11.12.2018 - 16:31 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Verkehrsknotenpunkt

Seit elf Jahren gibt es den neuen Bahn-Halt in Altenstadt/WN - ein Geheimtipp auch für Reisende aus Weiden.

Stolz war man schon vor 150 Jahren auf die Bahn.

(cr) "Bahnhof Neustadt (Waldnaab)" stand rund 142 Jahre in großen Lettern am ehemaligen Bahnhofsgebäude, das eigentlich auf Altenstädter Grund steht. Es war der 15. August 1865 als die erste Lokomotive nach Wöllershof fuhr. Das Gebäude wurde 1906 vergrößert und ist heute angeblich an Privat verkauft.

Grund für die Auflösung war ein neuer Standort für einen Bahnhalt, der näher an den Ort rückte und damit besser erreichbar ist. Seit der Fahrplanänderung am 9. Dezember 2007 vor elf Jahren können Altenstädter und Neustädter ohne umzusteigen mit dem Pendolino im Stundentakt nach Nürnberg reisen. Während anderswo Bahnhöfe schließen und Strecken stillgelegt werden, investierte die Bahn an beiden Standorten rund acht Millionen Euro. Zu verdanken ist dieses Projekt dem ehemaligen Landrat des Landkreises Neustadt/WN, Simon Wittmann.

Dabei wird seitdem auch die Hauptstrecke von Regensburg nach Hof mit vier zusätzlichen Zügen am Tag besser bedient. Die halten am neuen Standort Altenstadt/WN und bieten eine Verbindung München und Gera in Thüringen mit Umsteigemöglichkeit nach Leipzig und Berlin an. Die Voraussetzungen schuf die Gemeinde Altenstadt/WN mit dem Kauf von rund 5400 Quadratmetern Grund östlich der Bahnlinie bis zur Drechselstraße. Die 1,5-fache Menge, also 8160 Quadratmeter, musste als Ausgleichsfläche zur Verfügung gestellt werden. Sie liegt am ehemaligen Tennisplatz der Firma Hofbauer und an der Dürrschweinenaab in Richtung Ortsteil Buch.

Der Bebauungsplan für das Projekt wurde öffentlich ausgelegt, vom damaligen Gemeinderat gebilligt. Erstellt wurde zudem ein "Park & Ride"-System, bezuschusst durch die Regierung der Oberpfalz mit 24 kostenfreien Kfz-Stellplätzen, Unterstellmöglichkeiten für Reisende und deren Räder. Hinzu kamen zwei Fahrkartenautomaten. Für Busse, die den Standort anfahren, entstand eine Kehre.

Im Gegensatz zu Neustadt/WN mit seiner Endstation bekam Altenstadt/WN zwei Bahnsteige. Aus diesem Grunde wurde der westliche Teil, ein Gelände mit einer Größe von rund 22 600 Quadratmetern zwischen Ernst-Kraus-Straße und der Bahn erworben. Hier soll ein weiterer Zugang barrierefrei zu den Gleisen entstehen. Nicht ganz so teuer, wie für die Bahn, kam das Gesamtengagement der Kommune: Für das östliche Grundstück mussten inklusive Ausgleichsflächen 270 000 Euro berappt werden. Der westliche Bereich kam auf 1,1 Millionen Euro. In den Jahren davor machte der Grundbesitzer, die ehemaligen Firma Hofbauer, das Gelände für 840 000 Mark altlastenfrei. Ein Teil des Geldes floss ins Gemeindesäckel zurück. Schon damals war geplant, dass hinter einer Lärmschutzwand oder einem Wall dringend erforderliche Baugrundstücke für Häuser entstehen. Diese Idee ist mittlerweile fast zu 100 Prozent umgesetzt worden.

Mit dieser Maßnahme wollte die Gemeinde die Verbesserung der Infrastruktur Altenstadts als Verkehrsknotenpunkt in der Mitte des Landkreises weiter steigern. Vorzuweisen sind inzwischen Autobahnanschluss, die Bundesstraßen 22 und 15, die Bahn mit attraktiven Ausrichtungen von Nord nach Süd und die zukünftige Anbindung nach Westen zur Metropolregion Nürnberg. Kostenlose Parkplätze ersparen dem Bürger die Fahrt auf die gebührenpflichtigen Plätze am Bahnhof Weiden.

