27.09.2019 - 08:48 Uhr
AmbergOberpfalz

125 Jahre Gartenkultur und Landespflege Amberg-Sulzbach

Sie pflanzen Bäume, kümmern sich um den Blumenschmuck an öffentlichen Orten, gehen mit Kindern auf die Blühwiesen: Die Gartler sind Naturtalente im doppelten Wortsinn. Heuer feiert ihr Dachverband Jubiläum.

von Helga KammProfil

Der Kreisverband für Gartenkultur und Landespflege Amberg-Sulzbach wird 125 Jahre alt. Für Oberpfalz-Medien erzählen Mitglieder Episoden aus seiner langen Geschichte.Die Wegbereiter

1989 wurde der Gartenbauverein Iber und Umgebung gegründet, Eduard Ecklzum Vorsitzenden gewählt, eine Funktion, die er bis heute ausübt. Zum Kreisverband kam Eckl 1998, seit Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender. Wenn der Garten- und Naturfreund auf die Zeit vor 30 Jahren zurückblickt, dann fallen Namen wie Josef Stauber, Helga Zimmermannoder Gerd Hirt. "Der Stauber Josef hat den Kreisverband hervorragend gelenkt, hat die Versammlungen professionell geleitet, war ein Fachmann auf vielen Gebieten", erinnert sich Eckl. "Wir hatten alle die gleichen Interessen, ich habe mich einfach wohl gefühlt." Der Freund des Obstbaumes

Der ehemalige Techniker am Staatlichen Bauamt und heutige Rentner (67) war all die Jahre insbesondere dem Obstbau zugetan. Von mehr als 20 Gleichgesinnten wurde 1996 der "Arbeitskreis Obst" gegründet, in dem es ausschließlich um dieses Thema ging. Bäume wurden kartiert, gepflegt, alte Sorten bestimmt, neue veredelt. Auch hier denkt Edi Eckl an Wegbegleiter, die ihr Wissen und ihre Erfahrung eingebracht haben, vor allem an den "Motor und Experten" Anton Auerund die bereits verstorbenenGeorg Farnbauer und Willi Heckel.

Heute gehört Eckls Herz noch immer dem Obstbaum, aber auch mit einer neuen Variante: Der "Oeschberg-Palmer-Schnitt", eine von schon vor 70 Jahren in Baden-Württemberg entwickelte Form des Obstbaumschnitts, hat auch im Landkreis Amberg-Sulzbach Einzug gehalten, dank der Information und Schulung durch den "Arbeitskreis Obst". "Damit sind wir in Bayern mit dieser Kultur federführend", erklärt der Fachmann stolz. Ein Beweis dafür, dass neben der althergebrachten auch neue Gartenkultur Freude und Erfolg verspricht.Der Liebhaber der RosenGerhard Hirt ist gleichermaßen stolz und bescheiden. Der Sulzbach-Rosenberger Obst- und Gartenverein, dessen Vorsitzender er 22 Jahre lang war, sei älter als der Kreisverband, betont er. Wenn es um seine besonderen Verdienste geht, wehrt er ab, meint, da hätten auch andere mitgewirkt. Tatsache ist, dass Hirt ein exzellenter Kenner von Rosen und deren Vermehren durch Veredeln ist.

"Meine ersten Rosen habe ich im jetzigen Lehrgarten des Schulmuseums gepflanzt", erzählt er. Weil seine Familie in der Lehrerwohnung des damaligen Schlößl-Schulhauses gewohnt hat, gehörte der Garten dazu. Die Liebe zu den Rosen ist dem pensionierten Lehrer (81) geblieben und auch die zum Schulgarten. Schon beim Anlegen dieses Kleinods im Jahr 1989 an der Südseite des Museums hat Hirt den damaligen Vorsitzenden Andreas Sperbertatkräftig unterstützt.

Dankbar erinnert der Natur- und Gartenfreund anJohann Friedrich Deyerl, der den Schulgarten viele Jahre lang ehrenamtlich betreut hat. "Auch als hervorragender Fachmann für Obstbaumpflege und -schnitt sowie für spezielle Sorten war Deyerl bekannt", erzählt Hirt. Der Lehrgarten des Schulmuseums weise seinerseits zwei veredelte, besondere Bäume auf: eine gelbe Zwetschge und eine auf Weißdorn veredelte Birnenquitte.

Gerd Hirt hat seinen Verein zusammengehalten, 22 Jahre lang. 2015 gab er den Vorsitz ab, freut sich aber, dass "unser monatlicher Stammtisch mit unseren Frauen nach 25 Jahren noch immer besteht". Allerdings ändere sich im Lauf der Jahre das Programm, bedauert er, "weil halt die Jüngeren fehlen". Vater der Nussbäume

"Bis 1933 war immer ein Pfarrer der Vorsitzende des Hahnbacher Obstbauvereins", weißJosef Luberaus der Vereinschronik. Der gebürtige Adlholzer (78) übernahm 1979 die Leitung, da hatte der Verein schon seinen neuen Namen und war bereits 76 Jahre alt. Unter Lubers Vorsitz wurden in den Gemeinden Iber und Ursulapoppenricht eigenständige Gartenvereine gegründet und 1997 das 100-jährige Bestehen gefeiert. Nach 22 Jahren übergab Luber sein Amt in andere Hände. Heute ist er Ehrenmitglied des Obst- und Gartenbauvereins Hahnbach. "Anfangs war ich alles zugleich", erinnert er sich, "Vorsitzender, Schriftführer und Kassier." Von vielen Förderern sei er unterstützt worden, allen voran von Herbert Falk, dem damaligen Hahnbacher Bürgermeister.

Auch Josef Luber hat wie Gerhard Hirt und Eduard Eckl eine "große Liebe" bei seiner Arbeit für Natur und Umwelt, das sind die Nussbäume. Von ausgesuchten Walnüssen hat er zahllose Pflanzen selbst gezogen, ein paar Jahre wachsen lassen und sie dann verschenkt. Sie stehen in den Gärten von Freunden, seinem eigenen und über den Markt Hahnbach verteilt. "40 Nussbäume habe ich in der ganzen Gemeinde verpflanzt", kann er mit Stolz berichten, "heute sind stattliche Bäume daraus geworden." Der Feind von SchottergärtenArthur Wiesmet(62) ist der Rebell unter den Gartlern. Als langjähriger Gartenfachberater des Landratsamtes ist er jahraus jahrein unterwegs in öffentlichen Anlagen und privaten Gärten, um zu beraten und zu helfen. Er engagiert sich im Landschaftspflegeverband, beim Naturschutz, in der Heimatkunde, "weil das alles das große Ganze ist", sagt er. "Meine Ansichten kommen nicht immer gut an", weiß der Garten-Experte, wenn er seiner "Kundschaft" zu standortgerechten statt exotischen Pflanzen rät, wenn er von unterschiedlichen Düngern nichts hält oder vom übermäßigen Gießen im Sommer. Jedoch der Erfolg, sichtbar in seinem eigenen Garten in Stifterslohe, gibt ihm Recht. Dort wächst und gedeiht, was mit den Bodenverhältnissen und dem Klima der Oberpfalz zurechtkommt.

Der Klimawandel macht ihm Sorge, "weil er schneller kommt als wir gedacht haben". Wiesmets Vorträge in den Ortsverbänden des Landkreises und auch darüber hinaus sind informativ, ohne den erhobenem Zeigefinger, aber witzig, ironisch und immer mit hohem Unterhaltungswert. Eine ernste Befürchtung hat er allerdings: "Dass die Schottergärten sich in den Gesichtern und Seelen ihrer Eigentümer widerspiegeln."

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