14.10.2018 - 22:29 Uhr
AmbergOberpfalz

AfD-Ergebnisse schocken CSU

Auf Horst Seehofer sind sie nicht gut zu sprechen bei der CSU-Wahlparty im ACC. Dessen politisches Agieren in Berlin habe seiner eigenen Partei geschadet. Doch noch tiefer sitzt das Entsetzen über den AfD-Höhenflug.

Die 18-Uhr-Prognose von 35,5 Prozent für die CSU sorgt bei der Wahlparty im ACC für lange Gesichter (von links): Stadtrat Rupert Natter, OB Michael Cerny, Landtags-Listenkandidat Thomas Bärthlein und Bezirkstag-Listenkandidat Henner Wasmuth.
von Markus Müller Kontakt Profil

"Mir graust es vor der AfD im Landtag", sagt der Amberger CSU-Kreisvorsitzende Stefan Ott gleich nach der ersten Prognose um 18 Uhr, die den Rechtspopulisten 11 Prozent der Stimmen verspricht. "Das ist eine radikale Partei."

"Ein enttäuschendes Ergebnis", formuliert Landtags-Listenkandidat Thomas Bärthlein kurz und bündig, was auch viele andere über die angezeigten 35,5 Prozent für die CSU denken. Da seien die Seehoferschen Querschüsse aus Berlin kontraproduktiv gewesen. "Die dürfen nicht sein." Bärthlein wäre es am liebsten, wenn die CSU-Basis bei einem baldigen Sonderparteitag mit Neuwahlen ihre Meinung zum Verhalten Seehofers unmittelbar ausdrücken könnte. Aus Bärthlein spricht wohl auch die Enttäuschung des engagierten Wahlkämpfers: "Wir können so viel ehrenamtliche Arbeit machen, wie wir wollen: Wenn ein falscher Satz aus Berlin kommt, wird uns der um die Ohren gehauen."

Beim Stimmkreis-Abgeordneten Harald Schwartz ist die Enttäuschung über die 35,5-Prozent-Prognose gedämpft durch die zeitweise noch schlechteren Umfragewerte der letzten Tage. Eine kurzschlüssige Analyse ist nicht sein Ding, aber neben Seehofers Agieren sieht er auch im Umgang vieler Medien mit der CSU einen der Gründe für das Ergebnis. Den endgültigen Abschied vom Anspruch auf die absolute Mehrheit will Schwartz darin aber nicht sehen: "Wir haben jetzt fünf Jahre Zeit zu kämpfen."

Für Kopfschütteln sorgen die AfD-Ergebnisse im Pfarrheim Heilige Familie (27,5 Prozent), Dreifaltigkeitsschule III (27,0 Prozent) und Barbaraschule II (24,5 Prozent). OB Michael Cerny glaubt nicht, dass man ihnen mit den klassischen Mitteln der Kommunalpolitik beikommt: "Die wählen ja nicht AfD, weil ihre Straße nicht in Ordnung ist; da geht es fast ausschließlich um das Thema Flüchtlinge." Für Cerny macht es deshalb Sinn, dieses Amberger Ergebnis mit ähnlichen Städten zu vergleichen und herauszufinden, welche Strukturen den AfD-Erfolg begünstigen. Also etwa der Anteil von Aussiedlern oder die Lage von Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge.

Thomas Bärthlein hat im Wahlkampf einen Eindruck davon gewonnen, wie man der AfD wieder Wähler abjagen könnte: "Noch mehr auf die Menschen hören, ihre Sorgen ernst nehmen, auch die der AfD-Wähler." Landrat Richard Reisinger weiß, dass der AfD-Höhenflug auch das Geschehen auf kommunaler Ebene verändern wird: "Da freuen wir uns nicht drauf, aber dem müssen wir uns stellen." Wie? Reisingers Ratschlag: "Authentisch bleiben." Seine Hoffnung: "Dass die Stimmen für die AfD weniger aus Zustimmung zu deren Programm erwachsen und mehr aus Protest gegen uns. Dann könnten wir daran arbeiten, das Protestpotenzial zu minimieren."

Gespannt verfolgt Abgeordneter Harald Schwartz die Hochrechnungen im Fernsehen.
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Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

@ A. Schmigoner
Wer die NPD noch braucht entscheiden allein die Wähler. Offensichtlich gibt es dort einen harten Kern von Stammwählern die genau wissen warum sie die AfD eben nicht wählen. Die Aussage unseres Mitglieds Dubravco Mandic kann ich nicht beurteilen, weil ich das NPD-Parteiprogramm (noch) nicht gelesen habe. Wozu auch? Sollten darin inhaltliche Übereinstimmungen mit der AfD vorkommen, dann gerate ich deswegen nicht in Schnappatmung oder Schreckstarre. Das überlasse ich gerne anderen!

20.10.2018
A. Schmigoner

Wer braucht noch die NPD, wenn es jetzt die AfD gibt?
"Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld und nicht so sehr durch Inhalte." (Dubravko Mandic, AfD)

20.10.2018
Dr. Jürgen Spielhofen

Herr Schmigoner, die Grünen gibt es seit 38 Jahren und die AfD seit fünf Jahren. Demnach kann sich unsere Erfolgsbilanz durchaus sehen lassen. Wunder dauern bekanntlich etwas länger.

Die "Nähe zu Neonazis und Hooligans" ist ziemlich einseitig. Keiner von denen wurde und wird in die Partei aufgenommen. Ebenso wenig wie NPD-Mitglieder, auch wenn deren Mitgliedschaft schon Jahrzehnte zurückliegt!

20.10.2018
A. Schmigoner

#Dr. Jürgen Spielhofen
Der bürgerlich orientierte Wähler findet das Wahlergebnis der Grünen zumindest besser als das Wahlergebnis der AfD. Die Grünen regieren in 9 Ländern mit, stellen in BW den beliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands. Viele Wähler, die sich von der Nähe der AfD zu Neonazis und Hooligans abgestoßen fühlen, hoffen inständig, dass die AfD niemals so weit kommen wird.

20.10.2018
Dr. Jürgen Spielhofen

Was die AfD betrifft so hat sich die CSU mit ihrem Schlingerkurs verzockt: zuerst ignorieren, dann imitieren und schließlich aufs Schärfste bekämpfen. Aber das war ja nicht der einzige Fehler der gemacht wurde! Unglaubwürdig erscheint auch die SPD auf Bundesebene: man kann nicht ungeniert mit jemandem koalieren, dem man kurz zuvor noch "was auf die Fresse" geben wollte. Der zahlenmäßige Gewinner war die AfD, der "gefühlte" Gewinner die Grünen. Dass sie jetzt nicht mitregieren dürfen erfüllt konservative Wähler mit Genugtuung!

15.10.2018