Altenstadt an der Waldnaab
19.11.2022 - 08:05 Uhr
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Karl Heinz Malzer legt zum 80. den Taktstock aus der Hand

Der ehemalige Musiklehrer und mehrfach ausgezeichnete Chorleiter Karl Heinz Malzer feiert am Samstag, 19. November, 80. Geburtstag. An seinem Ehrentag gibt er in Pleystein sein Abschiedskonzert.

Wenige Tage vor seinem runden Geburtstag öffnete Karl Heinz Malzer für ein Gespräch mit Oberpfalz-Medien das Musikzimmer in seinem Haus in Altenstadt/WN. Zwischen Flügel und Schreibtisch stöberte er dabei nicht nur in sauber geordneten, alten Bildern, Noten und Aufnahmen, sondern auch in seinen Erinnerungen. Durch die vergangenen acht Jahrzehnte spult sich die Musik wie ein leuchtend roter Faden.

Mit fünf Jahren setzte sich der kleine Karl Heinz zusammen mit seiner Mutter das erste Mal ans Klavier. Schnell war klar, dass er mit großem Talent gesegnet ist. Die Mutter hatte am ehemaligen Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg studiert. Sein Vater fiel 1942 im Krieg. Der "zweite Vater", Lehrer in Pleystein und ehemaliger Domspatz, förderte den Buben mit enormer Hingabe. "Im Abiturjahr bin ich jeden Tag mit dem Zug von Weiden aus nach Nürnberg, um mich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten", erinnert sich Malzer an die sehr anstrengende Zeit. Die Prüfung schaffte er auf Anhieb. Nach dem Studium in München heiratete er seine Renate, die er im Jugendchor kennengelernt hatte. Beide erinnern sich gern an das eine Jahr in München: "Karl Heinz hat für eine ältere Dame, die Ballett unterrichtete, Klavier gespielt. Er leitete auch den Chor in der Christkönigskirche in Nymphenburg", erzählt die Ehefrau.

Versetzung in die Heimat

Als junger Lehrer am Ludwigsgymnasium in München musste Malzer mit einer teils rabiaten Schülergeneration zurechtkommen, die von der 68er-Bewegung beeinflusst war: "Das war schon krass damals. Ich schrieb an der Tafel und hatte dabei immer den Blick über die Schulter, was da gerade so passiert im Klassenzimmer." Über die Versetzung in die Oberpfälzer Heimat, ab 1969 am Augustinus-Gymnasium in Weiden, dann ab 1976 in Neustadt/WN, freute sich das Paar enorm: "Das war kein Vergleich zur Großstadt. Ich kam direkt in den Himmel. Die Schüler hier haben wirklich immer gut mitgearbeitet." Familie Malzer zog ins Elternhaus von Renate nach Altenstadt. Tochter Michaela und Sohn Mario machten das Familienglück perfekt.

Der Musiklehrer baute Jahr für Jahr an verschiedenen Schulchor-Ensembles. Die Weihnachts- und Jahresschlusskonzerte des Gymnasiums Neustadt/WN wurden durch die teils ausgefallenen und anspruchsvollen Programme nicht nur bei der Schulfamilie mehr und mehr bekannt. Höhepunkte gab es zuhauf: "Ich erinnere mich an ein Weihnachtskonzert in den 80er Jahren mit südamerikanischen Liedern. Das war einfach wunderbar", meinte Renate Malzer. "Karl Heinz war immer und überall auf der Suche nach neuen Stücken." Ein Lieblingslied? "Ach Gott, es gibt so viele schöne Lieder. Ich habe da kein Präferenz", so der 80-Jährige.

Musikbegeisterte Oberpfälzer

Allerdings interessierte sich Malzer schon seit jeher besonders für die Komponisten seiner Heimat. "Die Oberpfälzer sind musik- und theaterbegeistert. Das liegt am dem böhmischen Einschlag in dieser Gegend. Es gibt hier eine enorme Musikalität und Vielfalt", erklärte Malzer. Akribisch erforschte er Leben und Werk des musikalischen Tausendsassas Franz Gleißner. 2018 erschien sein Buch über den Kurfürstlichen Hofmusiker und Miterfinder der Lithographie.

Die Gründung mehrerer Chöre und die Leitung vieler Ensembles hat Karl Heinz Malzer enorm gefordert, aber auch Freude bereitet. Da ist seine Zeit in Parkstein, wo er den Männerchor leitete und den Jugendchor "Parksteiner Bergfinken" aus der Taufe hob. Stolz ist er auch auf die Gründung des Weidener Kammerchors. 20 Jahre lang war er als Bundeschorleiter für 1700 Chöre mit 127 000 Mitgliedern zuständig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau übernahm er auch das Amt des Bundesjugendreferenten des Deutschen Sängerbunds. Von 1986 bis 1992 war er Lehrbeauftragter an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen.

Lange Liste an Auszeichnungen

Verbände wie der Fränkische Sängerbund, Vereine wie unter anderem der Pleysteiner Männergesangverein 1895 und nicht zuletzt zahlreiche Sängerinnen und Sänger haben von Malzers Leidenschaft und Gabe profitiert. Der Jugendchor des Fränkischen Sängerbunds hat sich unter seiner Leitung einen sagenhaft guten Ruf erarbeitet. Ohne Zweifel war er der Wegbereiter des Musischen Gymnasiums in Neustadt/WN. Die Liste der Auszeichnungen, über die er sich im Laufe der Zeit freuen durfte, ist lang. Unter anderem erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Etliche ehemalige Schüler haben die musikalische Verbindung zu ihrem Lehrer nie abbrechen lassen und schlossen sich dem Chor "Mixtura Cantorum" an, der seit 2021 von Malzers Tochter Michaela Treese und Timm Wisura geleitet wird. Einige davon werden am Samstag in Pleystein bereitstehen, wenn ihnen der Dirigent beim letzten Konzert in führender Position entgegenlächelt. Der zweifache Opa legt den Taktstock zur Seite. Mit 80 will er es endlich ruhiger angehen. Ganz ohne Chor wird es Malzer jedoch nicht aushalten: "Michaela hat mir versprochen, dass ich mal eine Probe leiten darf, wenn ich Lust dazu habe."

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