26.11.2018 - 16:06 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

"Nervige Auflagen" für Landwirte

Die Themen Land-, Milch- und Teichwirtschaft bewegen. Das zeigt das rege Interesse am Diskussionsabend, zu dem Landtagsabgeordnete Annette Karl eingeladen hat. Nicht nur "sinnvolle Politik vor Ort" wird heiß diskutiert.

MdL Annette Karl eröffnet den Diskussionsabend.
von FSBProfil

Karl, die auch Sprecherin für den ländlichen Raum ist, erfüllte mit der Einladung ein Versprechen, dass sie den Bürgern noch vor der Landtagswahl gab. Doch nicht nur kommunalpolitisch könnten Probleme, die in der Land-, Milch- und Teichwirtschaft vorherrschen, bewältigt werden. Die Weichen für eine ökomenisch-sinnvolle Politik müssten auf Europa-Ebene gestellt werden. Dieser Aufgabe nahm sich Ismail Ertug, Mitglied des Europäischen Parlaments, als Hauptredner des Abends an. So weit es in ihrer Macht stehe, wolle die SPD im Landtag Wege erarbeiten, um die Landwirtschaft zu stärken.

Josef Fütterer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, ging auf die existenzgefährdenden Ernteausfälle wegen der diesjährigen Trockenheit ein, wobei staatliche Hilfe nur über das Gröbste hinweghelfe. Die Landwirte würden nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch Energie durch Biogas produzieren und wollten eine Anerkennung ihrer Arbeit, doch die Gewinne könnten damit nicht mithalten.

Gute Ideen gefragt

Er appellierte an die Politik, keine Auflagen, sondern gute Ideen zu entwickeln. Auch Werner Reinl, Kreisteamleiter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, sprach davon, dass die vielen "Auflagen und Verordnungen nerven". Im Milchpreis schlittere man von Krise zu Krise. Die Politik sei gescheitert. Überproduktion und Einlagerung würden Millionen Euro Steuergelder kosten. Die Resignation auf den Höfen werde immer größer. In einer Molkerei sei der Hauptkostenfaktor der Rohstoff Milch. Um den Milchpreis niedrig zu halten, wollen die Molkereien große Mengen auf den Markt bringen.

Preise seit 40 Jahren gleich

Über die Teichwirtschaft referierte Hans Klupp von der ARGE Fische im Landkreis Tirschenreuth. Teichwirte vollbrächten große Leistungen in der Lebensmittelerzeugung und im Bereich Biodiversität. Weit über 90 Prozent der bayerischen Karpfenteichwirte üben die Fischzucht im Neben- und Zuerwerb aus. Seit 40 Jahren seien die Karpfenpreise unverändert. "Unsere Kleinstruktur ist ein Unikum." Ein einziger großer Betrieb in Tschechien produziere die gleiche Menge wie die gesamte Oberpfalz. Bei den Klein- und Kleinstbetrieben sei auch die belastende Bürokratie ein Hauptproblem neben Otter, Biber und Kormoran.

Ertug zeigte in seinem Vortrag neue Entwicklungen in der EU in den drei Bereichen auf, wollte aber gleichzeitig ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der anwesenden Land-, Milch- und Teichwirte haben. Da die Landwirtschaft im EU-Raum unterschiedlich strukturiert ist, sei es schwierig, Ziele und Wünsche durchzubringen. Probleme seien dabei nicht die Partei-, sondern die Nationengrenzen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU beruhe auf den zwei Säulen Marktordnungen und Landentwicklung. Den Erzeugern wird per Verordnung zu nahezu jedem Agrarprodukt ein Mindestpreis garantiert. Da dieser mehrfach in der Vergangenheit abgesenkt wurde, erhalten sie im Ausgleich Direktzahlungen, die weitgehend unabhängig von der Menge, sondern flächenbezogen gewährt werden. I

In der zweiten Säule Landentwicklung gehe es um Programme zur Förderung und Verbesserung der Lebensverhältnisse im ländlichen Raum. Für den Zeitraum 2021 bis 2027 sei eine Zusammenfügung der Säulen geplant. Dabei seien Kürzungen der Mittel und Umverteilungen zu befürchten. 73 Prozent der Agrarhilfe werden derzeit nach Fläche vergeben, 80 Prozent gehen an nur ein Fünftel der Betriebe. Das Höfesterben bei kleinen Betrieben nehme nicht ab. In der anschließenden Diskussion ging es um Biolandwirtschaft, das Für und Wider von Glyphosat sowie die Eiweißproduktion und den Zukauf von Sojaschrot.

MdEP Ismail Ertug bei seinem Referat.

Rege Diskussionsrunde.

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