01.01.2021 - 12:02 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Lustiger Kaplan mit tiefdunkler Seite in Altenstadt/WN

Bei einer Firmungsreises des Bischofs kam es 1901 zu einem Fauxpas. Doch Kaplan Karl Adam rettete die Situation. Der Spaßvogel war jedoch keineswegs ein harmloser Zeitgenosse.

Als der Regensburger Bischof von Senestrey 1901 hier übernachtete, hatte der Altenstädter Pfarrhof noch ein ansprechenderes Gesicht.
von Rainer ChristophProfil

Bei der Ankunft des Bischofs Ignatius von Senestry, der aus Bärnau stammte, 1901 in Altenstadt war alles für einen großen Empfang vorbereitet. Pfarrer Michael Daubenmerkel, der die alte Pfarrkirche des Ortes restauriert hatte und aus dessen Zeit noch wunderschöne Bilder stammen, freute sich auf den Besuch des hohen Gastes.

Der Empfang des Bischofs verlief programmmäßig, bis einer der Altenstädter Vereinsvorstände, welche alle mit einer kurzen Begrüßungsrede zu Wort kamen, an der Reihe war und seine Rede folgendermaßen begann: „Es gereicht uns zur großen Ehre, dass uns der Herr Bischof mit seinem Allerwertesten beehrt hat.“ Zunächst nur ein leises Lächeln seiner Exzellenz. Betroffenheit jedoch bei allen anderen Anwesenden geistlichen und weltlichen Herren.

Der Redner aber, der seinen Versprecher bemerkt hatte, begann sichtlich nervös und angespannt von vorne: „Es gereicht uns, … dass uns der der Herr Bischof mit mit… seinem Allerwertesten beehrt …“ Aus war' s. Mit hochrotem Kopf stockte der Redner und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Diesmal, so berichtet die Altenstädter Kirchenchronik, musste der Bischof schon herzlich lachen.

Der damalige Kooperator Dr. Karl Adam rettete die Situation und sprang für den verdatterten Vereinsvorstand (seine Name wird tunlichst verschwiegen) ein und sagte: „Es gereicht uns zur großen Freude, dass uns der Herr Bischof mit seinem allerwertesten Besuch beehrt haben,“ Senestrey gab dem aufgeregten Vereinsvorstand besonders herzlich die Hand und meinte: „Der Mann hat's schon richtig gemeint.“

Lustiger Kooperator

Nachdem Pfarrer Daubenmerkel kurz darauf die Pfarrei Oberschneiding bei Straubing übernahm, musste Kaplan Adam zirka ein Jahr lang die vakante Pfarrei übernehmen. Er war als Kooperator als Mensch, der immer zu Späßen aufgelegt war, bekannt und beliebt. Einmal waren zwei Nichten der Pfarrhaushälterin zu Besuch. Nach dem Mittagessen wollten sie mit dem Zug nach Weiden fahren. Adam stellte heimlich nach dem Mittagessen alle Uhren des Pfarrhofes um eine Stunde vor, keine hatte er vergessen, nicht einmal die auf dem Kirchturm.

Voller Schreck stellte die Pfarrhaushälterin fest, dass alle beim Mittagessen sich verzögert hatten und es höchste Zeit war, zum Bahnhof zu laufen, um den Zug nach Weiden noch zu erreichen. In aller Eile und gehetzt, zogen sich die drei Frauen noch schön an und rannten zum Bahnhof. Dort angekommen, merkten sie an der Bahnhofsuhr, dass noch eine volle Stunde bis zur Ankunft des Zuges war.

Sie konnten es sich zunächst nicht erklären. Erst als sie vom Bahnsteig aus über die Pfarrpaint zum Pfarrhof schauten, sahen sie wie der Kaplan winkend dastand. Vor Lachen hielt er sich den Bauch und gestikulierte heftig zu den viel zu früh gekommenen Fahrgästen. Was ihn jedoch bei der Rückkehr der drei Damen aus Weiden erwartet hatte oder ob sie sich gerächt hatten, davon berichtet die Pfarrchronik nichts.

Weltweite Bekanntheit

Karl Borromäus Adam, der zwei Jahre eine Kaplanstelle in Altenstadt inne hatte, kam am 22. Oktober 1876 in Pursruck bei Freudenberg. als eines von elf Kindern des Lehrersehepaars Clemens und Babette Adam zur Welt. Nach dem Abitur in Amberg und dem Studium der Theologie in Regensburg empfing er im Juni 1900 von Bischof Senestry die Priesterweihe. Danach war er vor Altenstadt in Riekofen als Kaplan seelsorgerisch tätig. Ab 1902 studierte an der Uni München weiter und promovierte 1904.

In den folgenden Jahren befasste er sich mit theologischen Studien zur Geschichte der Dogmen, die Habilitation folgte 1908. Noch in diesem Jahr unterrichtete er Religionslehre an einem Gymnasium in München. Zusätzlich gab er den Söhnen des bayerischen Kronprinzen Rupprecht von Bayern Privatunterricht. Von 1912 bis 1917 war er Religionslehrer am bayerischen Kadettencorps in München.

1915 wurde Adam Professor für Theologie in München, 1917 übernahm er den Lehrstuhl Moraltheologe in Straßburg, zwei Jahre später wechselte er an die Uni Tübingen auf den Lehrstuhl für Dogmatik. Weltweit wurde Adam 1924 in katholischen Kreise bekannt durch die Veröffentlichung seines Buches das „Wesen des Katholizismus“. Das Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt.

Hintergrund:

Hochumstrittener Theologe

  • Karl Adam gehörte im Dritten Reich zu den prominentesten katholischen Theologen, die sich für eine Vereinbarkeit von Katholizismus und Nationalsozialismus aussprachen.
  • 1933 Eintritt in die NSDAP. Unterstützer von rassenideologischen und antisemitischen Grundpositionen. Damit war sein Lehrstuhl in Tübingen gesichert.
  • Entnazifizierung unter französischer Besatzung. Bischof Graber aus Regensburg bezeichnete Adam 1976 noch als „Wegbereiter des zweiten Vatikanischen Konzils“.
  • Die Stadt Tübingen benannte 1966 eine Straße nach ihm, auch ein Studentenheim in Stuttgart trug den Namen Karl Adam. Beide wurden wegen seiner Nazi-Vergangenheit 2010/11 umbenannt.

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