Im Schnittpunkt der Pfarreien St. Georg, St. Martin und St. Michael liegt in Amberg auf einer sanften Anhöhe die Sebastianskirche. Eine steinerne Widmungstafel über dem südlichen Kirchenportal weist auf eine Vorgängerkirche hin. Sie wurde im Zuge der Reformation auf Befehl des Pfalzgrafen Friedrich abgebrochen. Aus dem Patrozinium des Pestpatrons St. Sebastian ist zu schließen, dass sich an dieser Stelle ein alter Pestfriedhof befunden haben muss.
Das Gotteshaus wie es sich uns heute präsentiert, ist laut einer Mitteilung aus der Pfarrei St. Georg der Initiative des Amberger Schusters Haider zu verdanken. Sein Sohn Hans Georg studierte in Rom, über die Bekanntschaft zu einem Kurienkardinal erwirkte er zwei vollkommene Ablässe für den Wiederaufbau der zerstörten Kirche. Damit war der Stein ins Rollen gebracht, er musste „nur noch am Laufen gehalten werden". Und das kostete viel Mühe. Schuster Haider fand kein Gehör, entscheidende Stellen versagten ihm die Unterstützung. Er ließ sich jedoch nicht entmutigen, sondern legte selbst die Fundamente der alten Kirche frei, richtete den Bauplatz her und zog durch die Lande, um mit seiner Ablasszusage Geld für die Finanzierung zu erbetteln. Nachdem er laut Chronik "76 Fuder Steine" herbeigefahren hatte, konnte 1710 mit dem Vorhaben begonnen werden.
Barockes Kleinod
Im Inneren präsentiert sich das Gotteshaus als barockes Kleinod. Neben dem Hauptaltar, der dem Kirchenpatron geweiht ist, bilden die Seitenaltäre den Jesuitenmissionar Franz Xaver und den Pestpatron Rochus ab. Aus der Hand des Amberger Schreinermeisters Bacher und des Bildschnitzers Johann Peter Hirsch stammt die prächtige Kanzel. Der Schalldeckel ist bekrönt mit dem Guten Hirten, während den Kanzelkorb Flachreliefs mit der Darstellung der Herde als Sinnbild für die Gläubigen zieren.
Im Jahr 1753 wurde im mittleren Joch der nördlichen Langhauswand eine halbrund schließende Wieskapelle angebaut. Im Apsis-Rund sind Christus am Kreuz samt den beiden Assistenzfiguren Maria und Johannes in bewegten Barockschnitzwerken dargestellt, auf der Altarmensa steht eine Rokokofigur des Heilands an der Geißelsäule, der so genannte Wiesheiland. In die ehemalige Fensteröffnung wurde eine Figur des Auferstandenen hineingestellt und mit Rocaille-Stuck umgeben. Er gleicht in seiner Form den Verzierungen in den vier Seitenkapellen der Stadtpfarrkirche St. Georg und dürfte laut dem Schreiben damit ebenfalls von Franz Anton Landes ausgeführt worden sein. Die Wieskapelle wird durch die wenigen, kleinen Rundfenster nur mäßig erhellt. Im Gegensatz dazu erscheint die Figur des Auferstandenen über dem Eingang zur Seitenkapelle im buchstäblichen Sinne als Lichtgestalt, erhellt durch die Sonnenstrahlen, die durch die Südfenster der Kirche dringen.
14. bis 21. Januar
Das Fest des heiligen Sebastian feiert die Kirche am 20. Januar. In Amberg ist dies der Anlass für eine ganze Festwoche, dem so genannten Winterbergfest – als Entsprechung zum Bergfest auf dem Mariahilfberg, das im Sommer gefeiert wird. Täglich werden in der Sebastianswoche (14. bis 21. Januar) Andachten und Abendmessen gefeiert. Deren Gestaltung übernehmen reihum die Amberger Pfarreien. Dazu werden gerne die eigens kreierten Sebastianslieder gesungen.
Die Sebastianswoche
- Auftakt am Sonntag, 14. Januar
- Die Andachten beginnen täglich um 15 Uhr
- Samstag, 20. Januar, Patrozinium
- Sonntag, 21. Januar, Abschluss der Sebastianswoche














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