11.11.2019 - 15:47 Uhr
AmbergOberpfalz

16.765 Jahre Mitgliedschaft in der IG Metall geehrt

Als die IG Metall im Jahr 1949 gegründet wurde, wog der deutsche Durchschnittsmann nur 50 Kilogramm. Und im Gründungsjahr von Bundesrepublik und DDR traten 14 Mitglieder im Bereich der heutigen IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg ein.

Für 70-jährige Mitgliedschaft wurden 14 IG Metaller geehrt. Acht von ihnen kamen persönlich nach Amberg.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Einmal im Jahr, an einem Sonntag im Herbst, füllt sich das Amberger Kongresszentrum mit den Menschen, die zum Teil seit Jahrzehnten Mitglieder der IG-Metall sind. Und zwar mit denen, die der Verwaltungsstelle Amberg angehören. Die übrigens zuständig ist für die beiden kreisfreien Städte Amberg und Weiden sowie die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN und Tirschenreuth. Rund 16 000 Mitglieder werden hier derzeit betreut, 484 von ihnen sind in diesem Jahr 25, 40, 50, 60 oder gar 70 Jahre dabei, 16 765 Jahre IG-Metall-Mitgliedschaft übrigens.

Horst Ott, der Erste Bevollmächtigte, wie der Amberger IG-Metall-Chef offiziell heißt, freute sich auch diesen Sonntag wieder über einen vollen Saal. Über Menschen, die für Werte stehen, die Solidarität oder Demokratie heißen. "Gewerkschaftliche Bindung halte ich für sehr wichtig", sagte Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger als einer der Grußwortredner, Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny hob die gewerkschaftlichen Themen Solidarität und das Hochhalten des Miteinanders hervor.

Nur bad News good News?

Dritter im Bunde der Grußwortredner war DGB-Bezirksgeschäftsführer Christian Dietl. Der forderte dazu auf, die Dinge einfach positiver zu betrachten. "Bad News are good News", sagte er mit Blick auf die Tatsache, dass die Menschen eben mehr interessiere, wenn eine Brücke zusammenbreche, als dass sie zuvor 70 Jahre lang stabil gewesen sei. "Wir fokussieren uns zu sehr auf das Negative", sagte Dietl. Übrigens auch, was die Gewerkschaft angehe. "Wir müssen schauen, was wir positiv erreicht haben." Unter anderem die 40-Stunden- und Fünf-Tage-Woche. "Wir sind eine durch und durch positive, lebensbejahende Organisation", sagte Dietl.

Zwischendrin gab es immer wieder Musik von der Gruppe Kawogl, die in verschiedenen Zusammensetzungen mittlerweile auch schon gut drei Jahrzehnte die Jubilarehrung der IG Metall begleitet. Dann war es an Udo Fechtner, dem Zweiten Bevollmächtigten, die Festrede zu halten. Fechtner erinnerte daran, dass vor 100 Jahren, nämlich 1919, die erste demokratische Nationalversammlung in Deutschland gewählt worden ist - und zum allerersten Mal auch Frauen ihre Stimme abgeben durften. Am Ende seien von den 423 Abgeordneten der Weimarer Versammlung 37 Frauen gewesen. "Die Quote dürfte heute nicht viel besser sein", hob Fechtner auf die immer noch bestehende männliche Übermacht bei den Bundestagsabgeordneten ab.

Seit 74 Jahren herrscht Frieden

Vor 80 Jahren habe der Zweite Weltkrieg begonnen. Eine Katastrophe für Deutschland und Europa. Mit dem letztendlich aber positiven Effekt, dass der Frieden in Europa seither seit 74 Jahren halte. 1949, im Gründungsjahr der IG Metall und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), seien auch die beiden deutschen Staaten entstanden, die DDR und die Bundesrepublik. Das durchschnittliche Gewicht des deutschen Mannes habe damals bei 50 Kilogramm gelegen. Bahnbrechend sei damals gewesen, dass man die Einheitsgewerkschaften geschaffen habe - also Arbeitnehmervertretungen unabhängig von der politischen Gesinnung. Auch eine Lehre aus dem gescheiterten Demokratie-Experiment der Weimarer Republik übrigens.

1959, so fuhr Udo Fechtner in seiner historischen Tour fort, sei die wöchentliche Arbeitszeit in der Stahl- und Metallindustrie von 45 auf 44 Stunden abgesenkt worden. Der Durchschnittslohn der Metaller habe bei 1,60 Mark in der Stunde gelegen, der erfolgreiche Streik in der Stahlindustrie habe ein Plus von 10,9 Prozent gebracht. Und noch ein Meilenstein aus dem Jahr 1959: In diesem Jahr kassierte das Bundesverfassungsgericht den sogenannten Stichentscheid, das Recht der Männer als letzte Instanz unter anderem über die Frage zu entscheiden, ob ihre Frauen arbeiten durften oder nicht. Dafür gab es 60 Jahre später noch Beifall aus den weiblichen Reihen im ACC.

Schon war Udo Fechtner im Jahr 1969 angekommen. Damals wurde Willy Brandt von der SPD Bundeskanzler der ersten sozialliberalen Koalition. 1969 gab es aber laut Fechtner auch 861.000 offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt, es wurde das Gesetz zur Lohnfortzahlung für sechs Wochen im Krankheitsfall verabschiedet und die Arbeitnehmer der Metall-Industrie erstreikten sich ein Plus von elf Prozent Lohnerhöhung. Das Jahr 1979 fiel laut Fechtner vor allem durch die Einführung der Sommerzeit auf, 1989 folgte schließlich die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Aber wer ist diese IG Metall eigentlich? "Das sind unsere 16.000 Mitglieder, davon 12.000 in den Betrieben", gab Fechtner die Antwort, bevor er gemeinsam mit Horst Ott zur Ehrung schritt.

Leider keine Namen

Namen der Geehrten können wir in diesem Jahr übrigens nicht veröffentlichen. Laut IG-Metall-Geschäftsstelle lässt das der Datenschutz auch für die 70-Jährigen nicht mehr zu.

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Jubilarehrung der IG Metall Amberg - 50 Jahre
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