Nicht uninteressant sei der Bahnstopp, so der damalige Bürgermeister Georg Heigl, für die Bewohner des nahen Hammerweges im benachbarten Weiden. Die neue Haltstelle läge für Radfahrer oder Fußgänger näher, als der Weidener Bahnhof. Zudem sah er mit dem Eisenbahnhaltepunkt und den Umbau der Parksteiner Straße eine weitere Entlastung der Verkehrssituation in der Gemeinde. So sollte "durch eine Addition von vielen Bausteinen, der Weg für eine langfristigen Verkehrsberuhigung in Altenstadt umgesetzt werden", so Heigl.

Am Tag, als der erste Zug kam:

Es ist 9.45 Uhr am 9. Dezember 2007. Noch steht ein kleines Häuflein Menschen fröstelnd am westlichen Bahnsteig, der „neuen Halte“ in Altenstadt/WN. Um 10.10 Uhr naht der erste Pendolino von Neustadt/WN her. Die Ehrengäste steigen aus, an der Spitze der damalige Landrat Simon Wittmann. An seiner Seite sein Stellvertreter Ludwig Beyer und weitere Mitarbeiter des Landratsamtes. Die Neustädter sind nicht mitgekommen.

Auf dem Pendolino prangt das Wappen der Stadt Hersbruck. „Hier wird die alte Verbindung der Goldenen Straße wach“, so Landrat Simon Wittmann. „Wir sollten dem Zug diesen Namen geben“, meint er und setzt sich dafür ein. Diese Idee wird nicht aufgegriffen.

Landrat Wittmann spricht von „stolzen Altenstädtern“ und erinnert daran, wie sein Vorschlag der Bahn-Umgestaltung vor zehn Jahren mit einem „höflich-skeptischen Lächeln“ von der Bahn aufgenommen wurde. Dann treffen Bürgermeister Georg Heigl, seine Verwaltungsleute, Bürgermeister und Gemeinderäte am Bahnsteig ein.

Wieder kommt ein Zug – rund 15 Minuten sind vergangen – diesmal aus Richtung Weiden. Ein kurzer Halt. Stehen die Ehrengäste auf der falschen Seite? Nein. Im Zug herrscht gähnende Leere. Der erwartete Zug kommt auf der Hauptstrecke Gera–Hof–Regensburg. 10.30 Uhr. Der Bahnsteig hat sich gefüllt, über 80 Personen wollen sich den Moment nicht entgehen lassen. Ein Raunen geht durch die Reihen, der modern ausgestattete Arriva-Länderexpress rauscht vorbei. Bahnpolizei und Sicherheitskräfte verweisen auf den Sicherheitsabstand. Halten wird der Länderexpress nur am Morgen um 6.36 Uhr und am Abend um 21.19 Uhr. Immerhin, ein Hauch der großen weiten Welt weht.

Die erwartete weiß-grüne Vogtlandbahn trifft ein. „Wird jemand aussteigen?“, bangt Bürgermeister Heigl mit einem großen Blumenstrauß in der Hand. Er will es sich nicht nehmen lassen, den ersten Fahrgast zu begrüßen. Der Zug ist gut besetzt, es steigen Leute aus. Große Augen macht Kunigunde Scharnagl aus Windischeschenbach, die einen Besuch im Krankenhaus Neustadt machen will. Damit hat sie nicht gerechnet. Blumen und Sekt am frühen Morgen.

Ähnlich ergeht es Julia von Podewills, die in Altenstadt einen Besuch machen will. Auch sie erhält, wie der dritte Reisende Fritz Schrembs aus Altenstadt, ein Begrüßungsgeschenk. Schon naht der nächste Zug, der Altenstädter Heinz Liewald staunt: „Hier ist ja mehr los als an einem Hauptbahnhof!“ (cr)

Am 9. Dezember 2007 trifft der erste Zug am neuen Halt in Altenstadt/WN ein.
Helmut Zöpfl (von links), Kunigunde Scharnagl (mit Blumen), dahinter Fritz Schrembs und Julia von Podewills sind die ersten Fahrgäste, die mit der Vogtlandbahn kommen und am neuen Bahnsteig ausstiegen. Dazwischen die drei Bürgermeister der Gemeinde: Georg Heigl, Dieter Giesa und Burhardt Hagemann.
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