22.10.2020 - 16:02 Uhr
Altfalter bei SchwarzachOberpfalz

Herz des Dorfes: Schlossbauernhof in Altfalter vollendet

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Nach acht Jahren Bauzeit haben die Bewohner von Altfalter endlich ihr Dorfzentrum im Schlossbauernhof. Wegen der Coronapandemie muss die Einweihung verschoben werden, doch zu feiern gibt es ab Freitagabend trotzdem etwas.

Das neue Dorfzentrum ist fertig.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Vom renovierungsbedürftigen Schlossbauernhof in Altfalter bis hin zum neuen Zentrum für die Dorfgemeinschaft war es ein langer, steiniger Weg. Gespickt mit jeder Menge Hürden und besonders herben Rückschlägen: Im August 2016 starb Bürgermeister Alois Böhm, der das Projekt auf den Weg gebracht hat, nach schwerer Krankheit. In der Endphase der Sanierung im Juni 2020 starb Bürgermeister Hans Gradl unerwartet. Für beide sei die Sanierung des Schlossbauernhofs eine Herzensangelegenheit, eine Leidenschaft gewesen, sagt Bürgermeister Franz Grabinger. "Beide haben immer mit angepackt", erinnert er sich. Genauso wie die Dorfgemeinschaft, darunter zahlreiche ausgebildete Handwerker, die in ihrer Freizeit hochwertige Arbeit am Schlossbauernhof verrichtet haben. 7000 Arbeitsstunden - vermutlich waren es sogar noch mehr - seien so in Eigenleistung erbracht worden. Alles für das neue Herzstück des Ortes. Dort sollen - sobald es die Corona-Lage zulässt - nicht nur Ortsvereine ihren Platz für Veranstaltungen haben, sondern auch Events mit "regionaler und überregionaler Strahlkraft", wie Grabinger zitiert.

Hans Gradl stirbt plötzlich im Juni 2020

Schwarzach

Phase Eins: Der Stadl

Rückblick: Ende 2011 liegen erste Konzepte der "Leerstandsoffensive" der LAG "Brückenland Bayern-Böhmen" vor: Der Schlossbauernhof soll saniert und zum Dorfzentrum umgenutzt werden. Bürgermeister zu Beginn des Projekts ist Alois Böhm, sein Stellvertreter Franz Grabinger, der das Projekt letztendlich als Erster Bürgermeister abschließen wird. Von Anfang an ist klar, dass die Kommune auf Fördermittel angewiesen sein wird, vor allem aber auf die Mithilfe aus der Gemeinde. Nur mit einem hohen Anteil an Eigenleistung kann die Vision vom neuen Dorfmittelpunkt wahr werden. Gesamtkosten in Höhe von 880 000 Euro werden dafür veranschlagt. Die Gemeinde steht hinter dem Vorhaben: der Umbau wird im Juni 2012 mit einer Gegenstimme beschlossen. Im August 2012 wird der Bauantrag für die Sanierung des Stadls genehmigt. Zwei Monate später kommen die Bauarbeiten ins Rollen. Teilweise arbeiten bis zu 30 Helfer in ihrer Freizeit am Gebäude. Mit viel Schweiß, Muskelkraft, Mühe und Geduld ist der Stadl im August 2016 endlich fertiggestellt - die erste große Sanierungsphase ist damit geschafft. Stolz feiern die Altfalterer zum ersten Mal Bartholomäus-Kirchweih in ihrem neuen Dorfstadl. Es folgen viele weitere beliebte Veranstaltungen, wie der Adventsbasar.

Phase Zwei: Das Stallgebäude

Zeit zum Verschnaufen bleibt aber nicht lange, schließlich soll das alte Stallgebäude ein Ort der Zusammenkunft werden. Im Mai 2018 durchläuft der Bauantrag den Gemeinderat. Im Oktober werden dann die Aufträge mit einem Volumen von 483 000 Euro vergeben. Auch in der zweiten Sanierungsphase steht Eigenleistung hoch im Kurs. Am Ende der achtjährigen Bauzeit sind etwa 7000 Helferstunden auf der Uhr. 31 Firmen waren im Laufe der Zeit an der Sanierung beteiligt. Ende 2019, Anfang 2020 ist die Sanierung des Stallgebäudes abgeschlossen. Im letzten Bauabschnitt im Sommer 2020 ist die Außenanlage dran. Dort gibt es nicht nur die Möglichkeit zum Kirwa feiern, sondern auch einen Spielplatz. Die Coronapandemie hat die Fertigstellung nochmal "ein bisschen durcheinandergewirbelt", beschreibt es Grabinger. Geplant war im Außenbereich mehr Eigenleistung einzubringen. Aufgrund der Situation wurde aber viel an Firmen abgegeben. Auch diese Hürde haben die Altfalterer noch hinbekommen.

Belohnen können sie sich aktuell mit einer großen Einweihungsparty noch nicht. Doch die Dorfbevölkerung hat ja schon in der Bauphase Geduld und Durchhaltevermögen bewiesen. "Wir hoffen die Einweihung im Frühjahr 2021 nachholen zu können", sagt Grabinger vorsichtig. Auch für ihn ist das Ende der Sanierung emotional. Er war von Anfang an dabei, erst als Zweiter, dann als Interims- und schließlich als Erster Bürgermeister. "Dankbarkeit" sei, was er nun empfinde. "Und Freude das Projekt, das Alois Böhm und Hans Gradl mit so viel Leidenschaft begonnen haben, abschließen zu können." Einen Grund zum Feiern gibt es trotzdem schon am Freitagabend. Schon von Beginn an war klar, dass es eine Institution geben soll, die den Schlossbauernhof vertritt, Veranstaltungspläne koordiniert und ein Ansprechpartner für die Ortsvereine ist, die das Zentrum auch nutzen werden. Daher wird der Trägerverein, vermutlich unter dem Namen "Schlossbauernhof Altfalter e.V.", gegründet. "Das ist nochmal ein wichtiger Meilenstein", betont Bürgermeister Grabinger.

Alles rund um den Schlossbauernhof

Das Dorfgemeinschaftshaus war oft Thema im Gemeinderat

Schwarzach
Hintergrund:

Neun Jahre Projekt Schlossbauernhof

  • Ende 2011: erste Konzepte der "Leerstandsoffensive" der LAG "Brückenland Bayern Böhmen" für Projekt Schlossbauernhof
  • Juni/August 2012: Umbau wird beschlossen, Bauantrag für den Stadl wird unter Bürgermeister Alois Böhm verabschiedet
  • August 2016: Der Stadl fertig, die Dorfgemeinschaft feiert dort zum ersten Mal Kirwa; Die Gemeinde trauert um Bürgermeister Alois Böhm
  • Mai 2018: Bauantrag für die zweite Sanierungsphase wird gestellt
  • Oktober 2019: Gemeinderat stimmt Planungen für den Außenbereich zu
  • Anfang 2020: Stallgebäude abgeschlossen; Coronapandemie beginnt
  • Sommer 2020: die Außenanlagen werden fertiggestellt; Bürgermeister Hans Gradl stirbt
  • Oktober 2020: Verein "Schlossbauernhof Altfalter" wird gegründet
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