31.01.2019 - 11:24 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Museum für das "Wir-Gefühl"

Von der Urzeit bis zur Glasindustrie: Das Museum der Gemeinde Altenstadt/WN will ein Ort des Forschens, Sammelns und der Begegnung sein.

1920 kaufte die politische Gemeinde Altenstadt/WN das alte Schulhaus von der katholischen Kirchenstiftung und richtete darin eine Gemeindekanzlei ein.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Der Heimatverein Altenstadt/WN lädt zum Besuch des Ortsmuseums am alten Pfarrplatz ein. Von November 2018 bis Anfang Januar 2019 war das Museum geschlossen. Der Grund: Sanierungsarbeiten am Pfarrplatz. Sie sind nun abgeschlossen. Eröffnet wurde das Museum 2014. Trägerin ist die Gemeinde Altenstadt. Sie hat für die Gestaltung vorgegeben: "Das Museum soll zeigen, wer wir sind und woher wir kommen."

Auch das Gebäude, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist, ist eine Perle: In der Liste der Baudenkmäler des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München ist es als schützenswertes Objekt aufgelistet: "Haus am Pfarrplatz 50 (alte Nummerierung), als altes Mesnerhaus, zweigeschossig mit Walmdach, Ende 18. Jahrhundert."

Nachweislich war hier eine Schule und eine Wohnung für den Lehrer, der auch das Amt des Mesners und des Totengräbers ausübte. 1920 kaufte die politische Gemeinde Altenstadt/WN das alte Schulhaus von der katholischen Kirchenstiftung und richtete darin eine Gemeindekanzlei ein.

Böhmisches Gewölbe

In drei große Funktionsbereiche teilte Dr. Josef Paukner aus Regensburg, der für die Entwicklung des Museums engagiert wurde, das Haus ein. In dem total entkernten Gebäude wurden im Unter- und Obergeschoss Dauerausstellungen eingerichtet. Der Anbau mit böhmischem Gewölbe wird genutzt für Wechselausstellungen, Vorträge im kleineren Rahmen und Versammlungen.

Im Ober- und Dachgeschoss gibt es zusätzlich Verwaltungs- und Archivräume. Der Heimatverein hatte über viele Jahre hinweg die Geschichte der Gemeinde dokumentiert und Objekte gesammelt, die für die Entwicklung des Ortes bedeutsam waren. Ein kleines Vorgängermuseum bestand im alten Forsthaus an der Hauptstraße.

Stolz war man bei der Eröffnung des Heimatmuseums vor fünf Jahren. Bezirksheimatpfleger Dr. Thomas Appl aus Regensburg schwärmte: "Ein wunderbares Ergebnis. Es reiht sich ein in die Perlen der vorhandenen Museen der Oberpfalz." Das Museum beschäftigt sich mit der Ur- und Frühgeschichte der Gemeinde über die Entwicklung im Mittelalter bis in die Zeit des 21. Jahrhundert. Eingebunden sind die alte Pfarrkirche mit den Epitaphen, die Schulgeschichte, das Leben der Gemeinde und den Ortsteilen Buch, Meerbodenreuth, Sauerlohe, Süßenlohe und Kotzau.

Die Räumlichkeiten zeigen beeindruckende Schautafeln und glitzernde Objekte der einstigen Glasfabriken des Ortes. Bewunderung erzielt das Modell des Ortes mit der Häuserchronik und all ihren Daten nach Vorgabe des Altenstädters Helmut Reis. Wo die Trompete des "Altenstädter Gauners", ein weithin bekanntes Original, auftauchte, ist ein Geheimnis des Ortsheimatpflegers Jörg Krämer. Neugierig betrachten und hören Besucher an Touchscreen-Monitoren die vielfältigen Bilder oder Geschichten aus der Ortsgeschichte.

Menschen des Dorfes

Dr. Josef Paukner zeigte sich bei der Eröffnung "froh, aber auch stolz, an der Entwicklung mitwirken zu dürfen". In seiner 30-jährigen Arbeit sei das Museum Altenstadt/WN für ihn "etwas ganz Besonderes". In der Mitte des Ortes stehend, hätten sich viele Menschen hier eingebracht. Es sei ein solides Konzept, getragen von den Menschen des Dorfes.

