17.06.2019 - 18:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Auch in Amberg: Mehrweg gegen die Plastik-Flut

In der Stadt und im Landkreis sollen Getränkehersteller und Supermärkte stärker auf wiederverwendbare Flaschen setzen. Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Einwegflaschen (links und Zweite von rechts), auf die es 25 Cent Pfand gibt, werden nach der ersten Benutzung geschreddert. Das folgende Recycling frisst laut Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zu viel Energie. Besser sei es, auf Glasflaschen zurückzugreifen.

Funktionär Rainer Reißfelder bezieht per Presse-Info Position: "Einwegflaschen und Dosen, auf die es 25 Cent Pfand gibt, werden nach der ersten Benutzung geschreddert und gehen ins energiefressende Recycling."

Anders sei das bei Mehrwegflaschen aus Glas oder robustem Plastik: "Sie leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz vor Ort - sie sichern auch Arbeitsplätze bei Abfüllern, im Handel und bei den Herstellern", sagt Reißfelder. Dies sei umso wichtiger, wenn das Produkt aus der Region komme. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beschäftigt die Getränkebranche in Bayern rund 20 200 Menschen.

"Verstöße sanktionieren"

Das Verpackungsgesetz schreibt ab diesem Jahr einen Mehrweg-Anteil von 70 Prozent bei Getränken vor. Aktuell liegt die Quote nach Angaben des Umweltbundesamts aber nur bei etwa 44 Prozent. Unter den nicht-alkoholischen Getränken liegt sie sogar lediglich bei 23 Prozent. "Der Staat muss also stärker darauf achten, dass Hersteller und Handel die Quote wirklich einhalten - und Verstöße notfalls sanktionieren." Andernfalls werde die Umweltpolitik beim Thema Pfand zum "bloßen Lippenbekenntnis", schreibt Reißfelder.

Dabei seien insbesondere auch die Verbraucher in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach gefordert: "Wer zum Apfelsaft aus Bayern oder zum Mineralwasser in der Glasflasche greift, stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und tut etwas für die Umwelt", betont Reißfelder. Kritisch blickt der Gewerkschafter auf die Strategie der Lebensmitteldiscounter: "Sie haben den Trend zu Einwegflaschen befeuert. Wer eine 1,5-Liter-Flasche Mineralwasser für 19 Cent anbietet, der macht Dumpingpreise salonfähig - auf Kosten der Umwelt und der Produzenten."

Die Gewerkschaft NGG macht sich zudem für eine bessere Kennzeichnung im Pfandsystem stark. Damit könne sich der Verbraucher bewusst für Umwelt, Arbeitsplätze und Genuss entscheiden. Reißfelder wörtlich: "Wie es laufen kann, zeigt sich beim Bier. Hier liegt der Mehrweg-Anteil bei 82 Prozent. Und der Käufer weiß, dass es aus der Glasflasche eben auch besser schmeckt."

Wie 880 000 Autos

Nach einer Studie der Umwelthilfe ließen sich bundesweit pro Jahr 1,35 Millionen Tonnen CO2 einsparen, wenn alle alkoholfreien Getränke in Mehrweg- statt in Einwegflaschen abgefüllt werden. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von 880 000 Mittelklassewagen, die im Schnitt 13 000 Kilometer pro Jahr fahren.

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