08.02.2019 - 14:08 Uhr
AmbergOberpfalz

Alice im ACC-Wunderland

Auf Schlittschuhen über die Bühne: Alice läuft, springt, radelt und schwebt im ACC-Wunderland. Russian Circus on Ice heißt das Ensemble, das das Publikum auch mit Kissen bewirft.

von Dagmar WilliamsonProfil

Ein Kunststoffboden macht's möglich. Dieser besteht aus physikalisch und chemisch manipuliertem Polyethylen sowie verschiedenen zugemischten Zusatzstoffen. Akribisch verlegt, verwandelt er die Holzboden-Bühne im Kongresszentrum in eine Eis ähnliche Fläche. Umgesetzt werden die akrobatischen Kunstläufe als Schachspiel im Spiegelkabinett: Zug um Zug auf glitzernden Kufen dem Finale entgegen.

Wie es sich für eine Interpretation der Geschichten über "Alice im Wunderland" von Autor Lewis Carroll gehört, sind optische Täuschungen durch Schwarzlichteffekte und mehr als 300 Kostüme programmiert - Zauberei inklusive. Zwischen den Szenen und Choreographien erzählt eine unsichtbare Stimme, wo Alice mit dem weißen Hasen als nächstes landen wird. Ob bei der Tee-Party mit dem Hutmacher und der Grinsekatze, an der Mauer mit Riesen-Ei Humpty Dumpty oder bei den frechen Zwillingen Diedeldei und Diedeldum. Das Ensemble ist verkleidet: als Schachfiguren oder menschliche Blumen. Auch ein eislaufender Schmetterling auf Stelzen ist dabei.

Es wird der Marsch geblasen und mit Keulen getrommelt. Pop-Disco, Charleston, typische Revue-Musik oder Brass untermalen die akrobatischen Höchstleistungen auf dem Boden oder in der Luft. An Seilen oder einem Ring schwebend, Einradfahren oder auf einem gestapelten Triple-Unicycle radelnd. Jonglieren und Hula-Hoop-Reifen um den Bauch kreisen lassen. Das alles wird mit staunenden "Ahs und Ohs" und Beifallstürmen belohnt. Zwischen all dem bunten und rasanten Tohuwabohu gibt die königliche Schachfigur immer wieder musikalisch ihr Können zum Besten. Flaschen mit Wasser abgefüllt, lassen nach einem "Bruder Jakob" ein "O sole mio" erklingen. Und auf einer gebogenen Hand-Säge streicht der König Robert Wagners Walküre. "Hey! Hep! Allez hop!" Das sind seltene, aber wirksame Rufe des Ensembles und kündigen sagenhafte Sprünge an. Und damit das Publikum sich auch wirklich nicht langweilt, wird es zum ungewollten Protagonisten. Klatschen und Singen ist nie das Problem, aber mit Riesenkissen beworfen zu werden, überrascht. Es ist ein schwungvolles und facettenreiches Eisballett und übertrifft sämtliche Erwartungen der staunenden Zuschauer.

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