22.10.2018 - 19:18 Uhr
AmbergOberpfalz

180 Pfund Drogen aus Holland in die Oberpfalz geschmuggelt

Es ist der größte Rauschgiftprozess seit langem. Vor dem Landgericht sitzen drei Männer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, 84 Kilo Marihuana, 4 Kilo Haschisch und 4 Pfund Kokain aus Holland in die Oberpfalz eingeschmuggelt zu haben.

Symbolbild
von Autor HOUProfil

Was Staatsanwalt Tobias Kinzler zum Prozessauftakt vor der Ersten Strafkammer verlas, vermittelte den Eindruck hoch professioneller Dealer. Die beiden Amberger, 29 und 26 Jahre alt, sowie ihr aus Teublitz stammender Mitangeklagter (28) organisierten im vergangenen Jahr innerhalb von nur drei Monaten eine kriminelle Struktur, die für oberpfälzische Verhältnisse nahezu beispiellos ist.

Es begann am 30. September 2017. An diesem Tag fuhr der 28-jährige Amberger erstmals mit einem angemieteten Wagen in die holländische Stadt Breda und brachte zwei Pfund Kokain mit. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden gab es weitere fünf Touren. Die Händler in den Niederlanden übergaben ihrem Kunden der Reihe nach 7,4 Kilo Marihuana und wenig später weitere sieben Kilo.

Polizei schnappt alle

Am 4. November, am 27. November und am 18. Dezember brach der Student abermals auf. Dabei holte er unentdeckt 22 Kilo, 38 Kilo und 12 Kilo Marihuana über die Grenze. Bei der letzten Beschaffungstour befanden sich außerdem weitere zwei Pfund Kokain und vier Kilo Haschisch im Leihauto. Kurz danach klickten die Handschellen. Drogenfahnder der Kripo setzten zur Durchsuchung eines Hauses im Amberger Stadtsüden an, und sie sahen sich auch in einem Teublitzer Anwesen um. In beiden Gebäuden fanden sie größere Rauschgiftmengen. Die beiden dort wohnenden jungen Männer, die nun vor Gericht als "Bunkerhalter" gelten, wurden ebenso in U-Haft gebracht wie der Rauschgiftbeschaffer.

Von Amberg und Teublitz aus, so offenbarte sich, waren strukturierte Kundennetzwerke geschaffen worden. In der Anklageschrift sind viele Deals aufgelistet, bei denen Abnehmer quasi als Zwischenhändler erschienen und größere Bargeldbeträge auf die Tische legten. Mit dem Marihuana, dem Haschisch und dem Kokain wurden sowohl der oberpfälzische als auch der mittelfränkische Schwarzmarkt versorgt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Drogenwert aus, der fast eine halbe Million Euro betrug. Und das innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne.

Bis zu acht Jahre Haft

Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Aber schon kurz nach Prozessbeginn zeichnete sich ab, dass es rascher gehen könnte. Nach einem sogenannten Rechtsgespräch, das hinter verschlossenen Türen stattfand, sicherte die unter Vorsitz von Roswitha Stöber tagende Strafkammer den drei Angeklagten Haftstrafen zwischen fünf und acht Jahren für Geständnisse zu. "Unsere Mandanten räumen die Vorwürfe ein", sagten danach die Verteidiger. In diesem Zusammenhang verdeutlichte sich: Im Fall des Schweigens wäre zumindest für den Beschaffer ein Gefängnisaufenthalt von über zehn Jahren zu erwarten gewesen.

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