Viel Wind um den Hessenreuther Wald

Der CSU-Ortsverband Kastl hatte nach Altköslarn zum Bürgergespräch geladen. Der geplante Bau von mehreren Windrädern entfachte eine heftige Diskussion.

von C. & W. RupprechtProfil

Über 80 Personen sind der Einladung gefolgt. Diese kamen nicht nur aus dem Gemeindegebiet Kastl, sondern auch aus den umliegenden Orten, wie Guttenberg, Hessenreuth und Erbendorf. Es gab nur ein Gesprächsthema: den geplanten Bau mehrerer Windräder im Hessenreuther Wald.

Hans Walter, Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat des CSU-Ortsverbandes Kastl, begrüßte dazu mehrere Amtsträger und gab einen einführenden Überblick über die bisher bekannten Fakten. Er bezog Stellung, nicht gegen die Windräder im Allgemeinen, sondern gegen den Standort im Hessenreuther Wald. Seiner Meinung nach müsse hier vor Ort auch gelten, was im Umgriff von Oberbayern mit seinen Urlaubsgebieten gilt. Danach übergab er das Wort an Andreas Wöhrl, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Windkraftfreie Heimat - Hessenreuther Wald".

Immer wieder brachten besorgte Anwohner und betroffene Bürger ihre Sorgen in den Vortrag ein. Zahlreiche Ängste wurden genannt und mit Fakten aus Gesetzgebung und Fernsehen unterbaut. Doch auch Ärger wurde laut: bei den Bürgern, weil sie sich übergangen fühlten, und auch bei Bernhard Schmidt, dem Geschäftsführer der Genossenschaft NEW (Neue Energien West), weil interne Skizzen an die Öffentlichkeit gelangt seien. Vonseiten der Politik sprachen die Bürgermeister Werner Nickl (Kemnath) und Roland Grillmeier, Landratskandidat aus Mitterteich.

Über viele Punkte rund um die Windkraft allgemein und direkt zum möglichen Bau im Hessenreuther Wald wurde angeregt und sehr emotional diskutiert und argumentiert. Die Beteiligten schafften es jedoch, den höflichen Umgang zu bewahren. Planungsskizze:

Die besorgten Bürger warfen der Genossenschaft NEW vor, hinter dem Rücken der Bevölkerung zu agieren, nicht zu informieren und bereits einen Plan zu besitzen. Geschäftsführer Bernhard Schmidt berichtete von einer Verkettung von Umständen, die so nicht gewollt waren: Es handle sich nicht um einen fertigen Plan zur Beantragung der Baugenehmigung, sondern um eine Skizze des Areals, damit ein Gutachten zur artenschutzrechtlichen Prüfung ausgeführt werden konnte.

Anzahl und Größe der Windräder:

Seit 2012 werden am Hessenreuther Wald Windmessungen vorgenommen. Die Ergebnisse sind vielversprechend und laut Schmidt mit der Windgeschwindigkeit an der Nordsee vergleichbar. Am rentabelsten wären die großen Windräder mit 230 Metern Gesamthöhe (bei ausgestrecktem Flügel senkrecht nach oben), bestätigte Schmidt auf die Anfrage der Bürgerinitiative.

Laut deren Sprecher Andreas Wöhrl sei der Platzverbrauch für diese "Monsterräder" enorm. "Es sind 13 Windräder im Gespräch. Für den Bau eines Windrades müssen je nach Größe der Anlage zwischen 0,2 und 1,0 Hektar Wald gerodet werden. Das wäre eine Fläche von 32 Fußballfeldern. Für die Zufahrtswege und die Leitungstrassen muss noch mehr gerodet werden." Schmidt widersprach den genannten Bauplatzgrößen. Er beteuerte, dass 400 Quadratmeter pro Windrad ausreichend wären.

Artenschutz:

Im genannten Gebiet sind der seltene Schwarzstorch, der Wespenbussard und der Rotmilan heimisch. In Gebieten mit diesen seltenen Tierarten dürfen solche Großprojekte nicht gebaut werden. Herbert Tretter, der als Jäger den Hessenreuther Wald sehr gut kennt, bestätigte das Vorhandensein zahlreicher schützenswerter Tierarten beziehungsweise Vögel. Er berichtete, dass er dem Gutachter helfend zur Seite stand und ihm die Vögel zeigte.

Einige am Erkundungsgang beteiligte Personen hätten sich den Gutachter interessierter gewünscht. Schmidt bestätigte die Sichtung der genannten Vögel und warf beruhigend ein, dass darauf Rücksicht genommen werde und er schon jetzt sagen könne, dass es weniger als 13 Windräder werden würden, wenn es denn zum Bau käme. Eine genaue Anzahl nannte er jedoch nicht.

