Amberg
21.02.2019 - 13:21 Uhr

1000 Kilometer völlig umsonst

Wo ist Amberg? Der Mann aus Lemgo muss erst nachschauen, ehe er sich auf die weite Reise begibt, um seiner staatsbürgerlichen Pflicht zu genügen. Einen Tag her, am anderen zurück. Völlig umsonst. Das Gericht braucht ihn als Zeugen nicht.

Symbolbild Bild: dpa
Symbolbild

Alles wegen 66 Euro. Von seiner Wohnung in einem Amberger Vorort aus hatte ein heute 28-Jähriger über das Internet eine Playstation versteigert. Der Zuschlag ging nach Lemgo im Osten Nordrhein-Westfalens. Der Käufer freute sich über das Schnäppchen, überwies den Betrag und wartete anschließend vergebens. Wieder eine dieser plumpen Betrügereien, die täglich deutsche Gerichte beschäftigen.

Der 66-Euro-Preller war anschließend rasch ausgemacht. Man kannte ihn bei der Justiz bereits und schrieb eine Anklage. Vor einer Amtsrichterin leugnete der Mann im vergangenen Jahr intensiv. Doch eigentlich war schon damals alles klar. Ohne Geständnis setzte es folglich vier Monate zum Absitzen.

Nun kam es zu einer Neuauflage der Verhandlung beim Landgericht. Den Berufungsprozess vor der 3. Strafkammer führte Richter Peter Hollweck und er sinnierte laut: "Wir könnten über Bewährung nachdenken. Aber dazu ist ein Geständnis notwendig." Der mit Fußfesseln aus einer gegenwärtig wegen diverser Diebstähle verbüßten Haft vorgeführte Angeklagte machte längere Ausführungen und räumte ein, dass er nach mehreren Monaten hinter Gittern "restlos bedient" sei.

Im März könnte der Mann frühzeitig entlassen werden und in seine Heimatstadt Schwandorf zurückkehren. Noch einmal einrücken wollte er keinesfalls. So gab es ein Geständnis. Konkret diesmal: "Ein fingierter Verkauf aus Geldnot". Draußen wartete unterdessen der als Zeuge geladene Playstation-Käufer aus Lemgo. Der Fahrplan hatte ihn gezwungen, in Nürnberg gar noch eine Zwischenübernachtung einzulegen.

Nun also galt es für den Mann, die Dinge zu schildern. Doch das hatte sich ohne sein Wissen bereits erledigt. "Manchmal ist es so, dass wir einen Zeugen nicht mehr brauchen", informierte ihn Richter Hollweck mit dem Unterton des Bedauerns. Da schaute der quer durch die Republik gereiste 30-Jährige etwas irritiert, nahm sein Gepäck und wollte gehen.

Bevor der 500 Kilometer lange Rückweg in eine Stadt angetreten wurde, die man in Bayern eigentlich nur durch ihren Handballverein kennt, wartete noch eine kleine Überraschung auf den Weitgereisten: Anwalt Jörg Jendricke überreichte ihm im Auftrag seines Mandanten 80 Euro als Wiedergutmachung für den Betrugsschaden. Die Freude hielt sich in Grenzen. Der Rest war Routine: Diesmal vier Monate mit Bewährung und außerdem 500 Euro Geldauflage zugunsten der Lebenshilfe. Oberstaatsanwalt Stefan Täschner war damit einverstanden.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.