23.07.2019 - 16:51 Uhr
AmbergOberpfalz

50.000 Euro als Schweigegeld

Gute Freundinnen. Alle im gleichen Beruf tätig. Und dann: Plötzlich liegt ein Erpresser-Brief im Postkasten von einer der drei Frauen. Die beiden anderen sollen 50.000 Euro für ihr Schweigen in einer delikaten Angelegenheit verlangt haben.

50.000 Euro wurden in einem Erpresserbrief von einer 42-Jährigen gefordert. Sie hatte ein Geheimnis.
von Autor HWOProfil

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres hatte die Amberger Kripo einen in solcher Form äußerst seltenen Fall. Nach außen drang später nichts. Das war angesichts von Einzelheiten, die nun vor Amtsrichterin Sonja Tofolini ausgebreitet wurden, irgendwie auch verständlich.

Auf dem Revier erschien seinerzeit eine 42-Jährige. Sie brachte den an sie gerichteten Erpresserbrief mit und erstattete Anzeige. Der Verfasser zeigte sich gut informiert über Einzelheiten aus dem Leben der Frau und verlangte 50.000 Euro Schweigegeld. "Es gibt Bilder von dir und deinem Geliebten", hieß es sinngemäß. Solche Fotos würden ganz bestimmt den Herrn Gemahl interessieren.

Die Adressatin zahlte nicht und ging zur Polizei. Im Prozess verdeutlichte sich jetzt: Es gab tatsächlich ein Verhältnis zu einem anderen Mann. Kompromittierende Bilder aber sind bei den Nachforschungen der Behörden nie aufgetaucht. Zwei Kriminalbeamte ermittelten umfangreich. Danach stand für sie fest: Der Brief musste zwei Frauen zugeordnet werden, die das Opfer allein schon vom gemeinsamen Beruf her kannten. Allerdings: Fingerabdrücke oder DNA-Spuren wurden weder am Kuvert noch auf dem Bogen gefunden. Das deutete darauf hin, dass mit Handschuhen gearbeitet wurde.

"Ich war so dumm"

Zwei Frauen saßen nun auf der Anklagebank. Die eine (58) gab sofort zu, auf ihrem Computer die Zahlungsaufforderung geschrieben zu haben. "Ich war so dumm und habe mich breitschlagen lassen", hörte die Richterin von ihr. Ohne jegliches eigenes finanzielles Interesse allerdings. Und wer war noch mit von der erpresserischen Partie? Auch da bekam die Richterin eine Antwort: Das sei die gleich neben ihr sitzende Berufskollegin gewesen.

Diese Angaben lösten vehementen Widerspruch bei der 37-Jährigen aus. "Ich habe diesen Brief weder getippt noch in den Briefkasten geworfen", argumentierte sie sehr gelassen. Gleichwohl: Das Verhältnis ihrer Berufskollegin zu einem anderen Mann sei ihr bekannt gewesen. Doch deswegen eine Erpressung mit hoher Geldforderung zu starten, wäre schlichtweg absurd. "Ich habe damit nichts zu tun."

Für eine andere Betrachtungsweise sorgte die Mitangeklagte. Sie berichtete der Vorsitzenden: Die 37-Jährige hätten Schulden gedrückt. Ganz im Gegensatz zur Adressatin des Schreibens: Das eigene Haus abbezahlt, mehrfache Urlaubsreisen im Jahr, Autos in der Garage, bestens situiert. Alles in erster Linie finanziert durch den Gatten in guter Berufsposition. Blanker Neid also?

Noch lässt sich in diesem Fall kein Gesamtbild für die Richterin erkennen. Tatsache aber ist wohl: Die 50.000 Euro Schweigegeld sollten am Carport der 37-Jährigen hinterlegt werden. Weder genauer Tag noch Stunde wurden in dem Schreiben genannt. Zur Deponierung war ein eher längerer Zeitraum angeführt.

Affäre sagt aus

Ein Fall mit amourösen Einzelheiten, die vor der Richterin ausgebreitet wurden. Der als "Verhältnis" beschriebene Mann kam aus der nördlichen Oberpfalz angereist und sagte aus. Auch der Ex-Lebenspartner der 37-Jährigen musste auf den Zeugenstuhl. Danach machte die Empfängerin des Erpresserbriefes Ausführungen. Dabei hörte die Richterin, dass die Frau in der Lage gewesen wäre, den geforderten Geldbetrag zu zahlen - ohne, dass es ihr Ehemann gemerkt hätte. Doch sie entschied sich für die Anzeige bei der Kripo.

Die Anwälte Mike Thümmler und Selina Moser haben in diesem Verfahren umfangreiche juristische Arbeit zu leisten. Moser ganz besonders. Denn sie ist angetreten, um ihre 37-jährige Mandantin aus der Schusslinie zu bringen. Ob das gelingt, muss sich an einem weiteren Prozesstag im August zeigen.

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