Bodenverdichtung und Wasserhaushalt:

Die Fundamente der Anlagen wären Flächenfundamente von nur vier Metern Tiefe. Anwohner warfen ein, dass diese dann mit tieferen Punktfundamenten am Rand der Betonplatte ergänzt werden würden, "die in den Boden gerammt würden". Wöhrl warnte davor, dass durch diesen massiven Eingriff die Quellen im Hessenreuther Wald versiegen könnten, die Trinkwasserqualität haben und die Orte Stocklohe, Hessenreuth und Tyrol versorgen. "In Zeiten der langen Hitze- und Trockenperioden ist es undenkbar, diese Quellen und Grundwasserspeicher zu gefährden." Infraschall und Gesundheitsgefährdung

Der Infraschall ist für das menschliche Ohr nur unbewusst wahrnehmbar. Er wird aber weit getragen, bei Nebel sogar 20 Kilometer weit. Inwieweit er sich negativ auf die Gesundheit auswirkt, ist medizinisch noch nicht gesichert belegt. Die Belastungen durch Infraschall, Motorengeräusche, elektromagnetische Strahlung, Geräusche der Flügel und Schlagschatten sprachen besorgte Bürger immer wieder an. Es wurden auch Daten aus der Flugmedizin der Luftwaffe angeführt und deren Auswirkungen auf Atmung und Herzleistung. Wertminderung der Grundstücke

Wöhrl befürchtet das Sinken der Immobilienpreise um 50 bis 70 Prozent. Eine Eppendorferin berichtete von tatsächlich erfolgten 30 Prozent Wertminderung in anderen Gebieten mit Windrädern und stellte die Frage, wer den Verlust ersetzen wird.

Verlust des Naherholungs- und Urlaubsgebietes Hessenreuther Wald:

Wegen der Gefahr von Eiswurf im Winter könnte das Gebiet nicht mehr betreten werden. Das nehme der Bevölkerung ein Naherholungsgebiet und schädige die Urlaubsregion und die damit verbundenen Arbeitsplätze. Schmidt versuchte zu beruhigen: Die Anlagen seien mit Schwingungs- und Temperatursensoren ausgestattet, die Vereisung anzeigen. Mit Platzheizungen werde dem Eis entgegengewirkt. Notfalls werde die Anlage abgeschaltet.

Effizienz der Anlagen:

Schmidt erklärte, dass sich der Standort ähnlich gut eigne wie die Standorte an der Nordsee. Die großen Anlagen könnten den Wind besser nutzen. Hessenreuther Bürger gaben zu bedenken, dass die Anlagen dann aber nur ein halbes Jahr liefen, wenn wegen den langen Perioden mit winterlichen Temperaturen wegen Eiswurfgefahr die Anlagen abgeschaltet werden müssten. Wie kann den geplanten Windkraftanlagen entgegengewirkt werden?

Bürgermeister Werner Nickl konnte die Bürger ein wenig beruhigen. Bislang sei noch kein Bauantrag gestellt worden. Erst dann könne die Politik reagieren. Mit Roland Grillmeier erläuterte er das Verfahren eines Flächennutzungsplanes: So konnten im Raum Mitterteich die Planungen gestoppt werden.

Dabei erstellen am besten mehrere Kommunen gemeinsam einen Plan mit Vorschlägen für Windkraftanlagen im kommunalen Gebiet in Absprache mit den Bürgern. Durch die 10-H-Regelung sei diese Möglichkeit allerdings meist hinfällig. Allerdings berücksichtige die 10-H-Regelung kleine Dörfer und Weiler nicht. Auch sollte mit den Privatwaldbesitzern gesprochen werden.

Ausstieg aus der Atomenergie und Klimawandel:

Ludwig Kugler und seine Tochter gaben zu bedenken, wie der Ausstieg aus der Atomenergie dann zu bewältigen sei, wenn jeder sagt "Windkraft ja, aber bitte nicht bei uns!" Sie warnten eindringlich davor, dass das Klima mit den Wetterextremen zum eiligen Handeln drängt. Dominik Kugler betonte, dass ein durchschnittliches Windrad wesentlich mehr CO2 einspare als ein Hektar Wald. Wöhrl fragte Bürgermeisterkandidat Dominik Kugler direkt, ob er für die Windräder sei. Kugler wollte seine Gedanken erklären, wurde jedoch zu einer kurzen Antwort gedrängt und beantwortete sie mit "Ja".

Wöhrl stellte am Ende noch einmal deutlich dar, dass die Bürgerinitiative nicht gegen Windkraft sei und den Atomausstieg befürworte. Doch der geplante Standort sei nicht der richtige, der Hessenreuther Wald dürfe nicht zerstückelt werden. In Europa gebe es genügend Standorte. Laut der Forschung von Peter Enevoldfen stehen 4,9 Quadratkilometer zur Verfügung. Wälder als grüne Lungen und der Wasserhaushalt müssten geschützt werden.

Info:

Dörfer zukunftsfähig machen

Hans Walter dankte den Anwesenden für die geordnete Diskussion. Viele Anwesende hätten sich noch gerne in die Diskussion eingebracht. Er dankte Schmidt für die Gesprächsbereitschaft und übergab das Wort an Christa Vogl, die mit ihren Ausführungen dafür warb, die Dörfer zukunftsfähig zu machen, Tiere wieder einzuladen und auch einmal Verzicht beim Konsum zu üben, bei sich selbst anzufangen etwas zu ändern.

Auch nach dem offiziellen Ende war Schmidt bemüht, die Gemüter zu beruhigen und war für weitere Gespräche bereit. Die Teilnehmer diskutierten noch lange weiter.

Aktuell und Wissenswert

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