24.07.2020 - 15:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Abschluss in der Tasche: Das müssen Schulabgänger jetzt wissen

Die Schulzeit ist vorbei, die Zeugnisse sind ausgeteilt, die Ferien haben begonnen. Bis zum Ausbildungsbeginn im September oder bis zum Studienstart im Oktober ist noch Zeit. Doch es gibt einige Dinge, um die sich gekümmert werden muss.

Laut Manfred Tröppl, dem Leiter der Amberger Agentur für Arbeit, sind aktuell „noch knapp 500 attraktive Ausbildungsplätze“ zu haben.
von Michelle BalzerProfil

Kindergeld, Krankenversicherung, Steuer und Co.: Kaum ist die Schule vorbei, müssen sich Schulabgänger mit diesen Themen beschäftigen, da ändert ausnahmsweise auch Corona nichts daran. Geschäftsstellenleiter Manfred Tröppl und Ute Übelacker von der Agentur für Arbeit Amberg empfehlen, sich rechtzeitig mit diesen Themen zu beschäftigen.

Geht es um das Thema Kindergeld, erklärt Manfred Tröppl, dass da nicht viel Aufwand nötig ist. Schulabgänger, die noch keine 18 Jahre alt sind und eine Ausbildung oder einen Freiwilligendienst vor sich haben, bekommen automatisch Kindergeld, bis sie volljährig sind. Doch auch nach dem 18. Geburtstag können sie noch Kindergeld beziehen. Tröppl: "Das wird weitergezahlt, wenn das Kind ein Studium, eine Ausbildung oder einen Freiwilligendienst innerhalb von vier Monaten nach dem Schulabschluss beginnt." Diese vier Monate werden als Übergangsphase bezeichnet. Solange diese nicht überschritten wird, besteht durchgehend Anspruch auf Kindergeld.

Manfred Tröppl: "Wenn ein Kind also im Juli die Schule beendet und im September oder Oktober eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, besteht kein Problem. Sollte sich der Beginn verzögern, muss man es der Familienkasse melden." Nach dem Schulabschluss müssen die beruflichen Pläne der Familienkasse per Antrag mitgeteilt werden. Dabei muss der Ausbildungsvertrag oder die Immatrikulationsbescheinigung vorgezeigt werden.

Meist meldet sich die Familienkasse jedoch selbst bei den Absolventen. Sollte sich der Start verzögern, heißt das nicht gleich, dass der Anspruch auf Kindergeld verfällt. Die Familienkasse verlangt in diesem Fall Nachweise über das Bemühen um eine Lehrstelle, einen Studienplatz oder ähnliches. Diese Nachweise können zum Beispiel schriftliche Absagen oder Bewerbungen sein, die bereits losgeschickt wurden oder solche, die ab dem Beginn der Bewerbungsfrist erst losgeschickt werden sollen. Deshalb ist es wichtig, alle Unterlagen dazu aufzubewahren. "Hat man noch keine Ahnung, was man nach der Schule machen will, dann sollte man sich schnellstmöglich bei der Agentur für Arbeit melden", rät Ute Übelacker, die als Teamleiterin in der Berufsberatung tätig ist. Wie sie sagt, gibt es viele Möglichkeiten und Alternativen, wenn man bis jetzt noch keinen Plan hat. "Die Optionen sind sehr vielfältig, aber melden sollte man sich auf jeden Fall, vor allem im Bezug auf das Kindergeld, da man das nur weiterhin bekommt, wenn man nachweisen kann, dass man sich um eine Tätigkeit bemüht." Manfred Tröppl ergänzt: "Wir haben auch jetzt noch knapp 500 attraktive Ausbildungsplätze, die noch dieses Jahr im Herbst starten. Sollten Unentschlossene dabei sein, dann jetzt bei uns melden und dann wird gemeinsam was gefunden."