Das Museum bringt den unwiderruflichen Beweis, dass die Oberpfalz, wie in vielen Büchern beschrieben, "kein menschenleeres Land war", sondern im Gegenteil bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. Bei den Recherchen stellte sich heraus: "Neun von zehn Altenstädtern haben einen Migrationshintergrund", so Paukner. Der Ort wuchs in den vergangenen 200 Jahren von 500 auf 5000 Einwohner an.

Das Museum vermittelt einen Überblick der 1000-jährigen Geschichte des Ortes und der Entwicklung des Ortes. Altenstadt war im Hochmittelalter ein relativ großes Bauerndorf mit einer festen Kirche an der Goldenen Straße von Prag nach Nürnberg. Als Ort des Geleitwechsels im Salbuch Karl IV. erwähnt, hatte das Dorf eine überörtliche Bedeutung. Mit dem Aufstieg des nahe gelegenen Neustadts sank die wirtschaftliche Bedeutung Altenstadts. Lediglich der Pfarrsitz bestand bis 1929.

Glasindustrie

Mit dem Bau der Eisenbahn und der Ansiedlung von Glasfabriken wuchs der Ort und vervielfachte seine Einwohnerzahlen. Ein weiterer Schub kam durch die Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg. Einen wichtigen Stellenwert im Museumskonzept hat die neuere Geschichte des Ortes über die Zeit nach 1945 bis zum Ende der Glasindustrie. Durch Veranstaltungen und Wechselausstellungen ist das Museum seit der Eröffnung zu einer Anlaufstelle für Begegnungen und Informationen geworden und leistet somit einen Beitrag für ein größeres "Wir-Gefühl" im Ort.

Das Museum der Gemeinde Altenstadt versteht sich in erster Linie als Heimatmuseum. Weil aber Altenstadt stets ein Dorf an alten Straßen war, das Reisende willkommen hieß, ist die Geschichte des Dorfes eng mit der der Straßen verknüpft. Alte Verbindungen zwischen Böhmen und der Oberpfalz gilt es zu entdecken und aufzuzeigen.

Hier ist übrigens auch die Bevölkerung gefragt. Wer von alten Beziehungen zwischen Böhmen und der Oberpfalz weiß (oder wissen möchte), besucht die Internetseite oder spricht die Menschen an, die im Museum Aufsicht führen. Das Museum der Gemeinde Altenstadt will nicht nur geschichtliches Wissen vermitteln, sondern als Ort des Forschens und Sammelns auch ein Ort der Begegnung sein. Der Anbau mit böhmischen Gewölbe wird das Jahr über auch gerne als Raum für standesamtliche Hochzeiten genutzt.

Der Besuch des Museums kann verbunden werden mit zwei fußläufig erreichbaren Zielen. Das ist zum einen die alte barockisierte Pfarrkirche Maria Himmelfahrt mit romanischen Elementen. Gruppenführungen können im Museum angemeldet werden. Zum anderen die "Goldene Gasse ("Zlata stezka")" zwischen der Grundschule und dem Kindergarten, rund 80 Meter vom Museum entfernt. Hier wird die Goldene Gasse, die Landbrücke Karl IV. von Luxemburg über Nürnberg-Prag bis Breslau und das Gebiet des ehemaligen "Neuböhmens" visualisiert. Der Besucher kann so in 20 bis 30 Minuten von Prag nach Nürnberg wandern.

Museums-Info:

Adresse: Pfarrplatz 12 in 92665 Altenstadt

Öffnungszeiten: Sonntag von 14 bis 16 Uhr, Mittwoch von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Allgemeine Anfragen und Sonderführungen per E-Mail an info[at]heimatverein-altenstadt[dot]de oder Telefon 09602/4713.

Ansprechpartner: Alfons Barth (Telefon 09602/4713), Vorsitzender des Heimatvereins, sowie Jörg Krämer (Telefon 09602/4226), Ortsheimatpfleger.

Internet:

www.heimatverein-altenstadt.de

www.goldene-strasse.de

www.gemeinde-altenstadt.de

Auch das Gebäude, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist, ist eine Perle: In der Liste der Baudenkmäler des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München ist es als schützenswertes Objekt aufgelistet.
Viele alte Alltagsgeräte sind im Heimatmuseum zu sehen.
Auch altes Handwerk hat seinen Platz im Heimatmuseum in Altenstadt/WN. Zu sehen ist hier Glaser-Werkzeug.
In dem Gebäude war einst nachweislich eine Dorfschule untergebracht.
Gruppenführungen für die alte barockisierte Pfarrkirche Maria Himmelfahrt mit romanischen Elementen können im Museum angemeldet werden.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.