06.12.2018 - 08:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit 79 im Rollstuhl durch den Dschungel

Ellen Galle gibt nicht auf. Die Rollstuhlfahrerin,
die im Januar 79 Jahre alt wird, packt auch 2019 ihre Siebensachen, um 8000 Kilometer weiter südöstlich am Indischen Ozean zu helfen.

Sie leidet an Multipler Sklerose und ist deswegen auf einen Rollstuhl angewiesen. Ellen Galle bleibt deswegen aber nicht zu Hause im stillen Kämmerlein. Im Gegenteil: Jedes Jahr im Januar fliegt sie nach Sri Lanka, um vor allem Kindern zu helfen. Doch damit nicht genug: In der Region Amberg-Sulzbach ist Ellen Galle ebenfalls seit Jahrzehnten ehrenamtlich tätig – in MS-Selbsthilfegruppen, die sie entweder leitet oder beratend begleitet.
von Redaktion ONETZProfil

Die Ambergerin wird erneut ihren Teil dazu beitragen, die immer noch spürbaren Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe von 2004 zu lindern.

Ellen Galle reist seit Januar 1989 jährlich nach Sri Lanka. Ihren ersten Urlaub verbrachte sie in Bentota. Sie ist seit ihrem 17. Lebensjahr an der chronisch-entzündlichen Krankheit Multiple Sklerose erkrankt, die das zentrale Nervensystem betrifft. Galles erste Tour war eine reine Urlaubsreise, die sie bei einem Preisausschreiben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) gewonnen hatte. Sie war auf dem zweiten Platz gelandet, der eine frei wählbare Reise beinhaltete. Daraufhin reiste sie alleine in ein für sie noch unbekanntes Land: Sri Lanka.

Die Ambergerin war so begeistert, dass sie auf weitere Reisen sparte, um jährlich einmal im ehemaligen Ceylon zu sein. Der Flug dauert 13,5 Stunden. Damals war das Hotel noch nicht behindertengerecht. Ellen Galle fand schnelle Hilfe durch Einheimische, die sie bei Bedarf trugen oder Rampen für den Rollstuhl errichteten. Sie lernte damals auch Tissa kennen, mit dem sie seither befreundet ist. Er hilft ihr bei allem, zum Beispiel, um Kontakt mit der Regierung herzustellen. Die Einheimischen organisierten für Ellen Galle Ausflüge und ermöglichten sogar Überlandreisen mit dem Zug. Beim ersten Aufenthalt konnte sie fast das ganze Land entdecken. Auf ihrer Rundreise sah Ellen Galle viel Elend. Die Schicksale der Menschen gingen ihr sehr nahe. In Lumpen gekleidete Kinder sind auf den Straßen Sri Lankas keine Seltenheit, die Eltern können sich nicht einmal Schreibmaterialien für die Schule leisten. Daher müssen schon die Kleinsten betteln.

Für damals 40 Mark pro Jahr konnte allerdings Kindern der Unterricht ermöglicht werden. So kam es dazu, dass Galle die Patenschaft für ein Kind übernahm. Seitdem sucht die Ambergerin Jahr für Jahr nach weiteren Mitstreitern. Im Laufe der Zeit hat sie über 70 Patenschaften vermittelt. Mädchen konnten dadurch Schneiderinnen werden und Jungen Mechaniker. Ein Mädchen konnte durch die Hilfe sogar Jura studieren und ist nun Richterin. Eines von Galles Patenkindern ist nun Chemiker. Die Rollstuhlfahrerin reiste auch nach dem verheerenden Tsunami, der im Dezember 2004 mehr als 220 000 Menschen das Leben kostete, nach Sri Lanka. Ihr Stammhotel war überschwemmt. In den acht Wochen ihres Aufenthalts sah sie viel Elend und entschloss sich, einige Projekte, Kindergärten und Schulen zu betreuen. Seitdem verbringt sie die Hälfte ihres Urlaubs mit Hilfeleistungen.

Für die 78-Jährige, die im Januar noch vor ihrem nächsten Sri-Lanka-Aufenthalt 79 Jahre alt wird, sind die Reisen sehr anstrengend. Die enorme Hitze im Land zwingt sie dazu, ihre aktive Zeit auf zweieinhalb Tage pro Woche festzulegen. Der nicht leicht zu verkraftende Anblick der Armut und furchtbaren Lebensbedingungen kommt erschwerend hinzu. In den 30 Jahren, in denen sie nun schon nach Sri Lanka reist, haben sich die Umstände etwas gebessert, von einer heilen Welt fehlt laut Ellen Galle aber weiterhin jede Spur.

Ihre Hilfstätigkeit läuft so ab, dass sie die Spenden persönlich zur Bank bringt, von wo aus die Gelder an die Bedürftigen verteilt werden. Meistens wird die Bevölkerung mit Spenden für Nahrung und Baumaßnahmen unterstützt. Nach dem Tsunami wurden beispielsweise vier dringend benötigte Toiletten in einer Schule gebaut. Die Rollstuhlfahrerin versucht, immer das Beste aus den Spenden zu machen. Wer Ellen Galle bei ihren Projekten helfen möchte, kann auf das Konto mit der Iban DE21 752 900 00 00 00 09 97 16 bei der Volks- und Raiffeisenbank Amberg spenden. Galle bittet darum, den Verwendungszweck Sri Lanka und eine Anschrift anzugeben.

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