Altenstadt an der Waldnaab
10.10.2024 - 16:05 Uhr
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Trauer um einen "herzensguten Menschen": Tod von Wirt Jürgen Füssl macht viele fassungslos

Wer ihn kannte, ist völlig geschockt. Jürgen Füssl, der langjährige Pächter der Sportgaststätte "D'Wirtschaft" in Altenstadt/WN, starb am Mittwoch plötzlich und unerwartet. Ein Nachruf auf einen Wirt mit Leib und Seele.

Jürgen Füssl war bekannt wie ein bunter Hund. Und das im absolut positivsten Sinne. Was er anpackte, hatte Hand und Fuß. Er war ein Macher, ging auf die Menschen zu, war immer freundlich, lebenslustig und sehr gesellig. Die Nachricht vom Tod des 48-jährigen Gastronomen, der seit vielen Jahren "D'Wirtschaft" in Altenstadt/WN betrieb, macht deshalb viele fassungslos. "Ganz Altenstadt ist in Schockstarre", sagte einer, der ihn gut kannte.

Am Mittwoch starb Füssl plötzlich und unerwartet. Auf sämtlichen Social-Media-Kanälen überschlagen sich seitdem die Beileidsbekundungen. "Wir verlieren einen echten bayerischen Wirt ...", "Wieder ein aufrichtiger und herzensguter Mensch, der uns verlassen hat ...", "Was für ein toller und empathischer Gastronom ...", heißt es unter anderem in den Kommentaren auf Facebook und Instragram.

In Füssls Gaststätte trafen sich viele Vereine zu ihren Versammlungen, auch die Mitglieder des SV Altenstadt schauten nach dem Training oder ihren Spielen gerne vorbei. "Er ist immer an den Tisch gekommen und hat mit uns geplaudert, wenn wir uns zur Spielersitzung getroffen haben", erzählt einer der Tennisspieler des Ü65-Teams.

Für alle ein offenes Ohr

Auch Karl Arnold, langjähriger Fußballabteilungsleiter des SV Altenstadt, kann es kaum fassen, dass Jürgen Füssl tot ist. "Diese Nachricht hat einige aus der Bahn geworfen", sagt er nachdenklich. "Jürgen war ein herzensguter Mensch, ein super Kerl, der uns immer unterstützt hat." Dem kann sich Manfred Arnold, der aktuelle Abteilungsleiter, nur anschließen. "Wir haben uns sehr gut gekannt, ich bin immer noch sprachlos." Arnold bezeichnet Füssl als einen der hilfsbereitesten und positivsten Menschen, die er gekannt hat. "Egal, wer zu ihm gekommen ist, er hatte für alle ein offenes Ohr."

2010 hatte sich Jürgen Füssl entschlossen, von München in seine Heimat zurückzukehren und das Sportheim des SV Altenstadt zu übernehmen. Schnell sprach sich herum, dass man in der "Wirtschaft" nicht nur gut essen konnte, sondern auch äußerst gastfreundlich empfangen wurde. Füssl konnte einfach mit allen – egal, welcher Altersklasse. Für die Kinder hatte er immer Lutscher parat.

Füssl, der zuvor in Schwabing die Kneipe "Namenlos" betrieben hatte, brachte eine Menge innovativer Ideen nach Altenstadt wie etwa das Maislabyrinth, das er dann viele Jahre lang zusammen mit einem befreundeten Landwirt in der Nähe des Lokals angepflanzt hat. Oder die "Schnitzelseilbahn", die das Essen von der Küche in den Biergarten transportierte, der eine Etage tiefer lag.

Jahre bei der Bundeswehr

Der gelernte Koch hatte nach seiner Ausbildung im Krankenhaus Neustadt/WN und im Steinwaldhaus bei der Bundeswehr angeheuert. Stationen waren Stetten, München, Ulm, Veitshöchheim und Regen. In einem Interview mit Oberpfalz-Medien vor ein paar Jahren erzählte er, dass er eigentlich Berufssoldat habe werden wollen. Doch nach einem Einsatz im Kosovo, wo er für die Verpflegung von 800 Soldaten verantwortlich war, habe er sich anders entschieden.

Im Anschluss an seine Bundeswehrzeit legte Füssl die Staatliche Prüfung zum Hotelbetriebswirt ab, bevor er als Koch in Cannes (Frankreich) und als Breakfast-Chef im Hilton in Wales (England) arbeitete. Erst dann machte er sich mit der Kneipe in München selbstständig.

Zwei Bücher geschrieben

Trotz der vielen Arbeit, die Füssl nie gescheut hat, fand er Zeit, zwei Bücher zu schreiben. Eines davon, ein Kinderkochbuch, verfasste er zusammen mit Willi Weitzel, bekannt aus der Kindersendung "Willi will's wissen". Das andere, eine Biografie mit dem Titel "Mein Buch von Jürgen F. aus A.", in dem er seine Zeit bei der Bundeswehr kritisch betrachtet, entstand 2021. Regelmäßig postete er auf seinem Instagram-Account Videos, in denen er von sich und seiner Arbeit erzählte. Erst am Dienstag zeigte er eine Hirschkeule: "Ab morgen gibt's Hirschgulasch", teilte er mit. "Ein Teil wird eingefroren für Weihnachten für Wurstspezialitäten."

Im Sommer 2024 feierte er mit vielen Freunden und Bekannten ausgelassen seine Hochzeit mit Nadine Frisch, die er 2020 kennengelernt hatte. Füssl war außerdem leidenschaftlicher Jäger und versuchte so oft wie möglich seinem Hobby, dem Fliegen, nachzugehen.

Von 2014 bis 2020 saß Füssl außerdem im Gemeinderat Altenstadt/WN und war in dieser Zeit als Feuerwehrbeauftragter tätig. "Wir sind nach den Sitzungen oft noch in ,D'Wirtschaft' gegangen", sagt Bürgermeister Ernst Schicketanz. Auch ihm fällt es hörbar schwer, die Nachricht von Füssls Tod zu verdauen. "Wir kannten uns seit dem Kindergarten." Wie es mit der Gaststätte weitergehen soll, kann auch er nicht sagen.

Altenstadt an der Waldnaab09.10.2024
Hintergrund:

Ideen und Innovationen rund um "D'Wirtschaft"

  • Das Maislabyrinth, das acht Jahre lange Kinder und Erwachsene begeisterte
  • Eine "Schnitzelseilbahn", die das Essen von der Küche in den Biergarten transportierte
  • Kochkurs "Papa, mir schmeckt's nicht" in Zusammenarbeit mit der Vhs
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