11.01.2019 - 10:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Die alten Fotos des Schusters Hermann Reger

Es ist ein Luftbild vom Park-Theater mit dem Schrannenplatz im Hintergrund. Aufgenommen irgendwann Anfang der 50er Jahre. Für Hermann Reger, den ehemaligen Schuster aus der Jesuitenfahrt, Anlass, in seinem persönlichen Fotoarchiv zu kramen.

Ein sensationeller Schnappschuss vom Anfang der 50er Jahre. Links im Bild verläuft die Jesuitenfahrt, auf dem Platz hin zur Langen Gasse steht eine mächtige Dreschmaschine. Fleißige Hände gehen hier ihrer Arbeit nach.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Hermann Reger steht in den Redaktionsräumen der Amberger Zeitung und erzählt. Beispielsweise, wie er mit seinen Freunden als Kind den "Hübel" von der Langen Gasse zur Jesuitenfahrt mit dem Schlitten hinuntergefahren ist. "Damals war da noch ganz viel Landwirtschaft", erinnert sich der ehemalige Schuster, der sein ganzes Leben in der Jesuitenfahrt zugebracht hat. Auch die Regers hatten Felder, die sie bestellt haben.

"Wir haben heute noch den alten Saustall mit dem Trog drin", sagt er und erinnert sich, dass er irgendwo daheim noch ein Foto aus den frühen 50er Jahren haben müsste, auf dem zu sehen ist, wie auf dem Platz an der Jesuitenfahrt gedroschen wird. "Ich müsste mal nachschauen, ob ich das noch finde", sagt er und geht heim. Schon eine halbe Stunde später ist er wieder da mit einigen Fotografien, die er noch gefunden hat. "Die anderen habe ich alle dem Stadtarchiv geschenkt." Unzählige Ansichten aus der Stadt Amberg, die vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstanden sind. "Mein Onkel hatte eine Kamera und sehr viel fotografiert", erläutert er den Hintergrund.

Dreschen in der Stadt

Hermann Reger zieht das fotografische Kleinod aus dem Kuvert. Ein Farbfoto, eine absolute Rarität aus dieser Zeit. Wellig, gelbstichig, eine Herausforderung für die Bearbeitungskünste unserer Fotografin Petra Hartl. Zu sehen ist eine uralte Dreschmaschine der Firma Esterer Altötting im vollen Einsatz. Angetrieben wird sie mit einem langen Riemen von einer Maschine, die sich in einem anderen Wagen befindet. Aus einem Fenster des Anwesens, das es heute auch noch gibt, werfen Menschen das Getreide in die Maschine, wo Korn und Streu voneinander getrennt werden.

Ein Mann lädt einen offensichtlich schweren Kornsack auf ein Fuhrwerk. Doch das ist nur eine der fotografischen Perlen, die Hermann Reger in seinem Besitz hat. Ein anderes Foto zeigt seinen Vater Josef beim Angeln an der Vils. Doch die verläuft nicht in ihrem heutigen Bett. Aufgenommen wurde das Bild offensichtlich vor der Vilsregulierung in den 30er Jahren. Gut zu erkennen ist das Vilstor, Josef Reger würde heute wahrscheinlich mitten in der Kreuzung auf dem Maxplatz stehen. Wie die Vils früher verlief, das demonstriert Hermann Reger mit einem Foto, auf dem der Flussverlauf vor der Regulierung weiter flußaufwärts zu sehen ist. "Wo hier die Vils zu sehen ist, ist heute die Sulzbacher Straße."

Ein weiteres Bild zeigt den 1904 geborenen Georg Hauer, ein Onkel von Hermann Reger, beim Pflügen im Frühjahr 1927. Die Aufnahme muss irgendwo im Bereich Katharinenhöhe oder Eglsee entstanden sein, wo die Regers ein paar Felder besaßen. Damals gab es noch kaum Traktoren, um den Pflug zu ziehen, das erledigten die Kühe. Und noch eine Seltenheit zieht Hermann Reger aus dem Kuvert: eine Aufnahme des Kaufhauses Lampert in der Georgenstraße. Lange das führende Modefachgeschäft in Amberg. Untergebracht war es in dem Haus, in dem heute der Schmuckladen Christ und Optik Fielmann residieren.

Wann entstand das Foto?:

Die entscheidende Frage war, wann das Foto mit dem Park-Theater und dem Schrannenplatz entstanden ist, das wir in der vergangenen Woche veröffentlicht haben. Irgendwann zwischen 1950 und 1955, so haben wir anhand eines VW Bulli A vermutet, der im Hintergrund auf der Aufnahme zu sehen war. Und tatsächlich: Toni Heberer, eine alteingesessene Ambergerin, datiert das Foto in den Bereich 1952/53. Damals, so erinnert sie sich, ging sie zu Fuß fast jeden Tag über den Schrannenplatz in die Schwesternschule. Dabei musste sie auch an dem Gebäude vorbei, an dessen Stelle heute das Gewerkschaftshaus steht. Sie erinnert sich, dass damals dort der Kapellmeister Rex mit seiner Familie gewohnt hat. Auch Hermann Reger und seine Frau Gertraud haben sich Gedanken zu diesem Foto gemacht und kommen auf einen ähnlichen Zeitraum. Gertraud Reger macht ihre Datierung an einer entscheidenden Tatsache fest, die sonst kaum auffällt. Der Gartenliebhaberin mit viel Leidenschaft sind die Bäume aufgefallen, die auf dem Foto zu sehen sind. Sie wurden ziemlich frisch angepflanzt. Und sie erinnert sich noch, wann das gewesen sein muss. Eben um das Jahr 1950 herum.

Wo auf diesem Bild die Vils zu sehen ist, verläuft heute die Sulzbacher Straße.
Josef Reger, der Vater von Hermann Reger, angelt an der Vils. Doch die verläuft noch nicht in ihrem heutigen Bett.
Das Bekleidungshaus Lampert war über Jahrzehnte erste Adresse in der Stadt. Heute sind in dem Gebäude in der Georgenstraße das Schmuckgeschäft Christ und Optik Fielmann zu finden.
Georg Hauer im Frühjahr 1927 beim Pflügen. Den Pflug zogen damals noch meistens die Kühe.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.