16.09.2019 - 09:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Ärger auch in Amberg: Zirkus um Circus Afrika

Erst wurde er Opfer eines Brandes in Weiden, dann sorgte er für Wirbel in der Region. Behörden in Vohenstrauß und Kemnath sind nicht gut zu sprechen auf den Circus Afrika, der in Amberg erneut einen Zirkus entfacht hat.

Trotz der Querelen im Vorfeld hieß es in Vohenstrauß und Kemnath für den Circus Afrika „Manege frei“. Tierschützer kritisieren das Familienunternehmen vor allem wegen der Haltung seiner Elefanten, die nicht artgerecht sei. Auch für die Amberger Congress Marketing spielte die „schlechte Presse“ eine Rolle bei der Absage des gewünschten Gastspieltermins. Die ablehnende Entscheidung wurde zwar vom Verwaltungsgericht kassiert, der Zirkus kam dann aber trotzdem nicht auf den Dultplatz.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Der Betrieb, der nach eigenen Angaben seit über 50 Jahren von der Familie Weisheit aus Thüringen geführt wird, wollte von Ende August bis Anfang September auf dem Dultplatz gastieren. Er stellte im Juli eine entsprechende Anfrage ans Amberger Congress Marketing (ACM) und bekam prompt eine Absage. Als Grund wurde ihm mitgeteilt, dass die Fläche an der Bruno-Hofer-Straße bereits für die Michaeli-Dult vorbereitet werden müsse und deshalb nicht zur Verfügung stehe.

Das akzeptierte der Zirkus nicht - das Herbstvolksfest startet erst am 27. September - und klagte gegen die Entscheidung. Und er bekam recht, bestätigte ACM-Chefin Petra Strobl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Heißt im Klartext: Das Unternehmen hätte nach dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts seine Zelte wie geplant aufschlagen dürfen. Doch es kam dann nicht.

Laut Strobl rief ein Firmenvertreter einen Tag vor dem beabsichtigten Gastspielbeginn an und teilte telefonisch mit, man habe zwischenzeitlich einen anderen Auftrittstermin in Vohenstrauß erhalten und fest vereinbart. Dort gab es dann die eingangs erwähnten Schwierigkeiten (Hintergrund), die sich bei einem weiteren Auftritt in Kemnath im Kreis Tirschenreuth und einem geplanten Gastspiel in Münchberg bei Hof fortsetzten, wie die Oberpfalz-Medien und der Nordbayerische Kurier aus dem Nachbarlandkreis berichteten.

Vohenstrauß
Weiden in der Oberpfalz

Was Amberg betrifft, verhehlte Petra Strobl nicht, dass die ACM-GmbH "wie immer" bei solchen Anfragen "erst recherchiert" habe, welchen Leumund der Circus Afrika habe und was von ihm zu halten ist. Dabei sei man rasch auf die teils "schlechte Presse" gestoßen, die das Unternehmen zuletzt auch in der Nachbarstadt Weiden hatte. Dort war nicht nur der Auflieger eines Versorgungs-Lkws mit Tierfutter vorsätzlich in Brand gesteckt worden - die Polizei hatte hier einen Hilfsarbeiter des Betriebs verdächtigt. Nein, im Vorfeld hatte es auch Proteste von Tierschützern gegen den Zirkus gegeben, bei denen es zu Rangeleien zwischen den Parteien gekommen sein soll.

Auch was danach in Vohenstrauß und Kemnath passierte, bestätigt die Ansicht von Petra Strobl, dass das Unternehmen "aneckt und unzuverlässig ist". Beispiel Altenstadt bei Vohenstrauß: Dort schimpfte Zirkus-Direktor Hardy Weisheit schon vor der Premiere über Zustände "wie im Dritten Reich", weil es die Stadt gewagt hatte, die erteilte Plakatierungserlaubnis zu widerrufen. Aus zwei Gründen: Zum einen hingen mehr Plakate als vereinbart - auch an nicht erlaubten Stellen. Zum anderen glaubte die Stadt Berichten von Tierschützern und Hinweisen aus vorangegangenen Veterinäramtsbescheiden, dass vor allem die drei Elefanten und Kamele des Zirkus' nicht artgerecht gehalten und teils sogar misshandelt würden.

Nach einem Streit um die Plakate rückte Vohenstrauß' Bürgermeister Andreas Wutzlhofer am Ende selber aus, um die nicht genehmigte Anzahl zu entfernen. Beim Folgegastspiel in Kemnath gab es dann eine ebenso öffentlich geführte Auseinandersetzung, weil der Zirkus mit einem Zelt nicht auf der ihm zustehenden und gemieteten Fläche blieb, sondern auch eine Nachbarwiese mit belegte.

Hintergrund:

Wie viele andere in der Branche kämpft die 30-köpfige Truppe um Hardy Weisheit mit dem Tross, der etwa 50 Tiere umfasst, um den Erhalt des Traditionsbetriebs. Kritische Stimmen gehören zum Zirkus-Alltag. Tierschutzorganisationen haben sich längst in Stellung gebracht. Angeprangert wird vor allem die angeblich nicht artgerechte Elefantenhaltung. Die Dickhäuter würden Verhaltensstörungen zeigen und nachts an zwei Beinen festgekettet, heißt es. Vor einigen Tagen verschickte die "Aktionsgruppe Tierrechte Bayern" eine Mitteilung an die Medien. Darin nehmen die Tierschützer vor allem den Zirkusdirektor ins Visier. Zu Werbezwecken würde dieser die Elefanten immer wieder quer über befahrene Straßen, Felder und durch Fußgängerzonen führen. Ein Video dieser Praxis vom Standort heuer in Regensburg sorgte in dem Kontext für Empörung.

Das Veterinäramt Greifswald, so wird in dem Schreiben berichtet, habe fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten für die Elefanten und Kamele bemängelt. Weil der Direktor auf eine kontrollierende Amtstierärztin losging, sei dieser kürzlich rechtskräftig wegen Körperverletzung verurteilt worden. Aber auch die Tierschutzorganisation Peta kritisiert die angebliche Nicht-Einhaltung von Standards bei den Elefanten scharf. In einer Nachricht schreibt sie: "Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und fällt immer wieder negativ auf."

Hardy Weisheit weiß von dem Schreiben der Tierrechtler, das seiner Meinung nach nun "alle in Aufruhr bringt". Er versucht seit Tagen, die Wogen zu glätten und verweist in Stellungnahmen - nicht zuletzt auf der Zirkus-Homepage - auf die gute Pflege und Haltung seiner Tiere. "Die machen sich doch ins Hemd vor den Tierrechtlern", schimpfte der Zirkusdirektor in Vohenstrauß über die Behörden. Die Bedingungen seien in den heißen Sommermonaten ohnehin enorm schwierig. Zu allem Überfluss habe man mit den Nachwirkungen des Brands im Juni in Weiden zu kämpfen, bei dem ein Sachschaden von insgesamt rund 75 000 Euro entstanden war. (ck)

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