13.09.2019 - 20:33 Uhr
AmbergOberpfalz

"Amberg hat alles, was man sich wünscht"

Eigentlich wollte er nur fünf Jahre bleiben. Mittlerweile lebt Heinz Netta, aufgewachsen im Ruhrgebiet, seit 47 Jahren in der Oberpfalz. In unserer Rubrik "Zugroast" schwärmt der Ex-Siemens-Personalchef von den Vorteilen der Region.

Heinz Netta lebt seit 47 Jahren in der Oberpfalz.
von Julian Trager Kontakt Profil

Seit 47 Jahren lebt Heinz Netta in der Oberpfalz, in dieser Zeit hat er einige Spuren in der Region hinterlassen. Der 78-Jährige stammt aus dem damaligen Wanne-Eickel im Ruhrgebiet. 1972 kam Netta nach Amberg, dort übernahm er bis zu seiner Pensionierung 1996 den Job als Personalleiter bei Siemens. Auch in der Lokalpolitik engagierte sich Netta, acht Jahre saß er für die SPD im Amberger Stadtrat. Seine Tochter, Brigitte Netta, ist Bürgermeisterin der Stadt. Der 78-Jährige schwärmt von seiner - wenn man es nach 47 Jahren noch schrieben darf - neuen Heimat.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Heinz Netta: Nein. Für mich war die Zuverlässigkeit der Oberpfälzer beeindruckend – wenn man mit ihnen warm geworden ist. Damals bei Siemens gab es auch den Satz: ‚Das größte Kapital der Oberpfalz sind die Oberpfälzer.‘

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Zunächst war geplant, nur fünf Jahre in Amberg zu bleiben und sich dann einer anderen Aufgabe bei Siemens zu widmen. Aus familiären Schicksalgründen bin ich aber hiergeblieben. Meine erste Frau lag totkrank im Amberger Klinikum. Da hat die Firma eingesehen, dass ich nicht mobil bin, also haben sie mich hier belassen. Ich habe das nicht bereut. Amberg hat sich seit den 70ern ganz schön rausgeputzt. Der Stadtgraben, zum Beispiel, war eine Müllkippe. Heute ist er eine gepflegte Parkanlage zum Spazierengehen. In all den Jahren bei Siemens habe ich viele Führungskräfte nach Amberg geholt. Die wollten alle die Zusage, nur fünf Jahren in Amberg bleiben zu müssen. Viele von ihnen sind hier geblieben, auch nach der Penionierung. Die haben auch die Vorteile der Stadt Amberg kennengelernt.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Nein, wir sind hier fest verwurzelt. Meine Kinder haben sich auch nach kurzer Zeit sehr wohlgefühlt in Amberg. Die können Oberpfälzisch fast so gut wie Einheimische. Ins Ruhrgebiet fahre ich ganz selten, zum Gräberbesuch. Ich habe dort keine lebenden Verwandten mehr. Meine zweite Frau stammt aus der Eiffel. Da fahren wir öfter hin.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Amberg hat die Vorteile einer Mittelstadt, die nicht direkt neben einer Großstadt liegt. Wer aber will, ist innerhalb einer Stunde in Nürnberg oder Regensburg und ein eineinhalb Stunden in München. Wer die einsame, freie Natur liebt, hat sie hier direkt vor der Haustür. Und hier teilt man sich die Einsamkeit nicht mit Tausenden anderen wie in München, wo die Menschen jedes Wochenende Stoßstange an Stoßstange Richtung Berge fahren. Längst bevor es offizielle Stadtführungen gab, habe ich unseren Gästen die Stadt gezeigt. Rathaus, E-Häusl, Stadtbrille oder den Mariahilfberg. Es gibt hier so viele Highlights. Man kann Konzerte besuchen oder gemütlich einkehren. Amberg hat alles zu bieten, was man sich wünscht.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Inzwischen verstehe ich alles. Aber mir fällt es schwer, so zu reden. Vor allem wie die am Siemens-Standort in Cham im Oberpfälzer Wald. Aber unsere Mitarbeiter haben mich immer verstanden.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ja, das kann ich sagen. Ich bin ein Oberpfälzer.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne "Zugroast" stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind - und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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