Amberg
24.10.2018 - 15:02 Uhr

Amberg progressiv wiederholt sich nach 50 Jahren

Für eine kurze Zeit, für einen Wimpernschlag bundesdeutscher Geschichte verändert sich im Jahr 1968 fast alles ‒ und doch nichts. Für die Ausstellung Amberg progressiv '68 startet jetzt, 50 Jahre später, eine Neuauflage.

Uli Wähner (von links), Hans Graf und Marcus Trepesch inmitten der original Kunstwerke, die schon 1968 im alten Baustadel ausgestellt waren und ab Freitag wieder zu sehen sind. Bild: Petra Hartl
Uli Wähner (von links), Hans Graf und Marcus Trepesch inmitten der original Kunstwerke, die schon 1968 im alten Baustadel ausgestellt waren und ab Freitag wieder zu sehen sind.

Ein bisserl ist es wie im Jahr 1968. Uli Wähner und Hans Graf stehen draußen und rauchen, Heini Hohl kommt zu spät und Marcus Trepesch trägt irgendetwas durch den Raum, während Johann Sturcz letzte Bilder aufhängt. Die Stimmung verdient die Bezeichnung "fröhlich", die Temperaturen im Raum sind noch frostig, sollen bis zur Vernissage am Freitagabend aber deutlich angehoben werden, wie der große Holzofen verspricht, der alles dominiert.

Ein bisschen so mag es vielleicht auch vor 50 Jahren im Baustadel am Ende der Jesuitenfahrt, in der Alten Reitschule gewesen sein. Damals, als sich alles verändert und in einer kulturellen Eruption im Jahr 1968 seinen Höhepunkt und ein wenig auch schon sein Ende gefunden hat. Moderne Kunst von experimentellen Künstlern, Musik, Diskussion, Film und gerne eine Prise Provokation. Es war alles vorhanden bei der Reihe Amberg progressiv '68. Die nun endlich ihre Reminiszenz findet, die sie schon längst verdient hatte.

Höchste Zeit auch, weil die Protagonisten von einst heute schon alte Männer sind - wenn sie denn noch leben. Happy Schuller ist tot, Herbert Burger und Alois "Sesch" Segerer leben auch nicht mehr und Günter Dollhopf, der bis zuletzt an der Neuauflage dieses bisher einzigartigen Kulturevents auf Amberger Boden mitgearbeitet hat, ist doch noch vor der Vernissage gestorben. Und trotzdem: Amberg progressiv erhält die verdiente Neuauflage.

Los geht es am morgigen Freitag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr im Kulturstift in der Neustift 47. "Amberg Progressiv 1968", nennt sich diese Ausstellung. Gezeigt werden dort tatsächlich hauptsächlich Bilder und andere Kunstwerke, die schon 1968 im alten Baustadel hingen. Von Happy Schuller, Gerd Dengler, Günter Dollhopf, Heini Hohl, Gerhard Wendland und vielen anderen. Mühselig zusammengetragen aus Privathaushalten, Schulen oder dem Dachboden von Heini Hohls Mutter, was diesen Werken die unverfälschte Patina des Antiken verleiht. Alles echt und manches heute keinem bestimmten Künstler mehr zuzuordnen, weil vor 50 Jahren nicht gründlich signiert. Interessant zu sehen, wie viel oder wie wenig auch sich die Kunst in einem halben Jahrhundert verändert hat in einem sozialen und historischen Umfeld, das mit dem Jahr 1968 nicht mehr viel gemein hat.

Musik gibt es an diesem Abend übrigens auch. Gemacht von Hans "Cash" Märten, der damals schon mit Hardy & Cash musikalischen Protest installiert hat, gemeinsam mit seinem jetzigen Partner Helmut Schuster. Die Ausstellung ist übrigens bis zum 10. November zu sehen (jeweils Freitag und Samstag von 15 bis 18 Uhr). Und wenn es Stefan Stock rechtzeitig hinbekommt, tritt auch der Star der 68er Ausstellung wieder auf: die automatische Bildermalmaschine.

Weiter geht es dann gleich am Samstag, 27. Oktober, um 19.30 Uhr im Ring-Theater. Dort zeigt Uli Wähner seinen Kurzfilm "Kollisionen", der 1968 tatsächlich ein kultureller Blitzeinschlag in die beschauliche Bürgerwelt Ambergs gewesen ist, und damals heftigste Diskussionen hervorrief. Dazu gibt es noch weitere Kurzfilme, die auch heute noch vor dem eigenen kritischen Auge Uli Wähners bestehen können. Dazu Musik des ebenfalls längst verblichenen H.E. Erwin Walther von Konserve mit grafischer Partitur.

 
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