-Jahr-Feier in Neustadt gehalten. Den Wunsch, die Ergebnisse in Druckform zu präsentieren, setzte der Heimatverein als Herausgeber in Buchform um. Der Titel lautet: „Ego Heinricus, dictus comes des Altentdorf Herrschaftsbildung im Raum Neustadt/WN“. Das gefragte Buch ist im Museum zum Preis von 15 Euro zu bekommen.

Beim Festzug 800 Jahre Neustadt nahm der Verein samt Bürgermeister mit einem kleinen Festwagen teil. Darauf stand das überholte Modell der alten Pfarrkirche von Altenstadt. Marille Singer ist es zu verdanken, dass dieses Modell am Dachboden der ehemaligen Schreinerei Beutler aufgestöbert wurde. Die regelmäßigen Stammtische für Männer wurden gut besucht, die Damen des Vereins konnten im Februar ihren 100. Stammtisch hochleben lassen. Der Webauftritt des Vereins wurde neu mit Gästebuch und Terminkalender gestaltet. Am Ende dankte Barth allen Mitgliedern und der Gemeinde für die langjährige Unterstützung.

„Der Geldes wegen muss der Verein nicht aufgelöst werden“, betonte Kassier Werner Spiesmacher seinen Rechenschaftsbericht. Immerhin stehen 26.100 Euro auf der Habenseite, an Spenden bekam der Verein im letzten Jahr rund 412 Euro. Die Vorfinanzierung für das historische Buch von Jörg Krämer, lassen den ausgegebenen Betrag ständig schrumpfen. Konrad Adam und Burkhard Hagemann bestätigten ihm eine hervorragende Kassenführung. Nach dieser Aussage erfolgte die einstimmige Entlastung der Vorstandschaft.

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