08.02.2019 - 16:47 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Wand gegen die Gaffer

Sie funktioniert wie eine Hüpfburg. Gedacht ist sie jedoch nicht für Kinder, sondern gegen Gaffer. Die Feuerwehr Altenstadt hat sich die aufblasbare Wand angeschafft, als einer der ersten in Bayern. Sie ist bitter nötig.

21 Meter lang, 2 Meter hoch und leider nötig ist die Gafferwand der Feuerwehr Altenstadt.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Fragt man die Feuerwehrleute nach den Gründen für die Anschaffung, überschlagen sich die Stimmen. "Wir werden an unserer Arbeit gehindert, gestört und unterbrochen. Die Leute rücken uns auf die Pelle, bis sie fast neben uns stehen", erzählt Pressesprecher Joseph Lindner. Erfahren die Leute von einem Unfall im Ortsbereich, pilgerten sie regelrecht dahin. "Nur dass einer sagen kann: Ich war der erste." Lindner schüttelt den Kopf.

Nichts anderes bleibt auch dem Kommandanten Gottfried Amschl übrig, wenn er von Erfahrungen auf Autobahnen erzählt. "Die kommen auf der Überholspur angeprescht und bremsen plötzlich ab, schauen, filmen, es kommt zu Folgeunfällen." Klar habe es das alles schon vor 20 Jahren gegeben. "Aber seit es das Handy gibt, wird es immer schlimmer. Jetzt bleiben die Leute mitten auf der Straße stehen."

Die Feuerwehrler versuchen, sich in ihrem Einsatz nicht um die Schaulustigen zu kümmern. "Das übernimmt die Polizei, die greift mittlerweile Gottseidank auch härter durch", sagt Amschl. Um das Unfallgeschehen abzuschirmen, habe man früher Decken benutzt. Zuletzt nahm die Feuerwehr einen Bauzaun mit, wenn es zum Einsatz ging. "Der Aufbau dauert aber lang. Wir brauchen ja auch Betonfüße und ein eigenes Fahrzeug."

Durch ihre Nähe zu Autobahn und Bundesstraße 22 ist die Feuerwehr Altenstadt häufig bei größeren Unfällen im Einsatz und war immer mehr mit der Problematik konfrontiert. Die Wehrler hörten von der Gafferwand der Kollegen in Kehlheim aus den Medien. Im November 2018 besuchten die Kommandanten und der Pressesprecher die Kehlheimer und ließen sich das Gebilde vorführen. Bald darauf hatten sie selber eine.

Die aufblasbare Sichtschutzwand ist 21 Meter lang, 2 Meter hoch, sie kann bei jedem Wetter von zwei Personen aufgebaut werden. Das alles dauert weniger als 2 Minuten. "Die Gafferwand funktioniert eigentlich wie eine Hüpfburg", erklärt Lindner. Durch ein Gebläse strömt beständig Luft in das Gebilde. Werde sie eingedrückt, stelle sie sich einfach wieder auf. "Auch wenn ein Loch drin ist, steht die Wand weiter." Zudem könne man die Mittelteile entfernen, um durchzugehen. Das Beste: "Die Wand passt in jeden Kofferraum, sie wiegt 27 Kilo." Kein eigener Wagen ist mehr nötig, die Wand ist nun Teil der Ausstattung. "Sie ist nicht aufgeführt als offizielles Einsatzmittel", erklärt Amschl. "Aber die anderen Feuerwehren im Landkreis können uns anfordern, falls sie sie brauchen."

4300 Euro hat das Teil gekostet. "Komplett finanziert durch Altenstädter Firmen", betont zweiter Kommandant Markus Lindner. "Null Kostenaufwand für die Kommune." Im Einsatz war die Wand noch nicht. Aber die Wehrleute sind jetzt schon sicher: Ohne geht es nicht mehr. Und immer mehr Wehren werden sich den Sichtschutz gegen aufdringliche Schaulustige anschaffen. Vorführen müssen die Altenstädter ihre Gafferwand jetzt auf jeden Fall öfter. Aber das geht ja ganz schnell. Im Video führt die Wehr die Gafferwand vor:

Sie sind sicher, dass die Gafferwand immer mehr Wehren anschaffen werden. In Bayern ist die Feuerwehr Altenstadt einer der ersten: Kommandant Gottfried Amschl, Pressesprecher Joseph Lindner und zweiter Kommandant Markus Lindner (von links) besorgten den Sichtschutz.
Die Gafferwand der Feuerwehr Altenstadt
Die Gafferwand der Feuerwehr Altenstadt
Die Gafferwand der Feuerwehr Altenstadt
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