  • Nachweis bei der Familienkasse über Ausbildungsstart
  • Eigene Krankenversicherung
  • Sozialversicherungsnummer
  • Lohnsteuer ID
  • Eigenes Girokonto

Wird eine Ausbildung begonnen, muss sich nicht nur um das Kindergeld, sondern auch um die Krankenversicherung gekümmert werden. Ute Übelacker erklärt: "Zunächst sind die Schulabgänger noch bei den Eltern familienversichert, doch sie müssen sich mit dem Ausbildungsbeginn zum 1. September selbst versichern." Der erste Schritt ist, sich rechtzeitig vor Beginn der Ausbildung bei der gewünschten Krankenversicherung zu melden und sich ab dem ersten Tag der neuen Stelle versichern zu lassen. "Bei der Krankenkasse bekommt man auch seine eigene Sozialversicherungsnummer, die man immer parat haben sollte. Die wird jedem bei der Geburt vergeben. Sollte man die nicht mehr haben, so ist die Krankenkasse der richtige Ansprechpartner", betont Übelacker.

Außerdem wird vor dem Start einer Ausbildung eine Lohnsteuer-ID benötigt. "Diese ID bekommt man vom Finanzamt. Sie sollte eigentlich bei jedem zu Hause in den Unterlagen versteckt sein. Hat man sie verloren, so meldet man sich am besten beim örtlichen Finanzamt. Dort wird einem weitergeholfen", erklärt die Berufsberaterin. Zudem braucht man laut Ute Übelacker "auf jeden Fall noch ein eigenes Girokonto, auf das das Gehalt überwiesen werden kann." Um diese lebenspraktischen Dinge müsse sich einfach gekümmert werden, damit ein reibungsloser Ausbildungsstart begonnen werden kann.

Schulabgänger, die ein Studium beginnen, haben es jedoch nicht viel einfacher. Der erste Schritt ist die fristgerechte und erfolgreiche Bewerbung für das Wunschstudium, nachdem man sein Abiturzeugnis erhalten hat. "Auch da sollte aufgepasst werden: Bin ich qualifiziert und habe ich überhaupt den benötigten Schnitt?", erklärt Ute Übelacker von der Agentur für Arbeit. "Auch das erfordert vorerst viel Recherche und nimmt Zeit in Anspruch, die man sich nehmen sollte", wie Manfred Tröppl sagt. Studenten sind bis zum 25. Lebensjahr familienversichert, das heißt laut Übelacker, dass man weiterhin eine Haftpflicht- sowie eine Krankenversicherung hat. Da spielt es keine Rolle, ob noch im Elternhaus gewohnt wird oder nicht. Doch Geschäftsstellenleiter Tröppl betont, dass aufgepasst werden muss: "Wenn man als Student mehr als 450 Euro im Monat verdient, muss man sich selbst versichern."

  • Bewerbung und erfolgreiche Immatrikulation an der Hochschule oder Universität
  • Nachweis bei der Familienkasse über Studienstart
  • Krankenversicherung, wenn Einkommen über 450€
  • Recht auf Bafög prüfen
  • Nach Nebenjob erkundigen
  • Pendeln oder Wohnung?

Außerdem sollte sich informiert werden, ob man BAföG bekommt oder sich einen Nebenjob suchen sollte und ob zwischen dem Heimatort gependelt werden kann oder ob umgezogen werden muss. Manfred Tröppl empfiehlt, sich bei der Suche nach einem Nebenjob und einer Wohnung rechtzeitig zu erkundigen, denn: "Man ist ja nicht der Einzige, der zum Wintersemester in die Stadt kommt zum Studieren." Der Andrang sei groß, die Wohnungen seien schnell weg und die Nebenjobs auch zügig vergeben. Auch hier muss man sich rechtzeitig melden und informieren und nicht erst zum Studienstart."

Ute Übelacker betont, dass noch weitere Dinge wichtig sind, bevor der Berufsweg nach dem Schulabschluss eingeschlagen wird: "Fragen wie: Wie komme ich zur Arbeit? Wie ist die Bus- oder Zugverbindung? Komme ich pünktlich an? Das ist alles nicht zu vernachlässigen und auch darum sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen." Auch Manfred Tröppl betont diese Aspekte, denn: "Man muss sich auf den ersten Tag der Ausbildung genauso gut vorbereiten wie den Rest davor. Man sollte sich bereits vorher Gedanken machen, was von einem an diesem Tag verlangt wird." Und dabei sind laut der Berufsberaterin Pünktlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit das A und O.

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